Exner, F. M.: Zur Kenntnis der untersten Winde über Land und Wasser usw. 239
tragen, also in den Gleichungen 7 > 2 setzen, so würde man die ober-
flächliche Wassergeschwindigkeit erhalten zu 79 = Vo ats mit der oben ab-
1
geleiteten Größe von y ergäbe sich %o = 0.0054 vo, während früher, wo im Wasser
= = 0 war, 49 = er vo = 0.0044 vo gefunden wurde. Die Wassergeschwin-
digkeit, welche vom gleichen Wind erzeugt wird, ist also jetzt um etwa 20 %,
größer, da der Wind in 10 m Höhe nicht wesentlich durch diese neue Annahme
geändert wird.
Eine wichtige Konsequenz der neuen Annahme ist, daß die Strömung
nach abwärts nun nicht fortwährend weiter dreht, sondern so wie die der Luft
eine Grenze bei einem Ablenkungswinkel von 90° findet. Hier kommen wir aber
zu jener Seite des Gegenstandes, die (l. c.) von Schiötz behandelt wurde, und
auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Es sei nur erwähnt, daß die
Verteilung der Strömungsrichtung und -Stärke nach der Tiefe nun ganz analog
wird jener des Windes nach der Höhe. Nur die Konstanten der Verteilung sind
im Wasser andere als in der Luft.
Orkan im Indischen Ozean am 8. Dezember 1910.
Über einen schweren Orkan im Indischen Ozean berichtet der D. »Franken«
in seinem meteorologischen Tagebuch wie folgt:
„Auf der Reise von Melbourne nach Aden begriffen, bemerkten wir am
7. Dezember 1910 nachmittags in etwa 13° S-Br. und 84° 40’ O-Lg., daß das Baro-
meter langsam zu fallen begann und um 4® N nur 757 mm‘) zeigte. Der Wind
war zur Zeit Ost Stärke 5. Am Himmel zeigten sich schneeig weiße Federwolken,
die von einem weißen Bogen am Horizont auszugehen schienen, und die Luft war
stark dunstig und. schwül. Später gegen Abend setzten mit Donner und Blitzen
häufige, starke Regenschauer ein. Der Wind holte in gleicher Stärke mehr nach
ONO, und das Barometer fiel langsam weiter, um 12® N wurde 756 mm abgelesen.
Der mit 11 Knoten Fahrt N 49°W steuernde Dampfer stand um diese Zeit in
12° S-Br. und 83° 31’ O-Lg. ; .
Am 8. Dezember um 1% V machte sich eine schnell aufkommende starke
Dünung aus NW bemerkbar. Bei dem fallenden Barometer holte der zunehmende
Wind inzwischen: weiter, und um 34% V setzte mit wolkenbruchartigem Regen ‚eine
sehr heftige Bö aus NO ein. Gegen 6b V erreichte der weiter nach Norden holende
Wind in den häufigen Regenböen die Stärke 10 bis 11 und in der groben See und
hohen Dünung arbeitete das Schiff so schwer, daß mit halber Kraft gefahren werden
mußte. Es wurde jetzt N 29°W gesteuert mit etwa 3 bis 4 Knoten Fahrt. Um 8% V
wehte es aus NW, und das Barometer zeigte den niedrigsten Stand mit 751 mm, Erst
jetzt, nachdem man das Gebiet des niedrigsten Luftdruckes passiert hatte, erreichte
der Sturm seine größte Stärke und wehte bis mittags bei langsam steigendem Baro-
meter in den häufigen, anhaltenden Regenböen mit aller orkanartiger Heftigkeit.
In der sehr hohen See stampfte und arbeitete das Schiff‘ schwer und nahm
Sturzseen über Deck und Luken. Die Lufttemperatur war seit dem vorher-
gehenden Tage um etwa 3° gefallen und beitrug .um 12% mittags 24.0°.C.
Nach Mittag in 11° S-Br. und 82° 45’ O-Lg. wurde das Wetter besser und
der nordwestliche Kurs konnte bald mit voller Maschinenkraft wieder auf-
genommen werden. Der abnehmende Wind holte mit dem weiteren Steigen des
Barometers nach Westen und .um 4b N mit Stärke 7 nach WSW. Die Regenböen
hörten sehr bald ganz auf und der Himmel klarte allmählich ab. Mit dem Ab-
+ Alle angeführten -Barometerstände sind auf 0°C und 0 m Meereshöhe reduziert.