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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Exner, F. M.: Zur Kenntnis der untersten Winde über Land und Wasser usw. 237 
Wir erhielten früher für 45° Breite in 5 m Höhe über festem Boden 
x =46° 33’ (vgl. die Tabelle). Uber Wasser wird nunmehr der. Ablenkungs- 
winkel in 5 m Höhe «= 48° 50’, also nur wenig größer. Hingegen wird nun- 
mehr für z= 0 @’= 90°, die Bewegung der Grenzschichte steht senkrecht zum 
Gradienten, Wir haben also in der dünnen Schichte von bloß 5 m knapp über 
dem Wasser eine Drehung des Windes von 49° in 5 m Höhe auf 90° im Meeres- 
hiveau, also eine Rechtsablenkung gegen unten. In größeren Höhen der. Luft 
tritt hingegen nach aufwärts die Rechtsablenkung ein, so daß in einer ge- 
wissen Höhe von wenigen Metern über dem Meere der Wind den kleinsten Winkel 
mit dem Gradienten einschließt, nach oben wie unten aber einen größeren, 
Das Wasser hingegen soll der Annahme nach für z= 0 die gleiche Be- 
wegung haben, wie die Luft; die: oberste Strömung steht also senkrecht zum 
Gradienten; unterhalb der Wasseroberfläche erfolgt dann die Ekmansche Rechts- 
drehung. . 
Es ist noch von Interesse den Winkel zu untersuchen, den die oberste 
Strömung des Wassers mit dem erzeugenden Wind einschließt; hierfür liegen ja 
auch Beobachtungen vor. 
Wählen wir den Wind in 10 m Höhe; sein Ablenkungswinkel vom Gradienten 
ist x’ (nach obiger Formel gegeben). Die Trift des Wassers erfolgt nach den 
Gleichungen 8 an der Oberfläche senkrecht zum Gradienten, ihr Ablenkungs- 
winkel ist 90°, Wenn «’ << 90°, erfolgt daher eine Rechtsablenkung der Trift 
vom Wind; der von den beiden Richtungen eingeschlossene Winkel 8 ist 90 — a’. 
Die obige Gleichung gibt für z=10 m, d. h. bezogen auf einen Wind in 
dieser Höhe, folgende Ablenkungswinkel der Trift nach rechts (nördl. Halbkugel): 
für g = 10° Breite ß=41° 50 
p=50° « . 40° 49’ 
p=909° « AC° 31 
Die Ablenkungswinkel unterscheiden sich also nur wenig von einander 
auch für sehr verschiedene Breiten. 
Dieses Resultat wird durch. die Beobachtungen recht gut bestätigt. Krümmel 
gibt!) Messungen des Ablenkungswinkels an, die sich im Mittel in folgender 
Weise darstellen: . 
für g= 5° -—220° nördl, Breite #=44° nach rechts 
10° — 20° südl. « ; 49° « links 
409° — 50° « 44° « x €« 
Auch hier ist keine wesentliche Veränderung des Ablenkungswinkels mit: 
wachsender Breite zu sehen, 
. Da sich diese Rechnungen auf sehr dünne Luftschichten beziehen, ist die 
ungefähre Übereinstimmung von Beobachtung und Rechnung ein Anzeichen dafür, 
daß die Größe der Reibung im Wasser nicht allzu falsch angesetzt wurde.,?) 
Wir vergleichen nunmehr noch die »Wassergeschwindigkeit« mit der 
»Windgeschwindigkeit«; als erstere nehmen wir die Oberflächenbewegung (für 
Zz== 0) an; es ist N0= 757 Vo Als »Windgeschwindigkeit« betrachten wir die 
Bewegung der Luft in etwa 10 m Höhe, wo sie auf Schiffen wohl ungefähr zur 
Beobachtung kommt. Die Gleichungen liefern für diesen Wind wo =Vu? + v? 
= 0.148. vo bei zirka 45° Breite. Das Verhältnis der Oberflächenströmung zu 
dem Wind in 10 m Höhe ist folglich == A = . DE SS = 0.0303, 
oder %o=— 0.0803 wo. Die Geschwindigkeit der oberflächlichen Triftströmung 
beträgt 3%, der Luftströmung in 10 m Seehöhe, Hätten wir den Wind in 5 m 
') Handbuch der Ozeanographie II, Band S. 456. 
2) C. Forch hat in seiner Arbeit über die Beziehungen zwischen Wind und Strom. im 
europäischen Mittelmeere (>Ann. d. Hydr. usw.« 1908, S. 435) gefunden, daß im östlichen Mittelmeere 
die Oberflächenströmung mit dem Winde einen mittleren Winkel von etwa 45° nach rechts einschließt, 
doch ist Forch selbst zweifelhaft, ob diese Tatsache der ablenkenden Kraft der Erdrotation oder 
anderen Stromursachen. zuzuschreiben ist; denn im westlichen Mittelmeere liegt die Ablenkung nach 
der Hoken Seite, Keinesfalls sind also diese Beobachtungen als ausreichende Bestätigung der Theorie 
aNZUSEeNeN.
	        
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