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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912,
Teile dürfte in der Hauptsache in dem Umstande ihren Grund haben, daß wir
uns hier im »Laboratorium« der Brackwasserzone befinden. (Vgl. S. 278 bis 281.)
1
8
Station
Jrackenburg . .
Noltmershausen .
Rade . 0.0.0...
Brake , . 2...
Rechtenfleth. . . .
Jedesdor£ . .
Nordenham . „4
Wulsdorf . .
Feinsand
<orngröße
0.05 mm
1.2
12,4
17.2
412.0
51.6
38.0
25.2
{4
Tonhaltige
Teile
Korngröße
< 0.05 mm
58,8
57.6
52,8
98.0
48.4
52,0
(48
75.6
Station
Blexen. .
Wremen .
Spieka.
Döse . ..
Langwarden ,
Hooksiel . .
3. Carolinensiel ,
16 ı Spiekeroog
Feinsand | Konhailes
z a Teile
Bene vöße | Korngröße
>0.05 mm 7 0.05 mm
60.4
185.0
45.2
91.2
94.0
16,8
41.2
Q1.9
39.6
82.0
54,5
8.8
6.0
53.2
! 58.8
* 188
Schließlich möge noch hingewiesen sein auf
Krümmels Urteil!): »Eine Tideströmung wird am
Meeresboden wenigstens im Bereiche der Schelfe
eine bedeutende transportierende Kraft besitzen, und,
wo sie durch hohen Hub oder seitliche Einengung
beschleunigt wird, geradezu ausfurchend auf den
Meeresboden einwirken.«
Wir glauben deshalb unser Urteil dahin zu-
sammenfassen zu dürfen, daß die Verfrachtung
von Sand seitens des Flutstromes an unsere
Küste damit erwiesen ist.
Auf eine nähere Erörterung der HMeeres-
strömungen, die im Gebiete der Nordsee nur als
Oberflächenströmungen bekannt sind und die nach
den vom dänischen Feuerschiff »Horns Riff«?) vor-
genommenen Messungen nur die geringe Geschwin-
digkeit von 4 Sm in 24 Stunden haben (0.085 m/sec),
30 daß ein Wasserteilchen etwa 60 Tage braucht, um von Borkum Riff bis Hanstholm
(NW-Spitze Jütlands) zu gelangen, glauben wir verzichten zu können, zumal da die
Verhältnisse der Meeresströmungen noch keineswegs als annähernd aufgeklärt be-
trachtet werden dürfen,
Beide Agentien, sowohl den Flutstrom als auch die Wellen, haben wir als
landwärts sandverfrachtende Faktoren kennen gelernt. Ferner sahen wir, daß
auch die Flüsse Sand zur Küste hinabschwemmen. Sollen nun diese Massen zum
Bau der Sandbänke Verwendung finden, so ist die erste Vorbedingung, daß sie
in der Sandbankzone ansässig und nicht wieder fortgespült werden. Hierfür käme
lie Ebbeströmung in Betracht. Es treten also in den Berührungsgebieten
die sandanfrachtenden Agentien und der sandfortspülende Ebbestrom in Gegen-
wirkung, insbesondere der Flut- und Ebbestrom, eine Erscheinung, die man
treffend als einen über unsere Küste verhängten Belagerungszustand bezeichnet.
Es ist also eine Untersuchung darüber notwendig, welchem von beiden die
größere Stoßkraft innewohnt.
Beobachtungen haben für den Ebbestrom im allgemeinen eine größere
Oberflächengeschwindigkeit festgestellt. Auch beim Genius Bank- Feuer-
schiff ergaben die Messungen für den Flutstrom 111, für den Ebbestrom 117,
‚Allein in der Tiefe herrscht ein umgekehrtes Verhältnis: beim Ebbestrom
ist in der Nähe der Genius Bank das Verhältnis des Oberflächenstromes zum
Bodenstrom 117:92, beim Flutstrom 111:99, oder, in Prozenten ausgedrückt,
bedeutet das für ersteren einen Verlust von 21.4, bei letzterem 10.8%,. Hiernach
steht also der Ebbestrom trotz seiner größeren Oberflächen-
‘) 0. Krümmel, Ozeanographie II, 1911, 8. 285.
; O0. Krümmel, Die Deutschen Meere usw. In »Inst. für Meereskunde« 1904. S. 13.