Jentzsch: Orkan im Indischen Ozean am 8. Dezember 1910, 241
hier beschriebene gehört, in denen die Sturmbahn schon in 10° S-Br. nach Osten
umbog oder von vornherein diese Richtung hatte. Bei dieser Unsicherheit ist deshalb
das Manövrieren in diesen Stürmen, um der gefährlichen Nähe des Wirbel-
zentrums aus dem Wege zu gehen, besonders schwierig und nur nach sorg-
fältigem Studium der einschlägigen Verhältnisse und bei genauem Beobachten
der Wind- und Luftdruekänderungen erfolgversprechend, Jentzsch.
Taifun im südchinesischen Meer vom 26. September bis 5. Oktober 1911.
Nach einem Bericht des Dampfers »Sachsen«, Kapt. A. Wagner.
(Hierzu Tafel 13.)
Nach amtlichen Wetterberichten und ‚nach einem durch den I. Offizier
H. Langer eingesandten Bericht des Dampfers »Sachsen« zog am 26, und 27. Sep-
tember 1911 ein Taifun in westlicher Richtung durch den nördlichen Teil von
Luzon, dessen gefahrvolle Annäherung den nach Tsingtau bestimmten Dampfer
‚Sachsen« veranlaßte, seine Abfahrt von Manila vom 26, IX. abends bis zum
28, IX. morgens zu verzögern und das Vorüberziehen des Taifuns abzuwarten.
Während des unfreiwilligen Aufenthalts in Manila wurden genaue stündliche
meteorologische Beobachtungen gemacht, welche das langsame nach Westen ge-
richtete Vorbeiziehen der Taifun-Mitte deutlich erkennen ließen,
Am 28. morgens ergaben die Beobachtungen, daß das Sturmzentrum weit
genug sich entfernt haben müsse, um ohne Gefahr die Reise nach Tsingtau an-
treten zu können. Es zeigte sich jedoch einen Tag später, daß der mit 8 Knoten
Fahrt nach Norden laufende Dampfer infolge der geringen Geschwindigkeit der
Fortbewegung des Taifuns sehr bald wieder in das Sturmgebiet geraten war und
auch während der nächsten Tage sich nicht davon freimachen. konnte. Erst am
3. und 4. X. in etwa 30° N-Br., nachdem die Bahn des Taifuns eine östliche Richtung
angenommen hatte und die Depression mit vermehrter Geschwindigkeit auf den
Stillen Ozean hinauszog, setzten auch bei dem D. »Sachsen« wieder normale
Witterungsverhältnisse ein. (Siehe die beigefügten Karten, Tafel 13.)
Im folgenden sind die Beobachtungen des D. »Sachsen« in Manila nebst
einigen Auszügen aus: seinem meteorologischen Tagebuch, die bis zum 5. Oktober
reichen, zusammengestellt. (Siehe S. 242.)
In Manila war seit dem 26. IX. der Luftdruck im langsamen Abnehmen
begriffen und betrug um 9% abends 753 mm. Der Wind wehte zur Zeit aus
NW mit Stärke 4, und der Himmel war meist bedeckt. Am 27. IX. V fiel das
Barometer langsam weiter und der mehr nach Westen drehende Wind hatte
gegen Mittag die Stärke 6 bis 7 erreicht. Bis zu dieser Zeit hatte noch trockenes
Wetter geherrscht, aber mit dem Stärkerwerden des Windes setzten nunmehr
heftige Regengüsse ein und gegen Abend zeigte sich im Süden und Osten Wetter-
leuchten. Um 4b N war an Bord der niedrigste Barometerstand 749 mm, später
gegen Abend wurde wieder ein langsames Steigen beobachtet, Der weiter südlich
drehende Wind nahm jedoch an Stärke immer mehr zu und erreichte um Mitter-
nacht in den heftigen Regenböen Orkanstärke.
Am 28. IX. morgens flaute mit dem langsamen Steigen des Luftdrucks
der jetzt südwestliche Wind wieder etwas ab, auch die Regenböen wurden
schwächer, und das Wetter besserte sich so zusehends, daß um 7% V beschlossen
wurde, den Hafen zu verlassen, Das Barometer zeigte jetzt 752 mm, Der
Dampfer »Sachsen« befand sich demnach südlich und etwas achterlich von einer
in westlicher Richtung vorüberziehenden Depression und durfte damit rechnen,
auf einem nördlichen Kurse an der Ostseite des Minimums vorbei zu laufen,
ohne dessen Mitte allzu nahe zu kommen. . .
Das Wetter zeigte jedoch während des 28. keine weitere Änderung zum
Besseren. Der. von starken Regenböen begleitete SW-Wind wehte während des
Ann d. Hvdr. usw. 1912. Heft V. X