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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Löwe, F.: Die optische Bestimmung des Salzgehalts im ‚Seewasser. 
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Die optische Bestimmung des Salzgehalts im Seewasser. 
Von Dr. F. Löwe, Jena-Zeisswerk, 
Die Ermittelung des Salzgehalts im Seewasser ist eine Aufgabe der 
chemischen Analyse, die für die Anwendung physikalischer Hilfsmethoden ganz 
besonders geeignet ist. Darf man doch praktisch das Seewasser als eine Salz- 
lösung betrachten, deren Bestandteile immer das gleiche Mengenverhältnis auf- 
weisen,!) während die Summe aller gelösten Salze, also der gesamte Salzgehalt, 
großen Schwankungen unterliegt. Für den Physiker verhalten sich also Meer- 
wässer verschiedener Herkunft nur wie verschieden konzentrierte Lösungen eines 
und desselben Stoffes (»Seesalz«). . Zunächst zog man das spezifische Gewicht 
als bequem zu ermittelnde physikalische Konstante heran, die 1 (1 nat 6 
ein eindeutiges Maß für den Salzgehalt des Seewassers liefert; ig. 1. (*/s nat. Gr.) 
zu dem Aräometer kam, als die Ansprüche an die Genauigkeit 
der Salzgehaltsbestimmungen stiegen, das Pyknometer; daneben 
versuchte das Lichtbrechungsvermögen, dessen Bestimmung, 
‚die Refraktometrie«, in anderen Zweigen der chemischen Analyse 
der Pyknometrie den Rang streitig gemacht hat, sich Geltung 
zu verschaffen, lange Zeit vergebens. Im Jahre 1889 regte 
Herr 0. Krümmel in einem an Ernst Abbe gerichteten Briefe 
an, das Abbesche Refraktometer für die Salzgehaltsbestimmung 
zu verwenden, und zwar »an Bord eines Seeschiffes, dessen Be- 
wegungen im Seegang die Ablesung eines gewöhnlichen Aräo- 
meters verhinderne. Das Refraktometer wurde nach den Vor- 
schlägen Krümmels und V. Hensens von Abbe berechnet und 
Seewasser-Refraktometer®) genannt. 
Die Meßgenauigkeit dieses handlichen von Krümmel und 
G. Schott (Reise nach Ostasien an Bord des »Robert Rickmers« 
1892) verschiedentlich erprobten Instruments wurde durch die Un- 
sicherheit der Temperierung und der Temperaturmessung illu- 
sorisch gemacht, so daß die optische Methode schließlich versagte. 
Diese Erfahrungen veranlaßten C. Pulfrich, bei der 
Konstruktion seines Eintauch-Refraktometers°) der Temperierung 
ganz besondere Sorgfalt zuzuwenden. 
Ehe wir uns zu den Studien wenden, die G. Schott über 
die Ermittlung des Salzgehalts mit dem Eintauch-Refraktometer _ Schematischer 
angestellt hat, sei dieses Instrument, das inzwischen eine weite Schnitt durch das 
Verbreitung bei der Nahrungsmitteluntersuchung gefunden hat, Bintanch.- Srdraktö- 
: meter,das mit seinem 
kurz beschrieben. Prisma P in das 
Seinen Namen hat das.Eintauch-Refraktometer daher, daß Becherglas B taucht. 
es mit dem ein Prisma tragenden Ende in die zu untersuchende DE Amiciprisma (S. 
Lösung eintaucht. So dringt das Licht aus der Lösung durch das ie Blisbweggelassen, 
g einta . So g ösung 
Prisma in das Fernrohr des Refraktometers. In der Brennebene des Fernrohres ent- 
steht dabei ein helles Feld, das aber das Gesichtsfeld des Okulares nicht ganz bedeckt, 
sondern in einer schwach gekrümmten Grenzlinie plötzlich endet, während der Rest 
des Gesichtsfeldes dunkel bleibt. Diese Grenzlinie wird von denjenigen Strahlen er- 
zeugt, die in der Lösung dicht an der eintauchenden Prismenfläche entlang, dieser 
fast parallel, verlaufen, also von den letzten Grenzstrahlen, die eben noch in das 
Prisma eintreten können. Im Innern des Prismas bilden diese ausgezeichneten 
Strahlen mit der eintauchenden Fläche denselben Winkel, wie die sogenannten 
Grenzstrahlen der totalen Reflexion. Dieser »Grenzwinkel« hängt mit dem 
') M. Ruppin, »Die Umschau«, 15, S. 491, 1911. 
2) 0. Krümmel, Das Doppelbild-Refraktometer zur Bestimmung des spezifischen Gewichts 
des Seewassers auf optischem Wege. »Ann. d. Hydr. usw.« 1894, S. 241 ff. 
3) C. Pulfrich, Über das neue Eintauch-Refraktometer der Firma Carl Zeiss. »Zitschr. 1 
angew. Chemie«, 12, S. 1168, (1899). 
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