Jentzsch: Taifun im südchinesischen Meer vom 26. September bis 5. Oktober 1911. 9245
tember allerdings dürfte die Sturmbahn südlich von 20° N-Br. meistens nach Westen
gerichtet sein. Später jedoch im Oktober bis Dezember werden in dieser Gegend
auch ebenso häufig Taifune beobachtet, deren Bahn in einer Richtung zwischen NW
und NO liegt. Unter diesen Umständen ist es am ratsamsten, sich allemal südlich
vom Taifun zu halten, wenn man seiner Mitte aus dem Wege gehen will, so wie es
im vorliegenden Falle vom D. »Sachsen« erfolgreich durchgehalten wurde. Auch
das Verhalten des D. »Sachsen« in Manila dürfte in ähnlichen Fällen anzuraten sein,
nämlich erst das Vorüberziehen eines Taifuns abzuwarten, ehe man den Hafen
verläßt, besonders wenn das Sturmzentrum nördlich von Manila nach Westen
sich fortbewegt und wenn man nach Norden bestimmt ist.
Jentzsech.
Venusbeobachtungen bei Tage.
Über die Beobachtung der Venus und einiger anderer heller Planeten‘ und
Fixsterne bei Tage ist in den letzten Jahren viel veröffentlicht worden,
Gehören doch diese Beobachtungen auf den Schiffen unserer großen Linien-
reedereien schon seit Jahren allerdings nicht zum »täglichen Brot«, so aber doch
zu den regelmäßigen Pflichten des Wachoffiziers, vor allem morgens so früh als
möglich genaue Position auf hoher See zu ermitteln.
In Folgendem sollen einige der Venusbeobachtungen gezeigt werden, die
während der letzten Reise des Norddeutschen Lloyd Schulschiffes »Herzogin
Sophie Charlotte« vom Kanal nach Valparaiso von Herrn Kapitän Ballehr und
mir genommen wurden. Sie sind insofern interessant, als aus mehreren Beob-
achtungen der Venus innerhalb einiger Minuten ohne irgend welche logarithmische
Rechnungen sowohl Breite als auch Länge ermittelt werden konnte,
Vorausbemerkt sei, daß diese Methode nur da möglich ist, wo die” Venus-
höhe sehr groß wird, die Venus also möglichst nahe dem Zenit kulminiert.
Die Breite fand man leicht aus der Meridianhöhe. Zur Ermittelung der
Längen wurden gleiche Venushöhen kurz vor und nach der Kulmination beobachtet.
Das Mittel der notierten Chronometerzeiten ergab die genaue Chronometer-
zeit des Kulminationsmomentes, aus der man durch Anbringen des Standes die
Mittlere Greenwicher Zeit desselben hatte. Mit dieser Zeit erhielt man durch
Addition von Gerade Aufsteigung der Mittleren Sonne die Sternzeit in Greenwich.
Die Ortssternzeit bildete zur Zeit der Kulmination die Gerade Aufsteigung der
Venus, die man im Jahrbuch fand. Der Vergleich beider Sternzeiten ergab den
Längenunterschied in Zeit.
Beispiel 1. 22, VII 83bN. @= 11° 10’N; 21= 22° 45’ W nach Logge.
Chr. Zt, IL. = 4—27— 500 =S4912” 4—31—370 =81°35 4-—33—31 © = 4° 43
Chr. Zt. II. = 4—50—11 + 4—46—22 I 4—44 —30 I
Chr. Zt. d. Kulm. = 4—39— 1 4—89— 0 4—39— 1
Stand — — 8—15 — 8—15 — 8—15
M.G.Zt. d. Kulm. = 4-—30-— 46 4 — 30 — 45 4 — 30 — 46
mO«= 7—57—13 7—57—13 7—57—13
St. Zt. 1. Grw. = 12—27-— 59 12-—27 — 58 12—27—59
Qa = 10—57— 10 10—57— 10 10—57— 10
Le.U. — 1—30— 49 1—30— 48 1—30—49
A = 220 42 W
A =— 22° 42' W
N 840 588: = 11° 10° N.
2A =— 220° 42 W