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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

284 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912 
getragen haben sollen, einen Gebirgsblock, auf dem sich nach Haas’) im Pliocän 
Laterit bildete, will ich unerörtert lassen. — 
Dürfen wir nun auch annehmen, daß von Westen her, von den englischen 
und französischen Küsten durch den Kanal hindurch analog dem dort auf- 
bereiteten Schlamm Sandmassen in die Nordsee hinein verfrachtet werden? Wird 
dort aber überhaupt Sand aufbereitet? Die Bestandteile der Küstengebirge am 
Kanal, die in der Hauptsache aus leichtlöslichem Kalkstein und Kreide be- 
stehen, liefern zwar reichlich Schlamm, allein ob man aber auch mit der Auf- 
bereitung der in der Kreide versprengt vorkommenden harten Feuersteinknollen 
zu Sand zu rechnen hat, darüber ist man geteilter Meinung. Denjenigen, die 
diese Quelle ablehnen, steht ein von Frisi ausgeführtes Experiment zur Seite.”) 
»Er ließ grobe Flußkiesel teils unmittelbar durch Handarbeit schütteln und stoßen, 
teils aber brachte er sie in eine Trommel, welche lange Zeit hindurch mittels 
einer Mühle gedreht wurde, Der Erfolg war genau von der Art, wie er sich 
voraussehen ließ: die Steine verloren nämlich ihre scharfen Ecken und rundeten 
sich ab (genau dieselbe Vorrichtung wendet man auch an, um die kleinen 
Marmor- und Achatkugeln herzustellen). Das gelöste Material war aber keines- 
wegs Sand, sondern ein sehr fein zerteilter Staub oder Schlamm, nämlich Staub, 
wenn die Steine trocken, und Schlamm, wenn sie benetzt waren. Bei den vielen 
Versuchen kam es nur ein einziges Mal vor, daß ein Stein zerbrach, welcher 
möglicherweise schon früher einen Riß hatte. Wollte man also die erwähnte 
Ansicht verfolgen, so müßte man annehmen, daß aus jedem Stück Geschiebe im 
allgemeinen nur ein einziges Sandkörnchen würde, was gewiß niemand behaupten 
wird«. (Hagen). Denn meines Erachtens sind gegenüber den Ergebnissen 
solcher Versuche schwerwiegende Bedenken berechtigt; kaum dürfte es gelingen, 
die Naturkräfte, am schwierigsten die hier in Betracht kommenden, in ihrer 
Stärke und Eigenart in naturgetreuer Weise zum Ausdruck zu bringen: Er- 
innern wir uns nur daran, daß die von Natur doch eckigen Steintrümmer von 
der Brandungswelle, die einen Felsblock im Gewicht von 1370 Tonnen 10 bis 
15m weit (s. S. 14) fortzubewegen vermag, mit unvergleichlich größerer Vehe- 
menz an die zackigen Felswände gleich Projektilen geschleudert werden, als das 
in der Trommel mit ihren noch dazu glatten und symmetrisch zum Zentrum 
liegenden Wänden nachgeahmt werden kann. Wir glauben deshalb keinen Fehl- 
schluß zu tun mit der Annahme, daß auch die Feuersteinknollen zum Sand- 
quantum ihre Beisteuer liefern. Doch fällt diese Quelle gar nicht so sehr ins 
Gewicht; es sprudeln hier eben unvergleichlich reichere Quellen, So berichtet 
G. W. v. Zahn?) von großen, hauptsächlich von der Brandungswelle aufbereiteten 
Sandmassen an den Klippenküsten der Bretagne. Auch die Ströme sind hier in 
diesen Gebirgsgegenden infolge des stärkeren Gefälles und der Art der be- 
strichenen Gesteinsmassen sehr viel sandreicher als im norddeutschen Flachlande, 
wo sich die schwereren Geschiebe gleich nördlich von den deutschen Mittel- 
gebirgen ablagern. Ferner dürfte es durchaus innerhalb der Grenzen der Mög- 
lichkeit liegen, daß auch der sturm- und gezeitenbewegte Atlantische Ozean Sände 
an diese Küste hinan- und in Anbetracht der sanften Neigung des Schelfs direkt 
in den Kanal hineinverfrachtet. Kurzum: mag nun der eine oder der andere 
Ort die Quelle für diese Sände sein, einerlei — soviel steht fest: an den franzö6- 
sischen und englischen Küsten lagern reiche Sandmassen.%) 
Für uns tritt nun die Frage in den Vordergrund, ob diese Sandmassen 
auch durch den Kanal in die Nordsee hineintransportiert werden. Wenn der um 
die Nordwestspitze Spaniens eindringende Flutstrom den Detritus der felsigen 
Nordküste längs der Gascogne absetzt,5) also durch den südlichen tiefen Teil des 
Busens von Biscaya hindurchtransportiert, und wenn er die Abrasionsprodukte 
') H. Haas, Zeitschrift »Ausland« 1893, Nr. 11 u. 12. 
3 Hagen, Wasserbau, I, 2, S. 168. 
3) G. v. Zahn, Die zerstörende Arbeit des Meeres an Steilküsten, nach Beobachtungen in 
der Bretagne und Normandie i. d. J. 1907 u, 1908, Hamburg 1909. (Mittlg. d. Geogr. Gesellsch.) 
1) Vgl. Hagen, Wasserbau, III, 1. 
) H. Wagner, Lehrbuch der Geographie, 1908. S. 337.
	        
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