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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912,

Darüber geben uns in erster Linie die Seekarten und die Untersuchungen
der Forschungsexpedition mit S. M. Kanonenboot »Drache« 1881, 1882 und 1884)
Aufschluß. Ein flüchtiger Blick auf die Seekarte genügt, um zu erkennen, daß
unter dem Bodenbelag der Sand vorherrschend ist, Dasselbe Resultat ergaben
auch die Untersuchungen Holzhauers. Die an 35 Stellen gehobenen Meeresgrundproben
 jener Expeditionen hatten das Ergebnis, daß bei 26 Proben quarzigsandige
 Bestandteile festgestellt wurden, welche locker gebunden, hellgräulich,
weißlich oder rötlich gefärbt waren, (Haage, S. 23). Fünf der tiefen norwegischen
Rinne entstammende Proben enthielten sandig-toniges Material, fest gebunden,
in nassem Zustande bis zu einem gewissen Grade plastisch, dunkel- und schwärzlichgrau
 gefärbt, und nicht unbeträchtliche Mengen feinsten Sandes, Südlich von den
Shetland-Inseln wurden fast nur zerbrochene Muschelschalen gefunden, Drei im
Nordwesten und Westen von Helgoland aus 25, 35 und 37 m Tiefe geförderte
Proben ergaben folgendes Resultat: lockerer Quarzsand und abgerollte, feine
Quarzkörnchen bis zu 5 mm Durchmesser von blaßrötlicher bis gelblicher Färbung,
untermengt mit zahlreichen Blättchen von Kali- und Magnesiaglimmer, Granaten,
Hornblende-, Feldspat- und Orthoklasstückchen, Zirkon, Magneteisen und Glaukonit.
 (Haage 8, 23.) Chemisch untersucht, verrieten sie einen beträchtlichen
Gehalt an kohlensaurem Kalk, der von den kleinen, abgeriebenen Trümmern von
Muschelschalen, besonders Foraminiferen, Ostrakoden, Radiolarien und in kleinen
Mengen auch Diatomeen herstammt. Ungefähr unter dem Meridian von Ameland
und dem Parallelkreise von Föhr findet sich feiner, lockerer, glimmerreicher Sand
mit ziemlich starkem Gehalt an abschlemmbarem Ton; es kommen in demselben
wohlabgerundete Sandkörnchen vor von 0.1 mm Dicke, ferner Hornblende, Granat,
Orthoklas, Hypersthen und Plagioklas. Eine auf dem sechsten Längengrade
gegenüber Sylt und eine andere gegenüber Ring-Kjöbing-Fjord gehobene Probe
ergaben rötlichen, infolge seines Gehaltes an Magneteisenteilchen rostfarbenen,
feinkörnigen Quarzsand, mit Glimmer untermischt, und ziemlich reichlich vorhandenen
 Schlamm mit nicht unbeträchtlicher Beimengung von Foraminiferen,
Echiniden-Stacheln usw. (Haage.)?)
Ferner bemerkt das Segelhandbuch,®) daß die südlich vom Parallel von
Hanstholm bis zum Abstande von etwa 50 Sm von der jütischen Küste sich
erstreckende Jütland Bank aus Sand von verschiedener Farbe und Feinheit
besteht. Vorwiegend ist grober Sand, auch Kiesgrund mit kleineren Steinen;
Schlammablagerungen kommen nicht vor. Die große Fischer Bank, etwa 100
bis 150 Sm westlich von der jütischen Küste ...., zeigt feinen Sand, an einzelnen
Stellen mit Schlick untermischt; Muscheln und kleinere Steine kommen nicht
vor. Der Grund der Doggerbank besteht größtenteils aus feinem, grauem Sande,
teils mit Sprenkeln oder Muscheln durchsetzt; im Westen und Südwesten werden
Kies und sogar Steine gefunden. Der Grund des Außenriffs von Horns Riff
besteht überall aus grobem, hellem Sande, auf tieferen Stellen meist mit Kies
vermengt. Südlich von dem inneren Teile des Riffs findet sich feiner, dunkler
Sand, während der Grund südlich von dem äußeren Teile des Riffs und längs
der ganzen Nordseite desselben sehr verschieden ist.%)
Zusammenfassend können wir also sagen: alles in allem genommen,
trägt der Boden der Nordsee einen sandigen Charakter, Die sandigen
Bestandteile enthalten nicht unbedeutende Beimengungen von Urgebirgsmineralien,
aus denen sich die Gebirge Norwegens und Schottlands zusammensetzen. Vulkanische
 Gesteinsfragmente fehlen, ein Beweis dafür, daß die Bildung der
Nordsee in ihrer letzten Vollendung ohne irgend welche wesentliche Einwirkung
vulkanischer Kräfte sich vollzog. (Haage.)
Woher stammt aber dieser Bodenbelag? Ist er ein alter Bestand, oder

1) »Die Ergebnisse der Untersuchungsfahrten S. M. Kanonenboot „Drache‘“ in der Nordsee
1881, 1882, 1884«, Berlin 1886.
?) R. Haage, Die deutsche Nordseeküste, Diss. Leipzig 1899, 8, 22 ff.
3) Segelhandbuch der Nordsee, 1906, I, 3, S, 32,
1 Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 33, 63.
            
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