Poppen, H.: Die Sandbänke an der Küste der Deutschen Bucht der Nordsee. 9277
auffallend gesonderte Gestalt haben die den ostfriesischen Inseln vorgelagerten
Gestadebänke, die sich zu deren Füßen girlandenartig hinwinden. Sie zeigen,
als Einheit betrachtet, auffallende Ähnlichkeit mit einem ausgewellten Kuchen-
rand, wobei die hervortretenden Auswölbungen die Barren der Gaten sind. Völlig
inkonstant in Lage und Form sind die Bänke vor den nordfriesischen Inseln,
Die Längsachse der Bänke hat mehr oder weniger die Richtung der sie bestreichen-
den Strömungen, eine Beobachtung, die bezüglich der vor den Seegaten lagernden
Bänke wegen der hier herrschenden komplizierten Strömungsverhältnisse seltener
zutrifft.
Entstehung.
Bezüglich der geologischen Untersuchung der Sandbänke ist bis in
unsere Tage hinein geradezu gar nichts unternommen worden. Erst in aller-
neuester Zeit hat die Kaiserliche Werft solche Untersuchungen für das Jadegebiet
unter Leitung des Marine-Oberbaurats Krüger ausführen lassen, und zwar seit
dem Jahre 1907.1) Die geologische Bearbeitung ist Rektor Schütte aus Olden-
burg übertragen worden.
Auf Grund dieser Untersuchungen bestehen die Bänke zum weitaus größten
Teil aus gröberem und feinerem Sand analog unseren Inseldünen, ferner aus
Brockenmaterial und Schlick, jedoch in geringeren Quantitäten, Generelles läßt
sich indes nicht aufstellen; denn die einzelnen Sandbänke sind wegen ihrer Lage
in gar zu verschiedenem Maße den um- und aufbauenden Naturkräften ausge-
setzt. Es ist deshalb ein Unterschied zu machen sowohl zwischen den Bänken,
die starker Wellenbewegung unterworfen sind, und denen, die in ruhigerem
Wasser liegen, also zwischen See- und Flußsandbänken, als auch den konstanten
und wandernden Platen, Die konstanten Bänke zeigen meistens schon in relativ
geringer Tiefe feste, altgelagerte Bodenschichten, so z. B. die Jade Plate und die
Genius Bank in 12 bis 17 bzw. 9 bis 12m unter Kartennull meist alten See- und
Brackwasserton, darunter’ oft Süßwasserton, Schilf- und Waldtorf, also submarine
Moore; daneben wird draußen bei etwa 18 m, drinnen in der Jade bei 12 bis
15m Tiefe Diluvialton, Geschiebe usw. angetroffen. Uber diesen Schichten ruhen
leicht bewegliche Massen, die ständig der Umlagerung unterworfen sind,
Die wandernden Platen aber, wie die H-Plate, der Minsener Sand, der
Rote Grund, der Rote Sand und andere bestehen bis zu der ganz beträchtlichen
Tiefe von 19 bis 20 m naturgemäß aus gemengtem Material, in der Hauptsache
aus Feinsand mit Muschel- und Torfgrus, aber auch aus Kies, Rollstücken von
Torf und Holz, Muscheln, Schneckenschalen und dergleichen mehr.
Diese knappen Mitteilungen tun dar, daß die beweglichen Massen, auf
die wir unser Hauptaugenmerk richten, bei beiden Arten von Bänken, bei den
konstanten sowohl, als auch bei den Wanderbänken, mehr oder weniger aus
denselben Substanzen zusammengesetzt sind, vornehmlich aus Sand neben Brocken
verschiedenster Art. Das gilt jedoch. nur von den Seesandbänken. Die Fluß-
bänke, die im großen und ganzen außerhalb des Bereichs starker Wellenbewegung
liegen, gleich den Watten und ruhigeren Meeresbuchten wie der Jade, beherbergen
einen nicht unbeträchtlichen Prozentsatz von Schlick, wie schon aus einem Ver-
gleich der zur Ebbezeit aus dem Wasser herauslugenden Rücken hervorgeht, die
bei den Flußbänken eine mattgrauere Färbung zeigen, während die ausgewaschenen
Sände der von den Sonnenstrahlen beschienenen und ausgetrockneten Seesand-
bänke schon aus weiter Ferne zu uns herüberleuchten. —
Wenden wir also den Hauptbestandteilen, dem Sand und dem Schlick,
unser Augenmerk zu und suchen die Frage nach den Quellen des Materials zu
erörtern.
1) Die Bearbeitungen der Jahre 1907/08 sind seiner Zeit den einzelnen Universitäten als
Konvolut zugesandt worden: 1. Vorwort von Möller und Krüger, 2. Allgemeiner Bericht über die
Bodenuntersuchung von Schütte, 3. die Diatomeen in den Küstenablagerungen von Chr.:Brock-
mann. 4. die snbfossilen Hölzer der Baggerproben von Herm. Brakenhoff.