310 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912,
ist, und wie das Interferometer, wenn man Normalwasser zur Verfügung hat,
die Genauigkeit der Messung bis über die Grenzen des praktischen Bedürfnisses
hinaus zu steigern erlaubt, Das Wasser-Interferometer hat sich bis jetzt im
Laboratorium bewährt!); mit der Erprobung an Bord, die natürlich viel
wichtiger ist, ist soeben erst begonnen worden. Da der Apparat aus einem
tragbaren Instrument entstanden ist und zur Temperierung keiner Vor-
richtungen, zur Beleuchtung aber nur eines kleinen Akkumulators bedarf, und
da die Methode als Differenzmethode erheblich weniger von genauer Temperatur-
bestimmung und -Übertragung abhängig ist, als z. B. die refraktometrische
Methode, so ist zu hoffen, daß das Wasser-Interferometer sich auch an Bord be-
währen wird.
Port Phillip mit den Häfen Melbourne und Geelong.
(Amtlich.) (Schluß,)
Durchsteuerung der Port Phillip-Bucht. Innerhalb der Einfahrt ist die
Bucht zunächst für die ersten 2’!/, Sm Ausdehnung frei von Gefahren, weiterhin
wird sie aber, sowie sie sich nach Norden und Osten mehr verbreitert, von Sand-
bänken ausgefüllt, die sich mit ihren südlichen und westlichen Ausläufern beinahe
8 Sm weit ausdehnen. Zwischen den Bänken führen verschiedene Kanäle hin-
durch, von denen aber für größere Schiffe nur der Süd- und Westkanal in
Betracht kommen. Küstenfahrer benutzen auch noch den Coleskanal. Die übrigen
Kanäle sind eng und schwierig zu befahren, Für Ortsunkundige ist es nicht rat-
sam, die Kanäle ohne Lotsenhilfe zu durchlaufen, sie sollten vielmehr, da ohnehin
ja auch Lotsenzwang besteht, auf dem Ankerplatz vor Shortland Bluff warten,
bis sie einen Lotsen erhalten, wenn sie außerhalb der Einfahrt keinen angetroffen
haben. Da es aber immerhin vorkommen könnte, daß der Schiffsführer aus irgend-
einem Grunde auf sich selbst angewiesen ist, so wird im nachstehenden die Durch-
steuerung der Kanäle und des Fahrwassers nach Geelong und nach der Hobson-
Bucht näher erläutert werden.
Der Südkanal, oder der Kanal für große Schiffe, führt nördlich von der
Nepean-Halbinsel nach Osten, An seiner Südseite liegen die südlichen Sandbänke,
an seiner Nordseite die großen Sandbänke und der »Mittel-Grund«, Das Fahr-
wasser ist an seiner Nordseite durch sieben schwarze stumpfe Tonnen und eine
Leuchttonne mit ungeraden Nummern gekennzeichnet, während an seiner Südseite
vier rote spitze Tonnen mit geraden Nummern liegen; außerdem steht in der
Nähe des östlichen Ausläufers der Sandbänke ein auf Pfählen errichteter Leucht-
turm. Die Breite des Kanals beträgt an der Westeinfahrt zwischen Tonne Nr. 2
und 3 1 Sm, querab von Tonne Nr. 6 !/, Sm, an der Osteinfahrt zwischen dem
Leuchtturm und Tonne Nr. 11 !/, Sm. Die Wassertiefe im Kanal ist sehr un-
regelmäßig. Sie schwankt von der Mitte der Westeinfahrt bis 1'/, Sm weiter
nach Osten zwischen 18 und 37 m (10 und 20 Fad.), zwischen Tonne Nr. 4 und 5
von 20 bis 29 m (11 bis 16 Fad.), nimmt weiter nach Osten zu allmählich ab und
beträgt nördlich vom Leuchtturm nur noch 7 bis 8.2 m (23 bis 26’). Zwischen
den Tonnen Nr. 9 und 11 ist ein 122 m (400°) breiter Kanal ausgebaggert worden,
der bei Niedrigwasser eine gleichmäßige Tiefe von 10 m (33') hat. Die Südseite
der Westeinfahrt desselben wird durch die Leuchttonne Nr. 10 mit weißem Fest-
feuer, die der Osteinfahrt durch eine ähnliche mit grünem Festfeuer gekenn-
zeichnet, an der Nordseite der Osteinfahrt liegt die Tonne Nr. 11.
Will man den Südkanal benutzen, so steuere man, nachdem man sich
innerhalb der Einfahrt befindet, auf 15 bis 16 m (8 bis 9 Fad.) Wasser nördlich
von der Küste der Nepean-Halbinsel entlang, indem man die Barwon-Huk in
beinahe rw. 272° (mw. W1/8S)-Peilung eben frei hält von der Lonsdale-Huk: man
1) Über die Untersuchung kolloidaler Lösungen ist eine Arbeit in der Chemiker-Zeitung z. Zt.
"Mai 1912) im Druck.