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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage? 
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Auch möge hier noch auf einen interessanten Punkt hingewiesen werden, 
der die Fall- und Steiggebiete betrifft, Bekanntlich hat Ekholm die Fall- und 
Steiggebiete des Luftdrucks mit der den Zeitraum der Barometeränderung ab- 
schließenden Wetterkarte in Verbindung gebracht und demnach die Fallgebiete 
zu der Lage der Minima und die Steiggebiete zu derjenigen der Maxima auf 
dieser Wetterkarte in Beziehung zu setzen gesucht; wobei er zu dem Ergebnis 
gelangte, daß Fall- und Steiggebiete selbständige Erscheinungen seien, die in 
gewissen Fällen. unsere Minima und Maxima hervorrufen, während andererseits 
jene Gebiete auch ohne solche auftreten. Nach meiner Erfahrung dürften sich 
in den Wetterkarten die zugehörigen Minima und Maxima oder aber ent- 
sprechende Ausläufer niedrigen oder hohen Drucks stets nachweisen lassen, aus- 
genommen vielleicht innerhalb ungewöhnlich tiefer und ausgedehnter Depressionen, 
wo die Isobaren so gedrängt verlaufen, daß Störungen in ihrem Verlauf, wie sie 
in Depressionen ‚mit‘ geringeren Luftdruckunterschieden übereinstimmend mit 
der Lage der Fallgebiete hervorgerufen werden, leicht unbemerkt bleiben. Der 
Gedanke, die von gestern zu heute berechneten Fallgebiete mit den auf der 
heutigen Wetterkarte auftretenden Minima und ebenso die Steiggebiete mit den 
heutigen Maxima in Beziehung zu setzen, ist vielleicht der nächstliegende — und 
doch liegt es auch gewiß nicht fern, die Fallgebiete mit dem gestrigen Maximum 
und die Steiggebiete mit dem gestrigen Minimum in Verbindung zu setzen, 
Dort, wo auf der Wetterkarte gestern ein Minimum lag, das sich inzwischen ent- 
fernt hat, muß (als Negativ) ein Steiggebiet und dort, wo ein Maximum lag, das 
seine Lage verändert hat, ein Fallgebiet hervortreten, soweit nicht die dem 
Minimum und dem Maximum nachfolgenden Druckgebilde jene Spuren ver- 
wischt haben sollten. In der Tat läßt die Karte der Änderungen des Luftdrucks 
innerhalb 12 oder 24 Stunden im allgemeinen eine größere Ähnlichkeit mit der 
für den Anfang als der für den Endpunkt des Zeitraums gezeichneten Luft- 
Adruckkarte hervortreten. Da wir gerade zu Zeiten sehr starker Luftdruck- 
änderungen besonders häufig das als normal bezeichnete Fortschreiten der 
Druckgebilde innerhalb 24 Stunden von Wellenberg zu Wellental und um- 
gekehrt beobachten, so fallen für solche Zeiten die gestrigen Lagen der 
Hochdruck- und Tiefdruckgebiete mehr oder weniger nahe mit der heutigen 
der Tiefdruck- und Hochdruckgebiete, diese dann also annähernd ebenso mit 
den Fall- und Steiggebieten zusammen. Jedenfalls dürfte es sich empfehlen, 
die Theorie der Steig- und Fallgebiete auch aus diesem veränderten Ge- 
sichtspunkt zu betrachten. Daß natürlich Steiggebiete ohne eine Orts- 
veränderung von Depressionen auftreten und Fallgebiete nicht allein durch 
eine Ortsveränderung von Hochdruckgebieten hervorgerufen werden, bedarf 
kaum der Erwähnung und eines besonderen Nachweises, da die Intensitäts- 
schwankungen von Druckgebilden, die ihre Lage während des der Druck- 
schwankung zugrunde liegenden Zeitraums nicht ändern, derartige Erscheinungen 
in der Welt der Fall- und Steiggebiete zur Folge haben müssen. Wir würden 
hiernach also bei der Untersuchung zweierlei Arten von Steig- und Fallgebieten 
zu unterscheiden haben. . 
Nun zurück zu dem neuen Prinzip der Druckumlagerungen, Nachdem 
ich aus den Wetterkarten ersehen hatte, daß die charakterisierten Ortsverände- 
rungen der Hochdruck- und Tiefdruckgebiete sowie insbesondere auch ihrer 
Ausläufer sehr häufig und zumal bei starken Wandlungen der Wetterlage über- 
raschend auftreten, machte ich den Versuch, täglich die Luftdruck verteilung 
für den folgenden Tag in einer Karte in der Weise zu entwerfen, daß die Iso- 
baren in wenigen Hauptzügen ohne Bewertung der Isobaren nach Millimetern 
auf die Wetterkarte der Wetterdienststelle mit Blaustift eingezeichnet wurden. 
Es gelang bald, in vielen Fällen starker Umlagerungen des Luftdruckes mit 
großer Annäherung in den Hauptzügen das Richtige zu treffen, so daß ich dazu 
überging, die Wettervorhersage auf die entworfene Karte .der kommenden Luft- 
druckverteilung zu stützen; da ‚es sich dabei meist um erhebliche Wetter- 
umschläge handelte, so war dieses Unterfangen wohl kühn, aber meist von dem 
besten Erfole. Während es mir bis dahin geradezu unmöglich war, eine Karte
	        
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