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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912.
Der Yarra-Fluß, ein schmaler gewundener Strom, entspringt etwa 65 Sm
östlich von Melbourne in dem Dividing-Höhenzug. Von seiner Mündung in der
Hobson-Bucht bis hinauf zur Queen’s-Brücke in Melbourne ist er etwa 51), Sm
lang und durchschnittlich 91 m breit; seine Tiefe im Fahrwasser beträgt 7.9 m
(26’) bei Niedrigwasser, Eine 122 m breite und 7.9 m (26’) tiefe künstliche
Fahrrinne führt von der Hobson-Bucht nach seiner Mündung, deren südwest-
liches Ende durch die Leuchttonne gekennzeichnet wird, die 1°/, Kblg nordnord-
östlich von der Williamstown Breakwater-Brücke liegt. Das Fahrwasser im
Flusse selbst ist auf beiden Seiten gut befeuert; es windet sich von seiner
Mündung zunächst in nordwestlicher und nördlicher, hernach in nordöstlicher
und östlicher Richtung nach der Stadt Melbourne. Flußordnung. Der Fluß
darf nur von solchen Schiffen ohne Lotsen befahren werden, deren Führer nach
dem Gesetz nicht lotsenpflichtig sind. Die Fahrt des Schiffes darf nicht mehr
als 5 Sm Geschwindigkeit in der Stunde betragen. Einkommende Schiffe dürfen
in den Neuen Kanal, der längs der Coode-Insel nach Osten führt, nicht einlaufen,
wenn ein auslaufendes Schiff sich demselben nähert, von dem angenommen
werden kann, daß es eher in den Kanal einläuft, als bis das einkommende Schiff
den Kanal durchlaufen hat. Es muß sich vielmehr in angemessenem Abstande
von der ‚westlichen Einfahrt des Kanals halten, bis alle auslaufenden Schiffe
diesen passiert haben. Diese Verordnung hat den Zweck, daß zwei Schiffe nicht
zu gleicher Zeit den Neuen Kanal befahren, findet aber nur Anwendung, wenn
der Raumgehalt des einlaufenden und auslaufenden Schiffes zusammen 8000 R-T.
brutto übersteigt. Das Fischen auf dem Flusse ist zwischen der Queen’s-Brücke
und dem Neuen Kanal ohne Erlaubnis nicht gestattet.
Hafenanlagen in Melbourne, Vier Seemeilen flußaufwärts befindet sich am
nördlichen Ufer des Flusses die Einfahrt zum Vietoria- oder West-Melbourne-
Dock. Dieses umfaßt 36 ha Fläche bei 7.3 m (24’) Wassertiefe. 1370 m Kai-
länge‘ sind vorhanden, weitere 300 m sollen noch angelegt werden. Mehrere
Schuppen zur Aufnahme von Gütern sind vorhanden, andere werden gebaut.
Ein kleineres Dock, das Spencer Street-Dock, von 122 m Länge, 30 m Breite und
3.7 m (22’) Wassertiefe wird von kleinen Fahrzeugen benutzt. Am nördlichen
Ufer des Flusses erstrecken sich ferner von der Einfahrt zum Vietoria-Dock
bis zur Queen’s-Brücke die mit Schuppen versehenen Australian- und Queens
Wharves, die hauptsächlich der Küsten- und Frachtschiffahrt dienen. Am südlichen
Ufer liegen die South- und Princess Wharves mit Güterschuppen in entsprechen-
den Zwischenräumen., Ein 70 t-Kran steht auf dem Princess-Kai gegenüber dem
Zollhaus. An dieser Stelle ist der Fluß zu einem Becken erweitert, um größeren
Schiffen das Drehen zu gestatten. Ein anderes Dreh-Becken befindet sich gegen-
über der Gasanstalt. Hier löschen auch mit Holz beladene Segelschiffe ihre
Ladung. Für solche Schiffe befinden sich außerdem noch mehrere Anlegebrücken
weiter unterhalb im Flusse, ungefähr gegenüber von Stony Creek, 2 Sm ober-
halb der Flußmündung, Die Hafenanlagen in Melbourne werden meistens von
Frachtdampfern und Segelschiffen benutzt. Löschen und Laden geschieht an
den Landungsbrücken mit Arbeitsleuten vom Lande mittels Dampfwinden und
eigenem Schiffsgeschirr, Ballast löschen, Kapt. H. Timm löschte im Vietoria-
Dock seinen Ballast in Leichter, wofür 2 sh 6 d für die Tonne zu ent-
richten waren,
Hafenordnung, Es wird jedem Schiff vom Lotsen eine Hafenordnung an
Bord gebracht, die unter anderen auch Kaivorschriften und Hafensignale enthält.
Die Hafenpolizei ist in der Hubson-Bucht auf einem Schiffe untergebracht,
eine Wache rudert in einem Boote beständig zwischen den Schiffen umher,
Dockanlagen, In Williamstown liegt etwa 90 m westlich von der Eisen-
bahnbrücke das Alfred-Trockendock, das eine Länge von 143 m, eine Einfahrts-
breite von 24.4 m und eine Wassertiefe von 8.2 m (27) auf der Schwelle bei
mittlerem Springhochwasser hat. Bei anhaltenden nördlichen und Östlichen
Winden beträgt die Wassertiefe auf der Schwelle jedoch nur 7.8 m (25.5) bei
mittlerem Springhochwasser. Die Postdampfer »Kaiser Wilhelm II« und »Prinz-
Regent Luitpold« haben das Dock schon benutzt. In Verbindung mit dem Alfred-