Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage?
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Druckgebilde von Wellental zu Wellenberg und umgekehrt nur für einen erheblichen
Teil der Erscheinungen zutrifft und im übrigen noch sehr stark abweichende
Verlagerungen beobachtet werden, .
Dieser Satz von Defant, der uns in gewissen Fällen das Auftreten von
Steiggebieten über bestimmten Teilen der Wetterkarte für die nächsten 24 Stunden
in Aussicht stellt, vermag der Wettervorhersage im allgemeinen keinen. wesentlichen
Dienst zu leisten, da er uns noch keinen bestimmten Anhalt für die Vorausbeurteilung
des Verlaufes der Isobaren auf der folgenden Wetterkarte zu gewähren
vermag,
Das Ergebnis der vorstehenden Besprechung möchte ich dahin zusammenfassen,
1. daß die durch Ekholm gegebene Anregung einer größeren Beachtung
der Verlagerung der Isallobarengebilde für unsere Wettervorhersage vorteilhaft
geworden ist, 2. daß durch die angeführten Untersuchungen zurzeit noch keine
als Regel anwendbare Beziehung zwischen den in der Höhe und am Erdboden
stattfindenden Zuständen und Vorgängen aufgefunden worden ist, die es ermöglicht,
aus den Ergebnissen der Drachen- und Ballonaufstiege mit Registrierapparaten
sowie der Pilotaufstiege wirklichen Nutzen für die Wettervorhersage zu ziehen
— abgesehen natürlich von den längst bekannten Vorteilen, die uns die Beobachtung
der Wolken gelegentlich zu gewähren vermögen — und 3, daß auch
sonst keine Regel in jenen Arbeiten aufgestellt worden ist, die als eine wesentliche
Stütze für die Wettervorhersage gelten könnte. Als die für die Praxis
wertvollste möchte ich die zuletzt angeführte, von Defant aufgestellte Beziehung
zwischen Niederschlagsgebieten und den nachfolgenden Steiggebieten des Luftdruckes
bezeichnen, die als Übergang zu einem nachfolgend zu besprechenden
neuen Prinzip bei der Wettervorhersage auftritt. .
Ehe ich zu einer Darlegung des von mir seit längerer Zeit bei der
Wettervorhersage benutzten neuen Prinzips übergehe, möge noch kurz Ausschau
nach sonstigen. Hilfsmitteln für die Wettervorhersage gehalten werden, Als
solches besitzen wir die in die Abonnement-Wettertelegramme aufgenommene
Barometertendenz, nämlich die Anderung des Barometers in den letzten drei
Stunden vor der Morgenbeobachtung. Zur Zeit liegen über die Verwertbarkeit
dieser Barometertendenz wohl noch nicht genügende Erfahrungen vor, doch
steht zu erwarten, daß sie besonders bei schnell verlaufenden Änderungen der
Luftdruckverteilung in Verbindung mit den Karten für die zwölfstündigen
Änderungen des Barometers wertvolle Dienste für die genauere Beurteilung der
Bahnen der Fall- und Steiggebiete, sowie ferner dadurch leisten werden, daß sie
uns die zur Zeit stattfindenden Änderungen des Luftdrucks ziemlich gut zu
erkennen geben. Als bestimmter Fall, wo die Kenntnis der Barometertendenz
von Vorteil war, kann der 17. November d. J. angegeben werden. Über Nacht
war ein tiefes Minimum unter 735 mm über Irland vorgedrungen; die Barometertendenzen
zeigten bereits steigenden Luftdruck in Valencia und eine ostwärts
gerichtete Verschiebung des dreistündigen Fallgebiets, so daß ein Fortschreiten
in östlicher Richtung gesichert war. Den späteren Ausführungen vorgreifend,
möge hier ausgeführt werden, daß aus dem Verlauf der Isobaren auch
zu entnehmen war, daß die neue Depression bis zum folgenden Morgen das Gebiet
des an ‚jenem Morgen nach der Nordsee reichenden flachen Ausläufers hohen
Drucks einverleiben werde,
Was die Verwertung funkentelegraphischer Wetternachrichten von
Schiffen auf dem Ozean anbetrifft, hat die Erfahrung gelehrt, daß die auf
den Schiffen befindlichen Funkenapparate nicht ausreichen, um die Wettertelegramme
auf die nötige Entfernung abzugeben, so daß die Telegramme, abgesehen
von Schiffsorten in der Nähe der Küste, zu spät für die Benutzung bei
der Wettervorhersage eintreffen. Der Nutzen steht zur Zeit in gar keinem
Verhältnis zu den Kosten und kann bis auf vereinzelte Fälle ungefähr gleich Null
gerechnet werden. Sobald die funkentelegraphischen Sendeapparate der Schiffe
wesentlich vervollkommnet sein werden, empfiehlt sich ganz gewiß ein neuer
Versuch, zur Zeit aber vermag. die Ausgabe kaum gerechtfertigt zu erscheinen.