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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage? 
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noch ziemlich häufig eine halb und eine doppelt so schnelle 
Verlagerung, die letzte von Keil zu Keil und Tiefdruckaus- 
läufer zu Ausläufer. Dasselbe gilt auch für das Fortschreiten von 
Tiefdruck- und Hochdruckgebieten, die nicht als Ausläufer auftreten. 
Um darzutun, was nach dem neuen Prinzip geleistet zu werden vermag; 
und zugleich die Anwendung darzulegen, sind auf der angefügten Tafel eine 
Reihe von Fällen aus drei verschiedenen Monaten zusammengestellt, wo die 
kommende Luftdruckverteilung mehr oder weniger zutreffend voraus erkannt 
ward; es finden sich je für den Prognosentag außer der Wetterkarte eine genaue 
Kopie der für den Folgetag entworfenen Isobarenkarte und rechts daneben die 
Wetterkarte dieses Tages. Eine aufmerksame Durchsicht der Karten wird zu er- 
kennen geben, wie neben der Ortsveränderung der Hochdruck- und Tiefdruck- 
gebiete als sehr wesentlich insbesondere auch die Ausbreitung der beiderlei Ge- 
biete unter dem Einfluß der Verlagerung ihrer Ausläufer in gewissen Fällen 
vorausgesehen zu werden vermag. Das letzte Beispiel der Tafel (Nr. 28) bietet 
dadurch Interesse, daß in diesem Fall zum ersten Male die erwartete Änderung 
der Wetterlage im Text des Wetterberichts der Seewarte (1./XI. 11) angegeben 
worden ist, 
Daß das Umlagerungsprinzip vor ausreichend erstatistischer Prüfung hier 
vorgelegt worden ist, entstammt dem Wunsche, im Interesse einer Förderung 
der Wettervorhersage zur Mitarbeit auf diesem aussichtsvoll erscheinenden 
Gebiet zu werben. In den Kreis dieser Untersuchungen dürften mit Vorteil die 
von Guilbert gegebenen Regeln hinsichtlich der Intensitätsänderungen der 
Depressionen und der Bedeutung der seit gestern beobachteten Luftdruckände- 
rungen für die zu erwartende Luftdruckverteilung einbezogen werden. 
Die Fällung feiner Tontrübungen in Salzlösungen. 
Von Regierungsrat Dr. Carl Forch-Groß-Lichterfelde. 
(Hierzu Tafel 2.) 
Es ist eine bekannte Tatsache, daß feine, mineralische Trübungen in 
destilliertem Wasser überaus lange Zeit erfordern, ehe sie zu Boden sinken,') 
Trotzdem ihre Dichte mindestens doppelt so groß ist als die des reinen Wassers, 
erhalten sich die feinsten milchigen Trübungen tage-, ja monatelang schwebend 
und falls nicht jede Temperaturschwankung von dem Wasser ferngehalten wird, 
bilden sich noch nicht einmal jene schleierähnlichen Grenzen, welche den oberen 
von Trübungen freien Teil des Wassers von dem tieferen getrübten Teil scharf 
unterscheiden. Fügt man dem Wasser aber Salze und Säuren auch nur in Spuren 
hinzu, so ändert sich jedenfalls für die tonigen Trübungen das Bild völlig; in 
einer Zeit, welche oft nicht !/,9 der für reines Wasser erforderlichen Zeit be- 
trägt, ist völlige Klärung eingetreten. Für die Küstenbildung und die Klärung 
der Flüsse, Landseen und des Meeres ist der Einfluß der Salze auf die Sink- 
geschwindigkeit feiner Trübungen sehr wichtig. 
Die meisten Versuche über die Sinkgeschwindigkeit in ihrer Abhängigkeit 
von gelösten Salzen betreffen Tonschlämmungen. Wie Th, Schloesing®) näher 
ausgeführt hat, entsteht in feinsten Tonschlämmungen bei Zusatz von Salzen eine 
Flockung, aber auch andere kolloidale Stoffe zeigen diese Erscheinung, so z. B. 
Silber.) Sie hat mit der des Gerinnens von Eiweis eine äußere Ähnlichkeit. 
1) Eine Zusammenstellung der älteren Arbeiten findet sich in der Abhandlung von K. Wenule, 
Zur Sedimentbildung, »Ann. d. Hydr. usw.« 1896, S. 402. Die Klärung durch Salze hat für die Frage 
der Reinigung von Abwässern gleichfalls eine große Bedeutung. ; 
?) Th. Schloesing, Contribution a l’6etude de la chimie agricole. Paris 1885, Seite 62 in 
Band X von Fremys: Encyclopedie chimique. 
3, C, Barus und E. A, Schneider, Über die Natur der kolloidalen Lösungen; »Zeitschrift für 
physikal. Chemie«, Bd, 8, 1891 Seite 292,
	        
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