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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage? 
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im zweiten Teile seiner Untersuchung den Nachweis zu führen geglaubt, daß im 
Mittel der. Einzelfälle die aus den Wetterkarten abgeleiteten 24 stündigen Luft- 
druckänderungen nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ den entinommenen 
Temperaturänderungen im Sinne der theoretischen Betrachtungen entsprächen. 
Hierbei ist aber übersehen worden, daß. die Exnersche Formel die Gleich- 
zeitigkeit für die beiderartigen Änderungen voraussetzt, während die von Defant 
gemittelten Temperaturänderungen sich auf die Zeit von gestern bis heute, die 
Luftdruckänderungen aber auf die Zeit von heute bis morgen beziehen. Die 
Übereinstimmung des aus den Wetterkarten abgeleiteten Zahlenmäßigen Ergeb- 
nisses mit der Theorie muß daher noch als eine offene Frage betrachtet werden. 
Ermutigt durch das den Wetterkarten entnommene Verhalten der Änderungen 
des Luftdrucks zu denen der Temperatur schloß Defant in einer nachfolgenden 
Untersuchung!) auch das Verhalten der Niederschläge ein. Fußend auf den aus 
den Lindenberger Beobachtungen von 1905 entnommenen warmen Luftsäulen, 
entsprechend der Untersuchung von Trabert (vgl. die Ausführungen oben S, 7), 
gelangte Defant zu dem Ergebnis: »Die Verteilung des Niederschlags 
unter einer warmen Luftsäule steht in enger Beziehung zur Änderung 
des Luftdrucks; dem Maximum des Druckes am ersten Vortrage ent- 
spricht das Minimum der Niederschlagmenge, dem starken Fallen des 
Druckes zum Haupttage ein rascher Anstieg der Regenmenge und 
schließlich der weiteren geringen Luftdruckabnahme ein geringes 
Nachlassen der Regenmenge zum ersten Nachtage«. Hieraus folgerte 
Defant, »daß tatsächlich in warmen Luftsäulen, die in kalte Luft ein- 
gebettet sind, eine aufsteigende Luftbewegung existiert, während in 
kalten Luftsäulen die Luft sich abwärts bewegt.« Ergänzend ergab sich 
aus: den Wetterkarten, »warme Luftsäulen, die von keinem Niederschlag 
begleitet sind, verhalten sich auch gegenüber den Änderungen’ des 
Luftdrucks in den meisten Fällen abnormal; sie stehen in enger Be- 
ziehung zu einer antizyklonalen Wetterlage und kommen vorzugs- 
weise knapp auf der Rückseite von Antizyklonen vor«. Das an zweiter 
Stelle angeführte Ergebnis führte Defant durch Erwägungen auf Grund der nach- 
stehenden schematischen Darstellung einer fortschreitenden warmen und einer kalten 
Fig, 1. 
Temp. fällt 
Temp. steigt 
Temp. steil 
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Temp. fällt 
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Luftsäule und ihrer angenommenen Begleiterscheinungen, wo die horizontalen Pfeile 
die Richtung des Fortschreitens der beiden Luftsäulen anzeigen und die Annahme 
zutage tritt, daß der Luftdruck zunimmt (abnimmt), wenn die Temperatur sinkt 
(steigt), zu der Folgerung, daß die Niederschläge ganz besonders längs der auf 
unseren Wetterkarten auftretenden Nullisallobaren und deren Umgebung, d.h. 
1) Defant: Über die Beziehungen des Niederschlags zu den Temperatur- und Druck- 
verhältnissen der Atmosphäre. Beiträge zur Phrsik der freien Atmosph. Bd. 4, 1911.
	        
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