Grossmann: Wie steht cs um unsere Wettervorhersage?
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und steigt bei zu starkem Wind. Zu starke Winde auf der Vorder-
seite einer vom Ozean heranziehenden Depression halten den Wirbel
auf, während ein solcher sich innerhalb 24 oder schon in 12 Stunden
ausfüllt, wenn er allseits von zu starken Winden umgeben ist. Zieht
ein Wirbel mit starkem Barometerfall, aber schwachen Winden in
seiner Umgebung heran, so vertieft er sich und wächst sich häufig
zu einem Sturmwirbel aus, Eine Depression bewegt sich ferner nach
Guilbertnach dem Gebiete niedrigsten Widerstandes hin, nämlich dort-
hin, wo die Winde im Vergleich mit den Gradienten zu schwach sind oder
überhaupt leichte Winde wehen und wo divergente Winde herrschen, Als
divergente Winde werden im Gegensatz zu den von ihm als konvergent be-
zeichneten Winden, die ein Minimum regelmäßig mit einer einwärts gerichteten
Komponente umkreisen, alle Winde benannt, die ein Druckzentrum mit einer nach
außen gerichteten Komponente umkreisen, insonderheit also alle Winde innerhalb
eines Hochdruckgebiets; von den einem Hochdruckrücken zwischen zwei Depressionen
angehörenden Winden sind je die Hälfte in bezug auf die eine Depression kon-
vergent und in bezug auf die andere divergent, wie auch zwei nicht zu einem
links drehenden Kräftepaar zusammensetzbare Winde und ganz besonders zwei
der Richtung nach entgegengesetzt wehende Winde gegeneinander als divergent auf-
gefaßt werden. Das stärkste Steigen und Fallen des Drucks innerhalb 24 Stunden
tritt nicht immer innerhalb der barometrischen Maxima und Minima, sondern
besonders innerhalb der Gebiete geringsten Widerstandes ein. Nach Guilbert
strömt die Luft senkrecht zur Richtung der Winde von der rechten
nach der linken Seite, so daß also zu starke konyergente Winde ein
Ausfüllen der Depressionen ebenso wie zu starke divergente Winde
in der Umgebung eines Hochs das Verschwinden des Hochdruck-
gebiets bewirken. Zur bequemeren Anwendung dieser Annahmen und Folge-
rungen hat Guilbert eine ganze Reihe von Regeln mitgeteilt, welche die
Wandlung der Luftdruckverteilung in den nächsten 24 Stunden betreffen. An-
gesichts der von Guilbert an der bestehenden Wettervorhersage geübten sehr
scharfen, im großen und ganzen wohl gerechten, wenn auch zum Teil zu weit
gehenden Kritik — die beispielsweise ganz übersieht, daß wir aus unseren Wetter-
karten häufig vom Ozean heranziehende Depressionen erkennen, wenn der Luftdruck
über Irland noch zugenommen hat — ist es erklärlich, daß Guilberts Anspruch,
das Problem der Wettervorhersage, soweit dieses die Vorauserkennung der kommen-
den Luftdruckverteilung betrifft, vollständig gelöst zu haben, von vielen Seiten
einer eingehenden Prüfung unterzogen worden ist. .Ohne weiteres muß zugegeben
werden, daß die theoretische Grundlage nicht einwandfrei erscheint und daß die
in seinem Lehrbuche in den Beispielen geübte Anwendung seiner Regeln \teil-
weise Kopfschütteln verursachen muß, was besonders von der scheinbaren Willkür
bei der vorgeführten Bestimmung der Orte geringsten Widerstands in den Wetter-
karten gilt, auf welche die Depressionen | losziehen müssen. Ein ziemlich all-
gemeiner Einwand richtet sich gegen die Benutzung der Oberflächenwinde, die
gewiß vielfach lokal beeinflußt sind und als ledigliche Schätzungen und Beob-
achtungen nur zu leicht, fehlerhaft sind; da der Leiter der Wetterdienstzentrale
jedoch im allgemeinen in der Lage sein wird, derartige Beobachtungen als fehler-
haft zu erkennen und beiseite zu lassen, so würde allerdings Umsicht geboten sein,
die Anwendbarkeit der auf die Oberflächenwinde bezüglichen Regeln aber im übrigen
bestehen bleiben. Geht man davon aus; daß es sich um Regeln handelt, die
Guilbert mit scharfem Blick durch seine Erfahrung mit den Wetterkarten ge-
wonnen hat, so erscheint es nicht tunlich, die Mängel der gegebenen theoretischen
Begründung zur Abweisung der aufgestellten Regeln ins Feld zu führen... Die
Gewinnung einer befriedigenden ‚theoretischen Grundlage würde eine spätere
Aufgabe sein. V
Nach meinem Dafürhalten dürfte immerhin einem erheblichen Teil der
Regeln großer Wert zukommen, sobald man sich mit ihrer richtigen Anwendung
vertraut gemacht hat; genaue Untersuchungen an der Hand der Wetterkarten
zur Klarstellung auf Grund statistischer Nachweise sind gewiß wertvoll, wenn
Ann. d Hrdr. usw... 1919. Heft T