244 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1912.
Osten gezogen sein, ohne ihm besonders gefährlich zu werden, da der Taifun,
wie schon erwähnt, mittlerweile an Heftigkeit bedeutend abgenommen und über-
haupt seinen Charakter als tropischer Wirbelsturm schon ganz verloren hatte.
Dies wird auch durch das Verhalten des Barometers bestätigt, das bei der An-
näherung der Depressionsmitte nur wenig gefallen war und 755 mm zeigte.
Später gegen Abend holte der von stürmischen, heftigen Regenböen
begleitete Wind bei steigendem Barometer weiter nach NNO. Erst am 4. X. nach
Überschreiten des 30. Breitengrades besserte sich das Wetter bei weiter steigendem
Barometer allmählich und die heftigen Regenböen wurden seltener. Doch behielt
der steife NNO-Wind seine Richtung und Stärke bei, bis der Dampfer am 6. X.
seinen Bestimmungsort Tsingtau erreichte.
Bei der Herstellung der beigefügten synoptischen Wetterkarten für den
28. September bis zum 5. Oktober (Taf, 13), welche die Wetterlage für 6? morgens
darstellen, sind außer den amtlichen Wetterberichten von Tsingtau und von Tokio
die Original-Beobachtungen folgender Schiffe benutzt: »Sachsen«, »Senegambia«,
»Suevia«, »Verona«, »Bayern«, »Gneisenau« und »Lilly Rickmers«, Auffallend
ist der große Umfang des Depressions-Gebietes, das am 28. IX. fast das ganze
südchinesische Meer nebst einen großen Teil des Festlandes von China bedeckt.
Die Isobaren verlaufen beinahe während des ganzen Verlaufs des Taifuns in der
Form einer Ellipse, deren große Achse anfangs nicht in der Richtung der Sturm-
bahn, sondern rechtwinkelig zu ihr in der Richtung Nord-Süd sich erstreckt.
Der niedrigste an Bord des D. »Sachsen« beobachtete Luftdruck wurde am
30. IX. nachmittags mit 747 mm abgelesen, dabei wehte es zugleich orkanartig
aus SSW. Nach den vorliegenden Berichten scheint die Taifunmitte um diese
Zeit ungewöhnlich weit, nämlich über 100 Sm, entfernt von dem Orte dieser
größten beobachteten Windstärke gewesen zu sein, und es ließe sich daraus
vielleicht schließen, daß das windstille Gebiet in der Mitte der Depression einen
verhältnismäßig großen Umfang gehabt haben müsse. Man kann dies jedoch
nicht mit Bestimmtheit sagen, da weitere Beobachtungen noch fehlen.
Die Bahn dieses Taifuns gehört zu denen, die um diese Jahreszeit am
häufigsten beobachtet werden; beachtenswert ist aber ihre große Länge, die sich
vom 26. IX. bis zum 5. X. verfolgen läßt. Es kommt nicht oft vor, daß der
Taifun nach dem Betreten des Festlandes von China noch genug Kraft hat, sich
nordwärts zu wenden und später wieder auf den Stillen Ozean hinauszuziehen,
Die Geschwindigkeit der Fortbewegung des Orkans auf seiner Bahn, die anfangs
vom 27, bis 29, IX., etwa 3 bis 4 Sm in der Stunde betrug, verlangsamte sich
am 30. IX. beim Überschreiten des 20. Breitengrades und beim Umbiegen nach
NW auf 2 Sm in der Stunde. Dieser Umstand besonders trägt die Schuld, daß
der D. »Sachsen« tagelang innerhalb des Sturmgebiets der Depression aufgehalten
wurde und sich von den stürmischen Winden südlich des tiefen Druckes nicht
freimachen konnte, Nach dem 30. IX. wurde die Fortbewegung der Cyklone
wieder allmählich schneller. Anfangs betrug sie noch 4 Sm, vom 2, bis 3. X.
etwa 12 bis 13, und vom 3. bis 4. X. etwa 17 bis 18 Sm in der Stunde.
Am 5. X. südlich von den japanischen Inseln dürfte der Luftdruck-Aus-
gleich eingetreten sein und die Depression damit ihr Ende erreicht haben. Ver-
folgt man auf der beigefügten Karte (Taf. 13) den Weg des D. »Sachsen« und die
Bahn des Taifuns, so sieht man, daß das Schiff bis zum 3. X. beständig im Rücken
der Depression, d. h. im Gebiete der südwestlichen und südöstlichen Winde sich
aufgehalten hat und zwar bis zum 2, X. auf der linken und nach dem 2. X. auf der
rechten Bahn des Sturmfeldes, Sollte demnach die Annäherung an die westwärts
ziehende Taifunmitte vermieden werden, so war es jedenfalls am sichersten, beizu-
drehen und der Depression Zeit zu geben, sich zu entfernen. Wenn man nicht eine ge-
wisse Rücksicht auf die Nähe des Landes zu nehmen gehabt hätte, so wäre es in dem
vorliegenden Falle von Vorteil gewesen am 30. IX. und 1. X, anstatt auf west-
lichen, auf östlichen Kursen beizudrehen oder langsam zu dampfen, da man sich
auf diese Weise schneller von der Zentrumsmitte entfernt haben würde. Doch ist
dieses Manöver in dieser Gegend keineswegs in allen Fällen anzuraten, weil die
Richtung der Taifunbahnen im chinesischen Meere zu verschieden sind. Im Sep-