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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912,
der Luftdruckverteilung für den nächsten Tag zu entwerfen, da zu diesem Zweck
jegliches Prinzip hinsichtlich der Begrenzung der Bewegung der Depressionen
und Hochdruckgebiete sowie der Ausläufer dieser Gebiete fehlte, vermag das
neue Prinzip wenigstens in einer großen Zahl von Fällen eine ziemlich richtige
Vorstellung von der kommenden Wetterkarte zu gewähren. Die Aufgabe der
Aufstellung der Wettervorhersage hat dadurch ein ganz anderes und erfreu-
licheres Gesicht bekommen. Eine Hauptschwierigkeit ist bereits erwähnt worden,
daß sich neben der als normal bezeichneten Verlagerung von Wellenberg zu
Wellental und umgekehrt auch nicht selten die halbe sowie die doppelt so
schnelle Umlagerung finden, wozu noch gelegentlich ein Stillstehen des ganzen
[sobarenfeldes tritt. Selbstverständlich sind die bekannten Regeln über die
Richtung der Ortsveränderung der Hochdruck- und Tiefdruckgebiete sowie über
den Drehungssinn ihrer Umkreisung durch die Ausläufer zu beachten, und es
empfiehlt sich, auch die Ortsveränderung der für die letzten 24 Stunden ent-
worfenen zwölfstündigen Fall- und Steiggebiete, ergänzt durch die Karte der
Barometertendenz zu Rate zu ziehen; in anderen Fällen hat sich auch die oben
angeführte Berücksichtigung zu starker Winde bei der Beurteilung der kommenden
Druckverteilung als vorteilhaft erwiesen. Nach meinem Dafürhalten handelt es
sich hier um ein Prinzip, das durch eingehendes Studium an der Hand der
Wetterkarten in ungleich höherem Grade, als mir dies zur Zeit noch möglich
ist, nutzbringend ausgebaut werden kann. Von verschiedenen Einzelheiten, die
sich mir bisher angedeutet haben, möchte ich erwähnen, daß jene regelmäßige
Umlagerung dann ziemlich sicher erwartet werden kann, wenn sie sich zumal
bei starken Luftdruckänderungen eingestellt hat, da sie zeitweise an einer Reihe
von aufeinanderfolgenden Tagen sehr charakteristisch hervortritt, und daß die
halb so schnelle Verlagerung besonders dann eintritt, wenn der Abstand zwischen
den aufeinanderfolgenden Druckgebilden sehr groß ist. Als ein sehr erhebliches
Störungsgebiet erweisen sich die Gebirge Südnorwegens, insofern als die von
Westen vordringenden Tiefdruckgebiete und ihre Ausläufer hier häufig in ihrem
nach jenem Prinzip zu erwartenden Fortschreiten aufgehalten erscheinen, was in
geringerem Grade von den Hochdruckgebieten und deren Ausläufern zu gelten
scheint, für die intensiveren Druckgebilde beiderlei Art aber wohl nahezu ganz
zurücktritt. Jedenfalls würde die Entwicklung der Wetterlage über dem von mir
berücksichtigten Gebiet, das von den Azoren und Island bis an die Pyrenäen, die
Alpen und nach dem Rußland unserer Wetterkarten reicht, in sehr vielen Fällen
eine ganz andere ein, wenn das norwegische Gebirge nicht störend einwirkte; die
[sobaren erhalten sich mit besonderer Vorliebe parallel der südnorwegischen
Westküste,
Als eine besondere, selten vorkommende Wandlung der Wetterlage möge
noch angeführt werden, daß gelegentlich im Falle zweier durch einen Hochdruck-
keil getrennter Tiefdruckausläufer nach 24 Stunden nur noch ein Tiefdruck-
ausläufer erscheint, der das ursprüngliche Gebiet des Keils einverleibt hat; in
solchen Fällen hat sich der Keil zurückgezogen und ist verschwunden, während
das nachfolgende Tiefdruckgebiet seine Stelle eingenommen hat und sich mit
dem vorangehenden, seiner Lage nach wenig veränderten Tiefdruckausläufer
vereinigt hat; eine solche Entwickelung wurde beispielsweise vom 8, zum 9. De-
zember 1911 beobachtet, wo der am 8. über der Nordsee lagernde Tiefdruck-
ausläufer in seinem Fortschreiten wohl durch die Gebirge Südnorwegens behindert
worden ist. Derartige Vorkommnisse sind aber Ausnahmefälle, im Gegensatz zu
Guilbert, der das Fortschreiten des Keiles und damit auch des ihm vorlagern-
den Tiefdruckausläufers nicht bemerkt oder zum mindesten nicht in Betracht
gezogen hat und dementsprechend (gemäß Regel 17 seines Lehrbuches) den Ersatz
der Hochdruckkeile durch Tiefdruckausläufer allgemein als eine Vereinigung
zweier Tiefdruckausläufer auffaßt.
Unser Prinzip lautet kurz: Tiefdruckausläufer schreiten mit
Vorliebe in 24 Stunden nach der Stätte der ihnen voran-
gehenden Hochdruckkeile und diese nach derjenigen des vor-
angehenden Tiefdruckausläufers fort; daneben findet sich