276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1912.
der Möwen Steert und die Hubert Plate in der Ems. Charakteristischerweise
beobachten wir die Sandablagerungen und Verschlickungen vorwiegend am Ööst-
lichen Ufer (siehe Ems, Weser und Elbe). — Manche Bänke behaupten nun eine
durchaus konstante Lage wie der Geldsack und das Borkum Riff in der Ems
und die Jade Plate in der Jade, andere sind in bezug auf ihren Standort stetem
Wechsel unterworfen wie der Minsener Sand und der Rote Sand in der Jade;
man nennt sie deshalb Wandersände, während wir jene als konstante
Bänke bezeichnen können. Auch gewahrt man bisweilen plötzlich auftauchende
Sände, denen jedoch gewöhnlich nur ein kurzes Dasein beschieden ist. Bilden
die Bänke einen zusammenhängenden Komplex zwischen beiden Ufern, so redet
man von Barren, einer Flutbarre in der oberen Flutzone und einer Ebbebarre
im unteren Flußgebiet,
Fie.
1
Anmerkung. Die vom Herrn Marine-Oberbaurat Krüger in Wilhelmshaven zur Verfügung gestellte
Aufnahme obigen kleinen Strandwalles, der den Trp einer Sandbank gut wiedergibt, ist von der Spitze
der Mellumbake aus nach Osten hin gemacht. Das Dunkle im Hintergrunde ist das Grünland von
Mellum mit dem Sandstreifen an der Westseite; die Mellum Plate liegt 4 km weiter nördlich, Die
letzte Flut hat den Strandwall nicht ganz hedeckt, was man an dem geschwärzten Randstreifen sieht,
den man deshalb Flutmarke nennt. Diese besteht aus bloß- und angespülten Brocken von Torf,
Darg, Holz, Klei usw., die sich in den Hauptbestandteilen deutlich abheben. Die Farbe des Walles
ist, mattgrau, ein Zeichen dafür, daß er auch Schlickmassen beherbergt,
Schon bei oberflächlicher Betrachtung der Seekarte gewahrt das Auge das
fast allen Bänken eigene Charakteristikum einer länglichen Gestalt (Vgl. Fig. 1),
was besonders von den Flußsänden gilt. Die Böschungen ihrer Seiten sind vielfach
steil; nach den Enden hin ist der Abfall ein allmählicher, nach der See zu in den
meisten Fällen jedoch flacher als am andern Ende, wobei dieses dann auch die
größte Höhe hat. Die hakenförmigen Gebilde ähneln sozusagen submarinen
Nehrungen, bei deren Bildung man vielfach die Beobachtung machen kann, daß
sie infolge Anhäufung von Sedimenten im Stromschatten eines Ufervorsprunges
an eine im Fahrwasser bereits vorhandene Bank anwachsen und diese dadurch
»wattfest« machen. Wesentlich unruhigere Formen haben die Bänke, die gleich-
sam als Vorposten im äußeren Mündungsmund der Flüsse weit vorgeschoben
sind. Sie haben im Gegensatz zu jenen nicht selten seitliche Vorsprünge und
auf ihren Rücken unregelmäßig auftretende Erhöhungen, ebenso seitliche Ein-
schnürungen; ferner nehmen sie manchmal eine sichelförmige Gestalt an.
Auch kommt es vor, daß zwei Bänke sich zu einem einheitlichen Komplex an-
einandergliedern. Der rechtsseitige Abfall — auf die Richtung der Flußströmung
bezogen — ist in den weitaus meisten Fällen steiler als der linksseitige. Eine