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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912. 
Bei dem Bestreben, nach dem Rayleighschen Prinzip ein Interferometer 
für Flüssigkeiten herzustellen, erwies das tragbare Modell sich als geeigneter 
wie das lange Interferometer. Das Wasser-Interferometer ist daher in Anlehnung 
an das tragbare Gasinstrument konstruiert worden; nur wird das Wasser- 
Interferometer in ein Gestell gelegt, während das Gas-Interferometer während der 
Beobachtung steht (wie in Fig. 5). Der Raum, in dem bei diesem die 10 cm 
langen Gaskammern angeordnet sind, nimmt nun das Temperierbad auf, in das 
die Versuchs- und Vergleichswasserkammern (Fig, 7) 
von oben her eingehängt sind, An die parallele Aus- 
richtung und die Spannungsfreiheit der Fensterplatten, 
durch die jedes Strahlenbüschel zweimal hindurch- 
treten muß, werden sehr hohe Anforderungen gestellt. 
Da die Kammern hier von der oberen Hälfte des 
Strahlenbüschels durchsetzt werden, erzeugt die 
untere Hälfte die unveränderliche Nullerscheinung 
(Vergleichsspektrum). 
Werden die beiden Hälften der Doppelkammer 
mit gleichem Wasser gefüllt (gleichviel ob destil- 
lertem, Leitungs- oder Seewasser), so erzeugt die 
obere Hälfte des Strahlenbüschels genau dasselbe 
Beugungsspektrum wie die untere (Nullage); enthält 
jedoch die eine Kammer z. B. ein stärkeres Seewasser 
wie die andere, so besteht zwischen den beiden Anteilen des oberen Strahlen- 
büschels ein Unterschied in der sogenannten optischen Weglänge, und iniolge- 
dessen hat das obere Spektrum im Gesichtsfelde ein anderes Aussehen und eine 
andere Lage wie das untere. Gleicht man durch eine langsame Drehung der 
einen Kompensatorplatte mit Hilfe der Mikrometerschraube den optischen Wege- 
unterschied wieder aus, so nimmt das obere Spektrum allmählich wieder genau 
dieselbe Lage und Erscheinung an, wie das untere. Das Messen mit dem 
Kompensator stellt also eine Nullmethode dar und führt erfahrungsgemäß bei den 
verschiedensten Beobachtern zu sehr gleichmäßigen und genauen Ergebnissen. 
Um von einer Probe zur nächsten überzugehen, entleert man die Versuchs- 
kammer mittels einer 5 ccm-Pipette mit Gummibirne, entfernt die in den Ecken 
noch verbliebenen Tropfen mittels eines Stäbchens aus Filterpapier, füllt die 
Kammer mit der neuen Probe, entleert und trocknet wieder und füllt ein zweites 
Mal. War die Probe gut vortemperiert, so kann man nach Umrühren mit einem 
Glasstäbchen sogleich messen; andernfalls sind die Streifen noch gekrümmt oder 
schräg und zeigen so an, daß die Probe die Temperatur des Vergleichs- und des 
Temperierwassers noch nicht angenommen hatte, ein leicht zu erkennendes 
Warnungszeichen, dessen Nichtbeachtung unweigerlich Meßfehler zur Folge 
haben würde. 
Wie sehr ruhendes Wasser zur Schichtenbildung neigt, kann man ver- 
folgen, wenn man den Glasdeckel abnimmt und so die Verdunstung wirken läßt. 
An Stelle eines Glasdeckels, der die Verdunstung zwar sehr vermindert, 
aber doch auf die Dauer nicht verhindert, könnte man eine Schicht Paraffinöl 
auf das Vergleichswasser aufgießen, alsdann ist selbst nach mehreren Stunden 
keine meßbare Spur von Verdunstung zu erkennen, ‘ 
Bei dem raschen Temperaturausgleich, den die metallenen, vergoldeten 
Wasserkammern gewährleisten, genügt es, die Temperatur des Temperier- 
wassers zu bestimmen; es ist zu empfehlen, diese Temperatur immer unter 
derjenigen des Beobachtungsraumes zu halten, damit nicht durch Kondensation 
von Wassertröpfchen an den Glasdeckeln der Kammern merkliche Meßfehler 
entstehen. 
Auf Grund längerer Versuchsreihen wurde die Doppelkammer für die zu 
vergleichenden Wässer so verändert, daß die Vergleichskammer, die aus optischen 
Gründen ihre Fensterplatten behalten hat, völlig mit dem Temperiergefäße 
kommuniziert; es ist also sozusagen eine Kammer ohne Wände. Durch diese 
Veränderung ist erreicht worden, daß als Vergleichswasser die große etwa 3/1
	        
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