Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee, 299
geschwindigkeit dem Flutstrom in der Tiefe, im Revier der Sediment-
versetzungen, bedeutend nach, ein für seine Erosionskraft ungünstiges
Moment. —
Damit schrumpft auch das an und für sich günstige Moment einer reich-
licheren Beimischung von tragkräftigerem Süßwasser, dessen sich der
Ebbestrom erfreut, auf ein Minimum zusammen. —
Während nun der Flutstrom als kräftiger Grundstrom. gleich anfangs in
enge Tore eintritt und dadurch größere Werte zeitigt und erst später, wenn
seine Hauptarbeit verrichtet ist, durch Bestreichen der Wattflächen Lähmung
erfahren dürfte, woran wohl nicht gezweifelt werden kann, wenngleich auch
bedauerlicherweise Messungen nicht vorliegen, so wird durch die nach der
Mündung hin zunehmende Divergenz der Flußufer die Erosions- und
Transportkraft des Ebbestromes, da ja durch Einengung größere
Bewegungsmomente erzielt werden, gerade in der Zeit seiner Kraft-
fülle ungünstig beeinflußt. —
Da nun ferner der Grad der Ablenkung‘) proportional ist der Strom-
geschwindigkeit, müßte — unter der Voraussetzung, daß die Unterlagen ein-
wandfrei sind und die Geschwindigkeit beider Strömungen sowohl an der Ober-
fläche als auch in der Tiefe überall im allgemeinen obigen Angaben entsprechende
Werte haben — dieselbe beim Ebbestrom, der ja an der Oberfläche 1/, bis
1 Knoten schneller läuft, erheblicher und dessen Erosionskraft größer sein. als
beim Flutstrom; aber weil in der Tiefe. ein umgekehrtes Verhältnis herrscht,
so steht auch in dieser Beziehung der Ebbestrom in der Sandregion
dem Flutstrom nach, weshalb wir auch am Ostufer einen überaus flachen,
seichten Anstieg, an der westlichen Flußseite eine so intensiv ausgehobelte Furche
wahrnehmen, —
Obige Ausführungen. lassen unschwer die Überlegenheit des Flut-
stromes erkennen. Einen handgreiflichen Beweis hierfür haben wir in nach-
stehender Tabelle,‚?) in der die Suspensionen des Flut- und Ebbewassers in
Vergleich gestellt werden. Sie zeigt, daß der Schlickgehalt kurz nach Eintritt
der Flut sein Maximum erreicht, Von da ab macht sich eine Abnahme be-
merkbar, was sich hauptsächlich daraus erklären dürfte, daß das Wasser nach
Füllung der tieferen Rinnen beim Ausbreiten über die Watten hier infolge der
entstandenen Ruhepause Suspensionen fallen läßt, ein Zustand, der bis zur Mitte
der Ebbe andauert. Dann kommt der Ebbestrom nämlich wieder in den Bereich
des Bodens und kann mehr Massen aufwirbeln.
Flutintervalil
Nach der 71, Stunde der Flut
K
K «
K« « «
« 5. « « z
Bei Hochwasser. . .
An der
Ober- |
Häche
‚2 m über
dem
Grunde
9 Teile
) «
3 x
"x
«
23 Teile
6 «
4 «
W) &
3 FM
12
86 Teile |122 Teile
Flutintervall
An der
Ober-
Fläche
‚2 m über
dem
Grunde
) Teile 12 Teile
)ı« 12 «
« « «€ ) < | 19 «
« « « » « 19 «
« « 5. x « u «
Bei Niedrigwasser, . . 4 < 16 «
69 Teile | 77 Teile
Differenz... . . . .|17 Teile | 45 Teile
Nach der X Stunde der Ebbe
m
Ferner ersieht man, was für uns hier die Hauptsache ist, daß der Flut-
strom mehr Sedimente transportiert als die Ebbeströmung. Denn zählen wir, um
greifbare Größen zu gewinnen, die einzelnen Teile für Flut und für Ebbe zu-
sammen, so ergibt das für erstere an der Oberfläche 86 Teile, 2m über dem
1!) Siehe »Petermanns Mitteilungen« 1889, S. 134.
2) G. Hagen, Wasserbau III, 1, 167. (Hagen entnahm die Proben dem Jadegebiet bei
Wilhelmshaven 3}