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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage? 
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Fällen fast immer eintritt, durch konkave Isobaren ersetzt werden.« 
Guilbert fügt noch hinzu, daß jener typische Fall keineswegs vereinzelt dastehe, 
daß man leicht zahlreiche analoge Fälle auffinden könne, und verweist besonders 
auf zwei in dem Lehrbuch von Angot (Traite Eleömentaire de Möt&orologie) ent- 
haltene Wetterkarten (13. und 14. Oktober 1881), die eine vollkommen ent- 
sprechende Entwicklung zeigen.‘ Hiernach sollten also die Hochdruckkeile nicht 
allein die Richtung für die Fortbewegung der Minima anzeigen, sondern sogar 
die in 24 Stunden zu erwartende Lage der Minima kennen lehren, Auf der einen 
Seite das Zutrauen zu den von Guilbert abgeleiteten Erfahrungssätzen und 
auf der anderen das Unbegreifliche, wie ein derartiges Verhalten der Minima 
mir bis dahin entgangen sein sollte! Eine sofortige Durchsicht einer größeren 
Reihe von Wetterkarten brachte die Bestätigung, daß in der Tat in sehr vielen 
Fällen und besonders bei starken Umwandlungen der Wetterlage die Minima 
nach 24 Stunden dort liegen, wo die Keile auftraten, Nur bedarf die Aussage 
von Guilbert einer nicht unwichtigen Berichtigung und gestattet zugleich eine 
sehr erhebliche Erweiterung, Es ist nicht richtig, daß die Hochdruck- 
keile in solchen Fällen zerstört werden, sondern sie schreiten fort — 
und zwar in Erweiterung der Guilbertschen Aussage in sehr vielen 
Fällen dorthin, wo vor 24 Stunden der ihnen vorangehende Tiefdruck- 
ausläufer gelegen hat; ein Verschwinden der Keile gehört zu den 
Seltenheiten. 
Bei der Wichtigkeit dieses häufigen gegenseitigen Verhaltens der Hoch- 
druck- und Tiefdruckausläufer darf eine kleine von Vincent') gegen Guilbert 
gerichtete Schrift nicht unerwähnt bleiben; diese wendet sich in erster Linie 
und gewiß mit Recht gegen einige Regeln von Guilbert, die sich auf die Ver- 
wertung des Zirrenzuges für die Wettervorhersage beziehen, an zweiter Stelle 
aber gegen den Guilbertschen Satz über das Verhalten der Hochdruckkeile, 
Vincent bemerkt, daß zufolge den Wetterkarten nord-süd gerichtete, zwischen 
Depressionen eingebettete Hochdruckkeile gewiß manchmal zerstört und nach 
24 Stunden durch die ostwärts. verlagerte Depression ersetzt werden, daß sich 
aber in anderen Fällen der Keil ostwärts verlagere, und daß ein solcher auch 
in anderen Fällen auf derselben Stelle verstärkt vorgefunden werde, Wenn ein 
Drucküberschuß an einer Stelle stattfinde und die Luft von dort wie natürlich 
abließe, so sei wohl ein schließliches Nivellieren des Druckes, aber keine Ver- 
tiefung ‚des Druckes an einer solchen Stelle zu begreifen. Hierzu ist zu bemerken, 
daß der Hochdruckkeil gewiß nur in ganz vereinzelten Fällen wirklich an Ort und 
Stelle zerstört wird, sondern wohl ziemlich ausnahmslos fortschreitet, und daß in 
jenen Fällen, wo am folgenden Tage ein Keil an derselben Stelle auftritt, eine ge- 
naue Zeichnung der Isobaren unter Zuhilfenahme der Wetterkarte vom Abend fast 
durchweg ergeben wird, daß der gestrige Keil sich entfernt hat und ein neuer Keil 
die Stelle des gestrigen eingenommen hat. Vincent führt als Beweis für seine 
Behauptung, daß Guilbert mit seiner Regel im Unrecht sei, 29 Fälle an, die er 
den Wetterberichten der Seewarte für 1893, 1894 und 1905 entnommen hat; 
unter diesen befinden sich fünf Fälle (14./II. 94, 26./VI, 94, 17./IV. 93, 30./VI. 93, 
13./1. 05), wo es sich um keinen eigentlichen Keil handelt, so daß 24 Fälle mit Hoch- 
druckkeilen zur Diskussion stehen. ‘ Unter diesen befinden sich zunächst 13 Fälle, 
wo ander Stelle des ostwärts verlagerten Keils nach 24 Stunden die nachfol- 
gende Depression, bzw. einer ihrer Ausläufer angetroffen wird (19./I., 20./I., 29./L, 
6./11., 3./1IL, 5./IIL (!), 18./V., 23./VI. 1894; 1./HIL. (!), 6./III. 1893, 26./I, 8./IIL, 
1./1V (!) 1905), und nächstdem weitere vier Fälle (24./I. 94, 8./VI. 94, 3./IIIL. 93, 
9./1II 93), wo die nachfolgende Depression am folgenden Tage wohl das Gebiet 
des Keils vom vorangehenden Tage einverleibt hat, das Gebiet niedrigsten Drucks 
aber westlich von der am vorangehenden Morgen eingenommenen‘ Lage der 
Achse des Keils liegt, wo die Depression also nicht die normale Bewegung aus- 
geführt hat. In vier Fällen (12./I. 94, 4./.II. 94, 21./VI. 94, 11./IIL. 93) ist der 
1) Vincent: Sur deux ı8ögles de prevision de M. G. Guilbert. Bulletin de VAcad. Roval 
de Beleiaue. 1911. 
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