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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912.
Luftdrucks. An Stelle des durch den Vorübergang einer warmen
Luftsäule entstandenen Niederschlaggebiets tritt am folgenden Tag
ein Steiggebiet des Luftdrucks; dem in den letzten 24 Stunden ge-
fallenen Niederschlag entspricht somit eine Drucksteigerung bis
morgen«,
Dieser Satz ebenso wie die von mir gezeigte Verteilung der am Morgen
stattfindenden (jeweiligen) Niederschläge auf die vorangehenden 24 stündigen
Anderungen des Luftdrucks erklären sich auf Grund der später zu besprechenden
Erfahrung, daß in der Mehrzahl der Fälle das heutige Gebiet eines Ausläufers
niedrigen Drucks morgen von dem nachfolgenden Keil hohen Drucks und das-
jenige des heute auftretenden Hochdruckkeils morgen von dem nachfolgenden
Ausläufer niedrigen Drucks eingenommen wird. Schematisch möge dieses häufige
Verhalten in der nachstehenden Skizze angedeutet werden, in der die aufwärts
gerichteten Wellenberge Hochdruckkeile darstellen mögen, welche die zwischen-
gelagerten abwärts gerichteten Ausläufer niedrigen Drucks voneinander trennen;
wo heute ein Wellenberg liegt, möge morgen das nachfolgende Wellental ange-
troffen werden und umgekehrt.
Beite bo C; 52 Cs
„4 b
zo a, az n DC
Em &, €, G,.
Bewegen sich derartige Wellenzüge der Luftdruckverteilung etwa von
links nach rechts über die Erdoberfläche fort, so werden die Orte ag; 9, 2; 2,
falls die Kurven für gestern und heute gleichbewertete Isobaren darstellen, keine
Luftdruckänderung von gestern zu heute erfahren, während alle zwischen-
liegenden Orte längs der Strecke aycpya, und a,c, a, eine Abnahme des Luft-
ärucks, und zwar am stärksten in c, und c,, dagegen die zwischenliegenden
Orte längs a, c, a, und a, c,a, ein Steigen des Luftdrucks, am stärksten in c,
und c,, seit gestern beobachten werden, Da die Niederschläge in den Tiefdruck-
ausläufern zu fallen pflegen, während die Hochdruckkeile verhältnismäßig frei
von Niederschlägen sind, und dieses gegensätzliche Verhalten mit Annäherung
an die Mitte der beiden Druckgebilde in zunehmendem Grade hervortritt, so ist
zu, folgern, daß die Häufigkeit der jeweils (z. B. zur Zeit der Morgenbeobachtung)
fallenden Niederschläge mit der Größe des in den letzten 24 Stunden beobachteten
Barometerfalls zunehmen, dagegen mit der Größe des in dieser Zeit beobachteten
Barometerstiegs abnehmen muß, während für diejenigen Fälle, wo das Barometer
heute denselben Stand wie gestern zeigt, ein mittlerer Wert zwischen den Extrem-
werten zu erwarten ist. Beachten wir des weiteren, behufs Erläuterung des
Satzes von Defant, 1. daß alle Orte längs der Strecke a, c, ag abgesehen von
den Endpunkten bis morgen eine Zunahme des Drucks erfahren, daß 2. dieser
Ausläufer a, c, a, seit gestern morgen herangezogen ist, der Luftdruck beispiels-
weise in a, seit gestern morgen zunächst gefallen (entsprechend a, b,) und dann
um den gleichen Betrag (entsprechend b, a,) gestiegen ist, und 3. daß seit
gestern morgen die Niederschläge hauptsächlich in dem Gebiet zwischen den
durch b, und a, gehenden Meridianen stattgefunden haben, da die Südostseite
der Ausläufer bei uns die von Niederschlägen am meisten begünstigte ist, so
folgern wir, daß für den Fall der überwiegenden Häufigkeit eines derartigen
Fortschreitens solcher Wellenzüge über dem größten Teile des Gebiets, wo von
gestern zu heute Niederschläge gefallen sind, von heute zu morgen ein Steigen des
Barometers eintreten wird. Zugleich aber würde zu entnehmen sein, daß auch
über einem beträchtlichen Teile jenes Gebiets (entsprechend dem Gebiet zwischen
den Meridianen von b, und a,) das Barometer bis morgen fallen muß; das Ergebnis
von Defant, wonach nur 25° der Niederschläge in das nachfolgende Fallgebiet
des Luftdrucks fallen, erscheint hiernach etwas auffallend, dürfte aber seine
Erklärung in dem Umstand finden, daß jenes 24 stündige Fortschreiten der