accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee, 291 
wird also zum Teil auf Kosten des Weststrandes, der im Südosten zum Teil durch 
Abnagung des Nordstrandes gebildet, Vorgänge, die durch den Flutstrom intensiv 
unterstützt werden. Wangeroog, Juist und das Nordende von Sylt sind besonders 
typische Beispiele dieser Meerestätigkeit, 
Jene Vorgänge mußten und müssen naturgemäß eine Verfrachtung der 
Inseln in OSO-Richtung, sowie eine Verlegung der Seegaten nach 
Osten zur Folge haben. — 
Die Sanddrift wird unterbrochen durch die Flüsse, in die der an 
der Küste entlang verfrachtete Sand schließlich hineingestoßen wird, wo er 
zunächst an der Böschung hängen bleibt. Der Flutstrom, der am rechten 
Ufer, in der Richtung des Flutstromes betrachtet, große Energie erzeugt,!) hobelt 
den Sand von der Böschung ab und wirft ihn in das Flußbett, von wo ab er 
dann zunächst dem Einfluß der Gezeitenströme und Wellen verfallen ist, bis er 
endlich in den Staugebieten des äußern Mündungsmundes vorerst zur Ruhe gelangt 
und Material zum Bau der Sandbänke liefert. — 
Wir haben also gefunden, daß die Wellen teils aus der Tiefe des 
Meeres, teils von den der Abrasion unterworfenen Gestaden Sand- 
massen zum Bau der Bänke herbeitransportieren, — — 
Die Gezeitenströmungen. 
Die Nordsee, die keine selbständige Flutwelle besitzt, empfängt zwei 
Wellen aus dem Atlantischen Ozean, die eine durch den Kanal, die Kanalwelle 
genannt, die andere, eine Beugungswelle von Norden her um Schottland herum, 
die wir die Shetland-Welle nennen können. Diese, die durch drei Tore, nördlich 
von den Shetland-Inseln, südlich von ihnen und zwischen den Orkney-Inseln und 
Schottland in die Nordsee eintritt, dringt sowohl nach Skandinavien und in der 
norwegischen Rinne nach Süden ins Skagerrak vor, als auch in der tiefen Mulde 
an der Ostküste Großbritanniens nach Süden, Von ihr zweigt sich nach Osten 
eine Flutwelle ab, teils über die Doygerbank hinweg, teils durch den Silver Pit, 
einen schmalen tiefen Kanal südlich von ihr, Diese wird bald einer großen Ver- 
breiterung und Verflachung unterworfen, so daß sie sowohl auf Schleswig-Holstein 
zu, als auch als Hauptzweig in südlicher und südöstlicher Richtung bogenförmig 
vorwärts schreitet, Die ursprüngliche Welle rückt an Ost-England hin nach 
Süden weiter und schließlich durch die »Tiefe Rinne«, Bei diesem Vordringen 
auf die holländische Küste zu wird sie von der Kanalwelle, die auch die Themse 
bestreicht, abgefangen und nach Osten fortgerissen. Letztere beherrscht den 
ganzen südlichen Teil der Nordsee in Verbindung mit der von der Doggerbank 
vordringenden Welle, die in der Streichrichtung des 54. Breitengrades wegen 
der Ausdehnungsmöglichkeit in tiefem, breitem Wasser den Charakter einer 
stehenden Welle aufweist und das Übergewicht über die Kanalwelle erhält. 
Wenn also Ost-England Hochwasser hat, ist an der schleswig-holsteinischen Küste 
Niedrigwasser; sechs Stunden läuft der Ebbestrom in westlicher, sechs Stunden 
der Flutstrom in östlicher Richtung. Bis dahin, wo die Kanalwelle die Direktion 
hat, dürfte der Strom eine 0O—W-Richtung haben; sobald aber die aus der Silber- 
rinne und über die Doggerbank bogenförmig vordringende Welle vorherrschend 
wird, geht die Richtung in eine ostsüdöstliche über, die sich schon vor der Ems- 
mündung bemerkbar macht.”) In der Helgoländer Bucht hat nach Krümmel‘) 
die Welle der Silberrinne bis 551/,° die Führung. In der Höhe von Sylt nimmt 
der Flutstrom die Richtung von Süden nach Norden, der Ebbestrom umgekehrt, 
Nördlich von Horns Riff scheinen die Gezeiten auf ein Minimum beschränkt, wenn 
nicht ganz zu erlöschen.?) 
5 Siebe folgenden Abschnitt. 
* O0. Krümmel, Ozeanographie II, 1911, S. 355. 
) O0. Krümmel, Ozeanographie IX, 1911, S. 354, 
4) Vgl. Atlas der Gezeiten und Gezeitenströme für das Gebiet der Nordsee. Herausgegeben 
von der Deutschen Seewarte 1905.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.