204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1912,
zu erzeugen. Allerdings muß dabei auf eine auf allen Gebieten winkelgetreue
Abbildung verzichtet werden. Es werden hierzu sogenannte torische Flächen
benutzt. Eine solche Fläche entsteht, wenn man einen Kreisbogen um eine nicht
durch seinen Mittelpunkt gehende Achse rotieren läßt. Bereits im Jahre 1878
schlug Mangin solche Flächen zur Herstellung von Periskopen vor. Um den
diesen Flächen im allgemeinen anhaftenden Astigmatismus zu beseitigen, ist es
vorteilhaft, Spiegelung und Brechung miteinander zu vereinigen,
Als einfaches Beispiel sei eine Ringlinse gewählt, deren Begrenzungsflächen
im Querschnitt aus Kreisbogen bestehen. Es sei Fig. 3 L,L, die Drehachse der
Erzeugenden. Der Krümmungsmittelpunkt des Bogenstückes AC liegt in O,, der
des Bogenstückes AB in O,. Durch passende Wahl der Krümmungsradien und
des Brechungsexponenten des die Linse bildenden Glases kann nun der Astig-
matismus beseitigt werden, d.h. es kann erzwungen werden, daß alle von hin-
reichend weit entfernt liegenden Punkten durch die äußere Ringfläche in einen
Längsschnitt eintretenden Strahlen, nachdem sie an der versilberten Ringfläche
AB gespiegelt und durch die Kugelfläche BC ausgetreten sind, in einem Punkte
sich vereinigen. Günstiger noch liegen die Verhältnisse, wenn die Erzeugenden
einzelner Flächen nicht Kreisbogen, sondern Bogen anderer Kegelschnitte sind.
Fig. 4 stellt den Querschnitt einer von »The improved Periscope Ltd. London«
angegebenen Ringlinse dieser Art dar; bei dieser liegt der Mittelpunkt der
unteren Kugelfläche bei d. Dieser Punkt ist gleichzeitig der eine Brennpunkt
der Hyperbel A,B,B,A,, deren anderer Brennpunkt bei c liegt. Außerdem ist 6
der Mittelpunkt des Kreisbogens A,C.')
Fiy. 3
O0. A
ZA "7
De
Ce
Fig. 4.
As
CC
7
Bei dem Ringbildperiskop (Fig. 5) von Goerz?) dient zum Auffangen der
Strahlen eine Ringlinse R, welche aus einem ringförmigen Glaskörper besteht, der
außen gleichfalls durch eine Kugelfläche begrenzt ist. Die durch diese eintretenden
Lichtstrahlen treffen auf eine außen versilberte ellipsoidische Fläche auf und
werden von dieser nach unten hin reflektiert, Durch die Objektivlinse O, werden
sie zu einem reellen Bilde vereinigt; zunächst treffen sie auf ein Pentaprisma,
das bei R, eine Dachkante und außerdem eine reflektierende Fläche hat. Erst
hinter diesem findet die Abbildung in der Ebene E, statt, Es findet somit
eine Spiegelung an der Ellipsoidfläche der Ringlinse, eine volle Bildumkehrung
durch die Linse O,, eine weitere volle Bildumkehrung an der Dachkante und
eine Spiegelung an der reflektierenden Seitenfläche des Pentaprismas statt.
Das bei E, entstehende Bild ist mithin aufrecht und seitenrichtig. Es wird durch
das Okular O0, von dem Beschauer, dessen Pupille bei AP ist, betrachtet. Das
Gesichtsfeld ist eine von zwei konzentrischen Kreisen begrenzte Ringfläche. In
ihr erscheint allerdings, ebenso wie bei dem Periskop von S. Lake, nur das
lı D.R.P. 230703, ausführlicher im Französ, Patent 402467, wo auch nähere Angaben über
Beseitigung des Astigmatismus zu finden sind.
2? W. Voit und W. Zschokke, Sehrohre für Unterseeboote, in: Festschrift, herausgegeben von
der optischen Anstalt C. P. Goerz, A.-G., Berlin-Friedenau, anläßlich der Feier ihres 25jährigen Be-
stehens 1911. Seite 110. Die Figuren 5, 6. 7 und 9 wurden aus dieser Schrift in dankenswerter
Weise zur Verfügung gestellt.