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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1912,
auslaufend. Das Einlaufen bei Ebbstrom ist am gefährlichsten. Segelschiffe
werden nicht selten verschiedene Male durch den Stromwirbel ihrer Steuerkraft
beraubt und entgehen nur kaum der Strandung.
Bei Nacht laufe man ein: roter Sektor des niedrigen Queenscliff-Feuers
in Linie mit dem hohen Feuer.«
Kapt. E. Malchow berichtet: »Die Einsteuerung nach Melbourne ist für
Dampfer leicht. Man bringe die beiden Türme von Shortland Bluff in Linie,
steuere direkt darauf zu, bis die Lonsdale-Huk passiert ist. Nachher nehme man
den Kurs auf die Royal-George-Leuchttonne, bis die Brücke der Rettungsstation
von Queenscliff querab ist. Hier muß man ankern und auf den Lotsen warten,
wenn man noch keinen hat. Bei Nacht bringe man das niedrige rote und das
höhere weiße Feuer auf Shortland Bluff in Linie und verfahre dann wie vorher.
Das rote Feuer muß stets in Sicht gehalten werden, um die Schiffe zu klaren.
Guten Ankerplatz auf 10 bis 11 m (5.5 bis 6 Fad.) Wassertiefe findet man, wenn
man die beiden grünen Feuer auf der Brücke der Rettungsstation in Linie
bringt. Bei der Einsteuerung ist gut auf den Strom zu achten, da derselbe bis
zu 8 Sm Geschwindigkeit annimmt.«
Kapt. H. Mayer schreibt: »Die Einsteuerung ist nicht gefährlich; jedoch
wird einem Fremden, selbst mit einem guten Dampfer, sowohl bei gewöhnlichem,
wie bei schwerem Seegang ein kleines Unbehagen oder gewisser Schreck nicht
erspart bleiben. Durch die furchtbare, kochende Stromkabbelung, die sich am
Eingang zur Port Phillip-Bucht zeigt, wird das Schiff, jedoch nur auf kurze Zeit,
bis zu 8 Strich von seinem Kurs abgebracht; es kommt aber auch recht schnell
wieder auf seinen alten Kurs zurück, ohne daß ein Manöver gemacht wird.«
Sprengungsarbeiten, Wenn in der Einfahrt Sprengungen oder Aufräumungs-
arbeiten, verursacht durch Sprengungen, in Vorbereitung sind, werden auf
dem die Arbeiten ausführenden Dampfer im Topp folgende Signale gezeigt:
1. Buchstabe B, wenn Sprengungen vorgenommen werden, 2. Signal XHC
nach dem internationalen Signalbuch, wenn der Dampfer mit den Aufräumungs-
arbeiten beschäftigt ist. Schiffe dürfen an die Boote, die mit den Sprengungs-
arbeiten beschäftigt sind, höchstens auf !/, Sm Abstand heranlaufen, Ein an-
haltendes Tuten des Begleitdampfers mit der Dampfpfeife dient als Warnung,
daß die Mine bald explodieren wird. Ist der Dampfer mit Aufräumungsarbeiten
beschäftigt, so müssen andere Schiffe aus dem Wege gehen, da er durch den
Apparat in seiner Manövrierfähigkeit behindert wird.
Scheinwerfer. Bei den Einfahrtshuken und im Süd-Kanal wird für mili-
tärische Ubungen gelegentlich ein Scheinwerfer benutzt. Sollte dieses Licht das
Schiffskommando so stark blenden, daß bei der Einsteuerung oder beim Be-
fahren des Süd-Kanals für die Navigierung Gefahr entstehen könnte, so muß das
Schiff ein Blaufeuer zeigen; der Scheinwerfer wird dann solange außer Tätigkeit
gesetzt, bis das Schiff außerhalb seines Lichtkreises ist.
Ankerplätze innerhalb der Einfahrt. Innerhalb der Einfahrt können Schiffe
querab von Shortland Bluff oder der Quarantäne-Anstalt ankern. Ankern sie
bei Shortland Bluff, so finden sie auf 12 m (61/„ Fad.) Wasser geschützten Anker-
platz gegen nördliche und westliche Winde in den Peilungen: Shortland Bluff
hoher Leuchtturm rw. 286° (mw. W3/,N), Swan-Eiland-Bake und Tonne Nr. 1 des
Westkanals in Linie; oder bei Nacht: weißes Festfeuer auf der Observatory-Huk
an der Nordseite der Nepean-Halbinsel rw. 193° (mw. S1/,W). Schiffe mit ge-
ringem Tiefgang sollten so dicht wie möglich an der Nordwestseite des West-
kanals ankern, um das Fahrwasser für ein- und auslaufende Schiffe frei zu halten.
Will man in der Nacht bei Shortland Bluff ankern, so muß man daran denken,
daß das niedrige Feuer auf dieser Huk in rw. 289° (mw. WzN)-Peilung verdeckt
ist, während es zwischen den Peilungen rw. 251° (mw. SWzW5/,W) und rw. 256°
(mw. WSW) rot leuchtet.
Will man nach dem Quarantäneankerplatz, so laufe man, nachdem man
sich gut innerhalb der Einfahrtshuken befindet, auf östlichen Kursen an der
Nordseite der Nepean-Huk entlang. Man meidet die vor dieser Huk liegenden
Untiefen, wenn man die 5 Sm westlich von der Lonsdale-Huk gelegene Barwon-