508
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1912.
Die Minima der mittleren Temperaturabweichungen liegen in den Tiefen
bis zu 40 m wie diejenigen der Schwankungen desselben Elements im Wasser
über der Großen Fischerbank, sind aber an der Oberfläche bei D. N. 6 größer
als bei D. N. 3, während die Schwankungen dort kleiner waren als hier. Auch
für alle Tiefen der Stationen D. N. 1 und D. N. 2 ist das Verhältnis umgekehrt;
die Schwankungen in der Deutschen Bucht sind größer, die mittleren Abweichungen
aber kleiner als auf der Doggerbank. Noch auffallender tritt dies im Verhältnis
der beiden Stationen D. N. 11 und D, N. 12 zutage. In allen Tiefen von D. N. 12
sind die mittleren Abweichungen im Verhältnis zu denen der Station D. N. 11
und zu den Schwankungen an beiden Stationen viel zu groß. Im allgemeinen
weicht also das Wasser von D. N. 12 noch stärker von seinem Mittelwerte ab als
das von D. N. 11 und stärker auch als das Wasser der anderen Stationen der
Küstengebiete.
Sonst stimmt im allgemeinen das Bild der unperiodischen Schwankungen
mit dem der mittleren Abweichungen überein (vgl. Fig, 4b), und nur einige
wesentliche Unterschiede sind noch hervorzuheben. Wir sehen z. B., daß die
Schwankung in 50 m von‘D. N, 3 gleich der von 40 m, die mittlere Abweichung
aber größer ist, daß auch im Bodenwasser von D. N. 4 die letztere verhältnis-
mäßig groß ist, wenigstens im Vergleiche zu derjenigen der gleichen Tiefe von
D.N.6, wo die höhere Schwankung liegt. Bemerkenswert ist ferner, daß in 50 m
von D. N, 8 die mittlere Abweichung trotz der größeren unperiodischen Schwan-
<ung geringer ist als von D. N. 9, und daß in 75 m vön D. N, 9. die Abweichung
nur um 0.02° höher ist als von D. N. 10, trotzdem die Schwankung um fast 1.0°
höher ist,
Da auch in allen diesen Fällen ebenso wie im Mai und August die Ver-
bindung einer größeren Amplitude mit einer geringeren mittleren Abweichung
nur dann auftritt, wenn unperiodische Erscheinungen seltener und schärfer sind,
so vermögen wir für das Verhältnis zwischen unperiodischer Schwankung und
mittlerer Abweichung folgende allgemein gültige Gesetzmäßigkeit zu erkennen:
Ist eine größere Amplitude mit einer geringeren mittleren Ab-
weichung verbunden, so sind nennenswerte Abweichungen vom Mittel
seltener, aber erheblicher. Umgekehrt deuten geringere Amplituden,
verbunden mit größeren mittleren Abweichungen, das öftere, wenn-
zleich weniger starke Eintreten unperiodischer Erscheinungen an.
(Schluß folet.
Tiefseelotungen
S. M. Vermessungsschiffe im Atlantischen und Stillen Ozean.
(Amtlich.)
S. M. Vermessungsschiff »Planet« hat seit 1906 nicht wenige Tiefseelotungen
in allen drei Ozeanen, besonders in dem westlichen Stillen Ozean, ausgeführt, die
jeweils in Verbindung mit den rein wissenschaftlichen, ozeanographischen Beob-
achtungen nach deren Aufarbeitung auf der Deutschen Seewarte in dieser Zeit-
schrift veröffentlicht sind. Seit dem Frühjahr 1911 ist auch S. M. Vermessungs-
schiff »Möwe« in gleicher Richtung tätig, zunächst während einer ziemlich ein-
gehenden Meeresuntersuchungen an der nordwest- und südwestafrikanischen Küste
gewidmeten Reise von April bis Oktober 1911, und weitere Beiträge dürfen von
diesem Fahrzeuge demnächst aus südost- und ostafrikanischen Gewässern er-
wartet werden.
Da es sich nun herausgestellt hat, daß die Veröffentlichung der Gesamt-
ergebnisse in nicht wenigen Fällen nur ziemlich spät nach Beendigung der Reise
selbst bewerkstelligt werden kann — man denke z. B. an den Umstand, daß die
Wasserproben erst aus dem Ausland eingegangen und dann analysiert sein
müssen —, So wird seitens der Seewarte beabsichtigt, in Zukunft die Ergebnisse
der Lotungen, und zwar nur die Tiefenzahlen als solche, im allgemeinen sofort