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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

* 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1912. 
Wie schon im Anfang hervorgehoben wurde, ist die vorliegende Schrift 
von van Bemmelen als Beitrag zu unsern Kenntnissen über die Bewegungen 
der Erdatmosphäre mit außerordentlicher Freude zu begrüßen, so daß wir hoffen 
dürfen, bald mehr über die weiteren Arbeiten des Verfassers zu hören. 
In Anbetracht des überaus wertvollen und umfangreichen Beobachtungs- 
materials, das den Aerologen vielleicht mancherlei Anregung zur weiteren Ver- 
arbeitung gibt, soll im folgenden noch auf einige Einzelheiten hingewiesen werden. 
Abgesehen von den sprachlichen Eigenheiten des Ausländers im Text sind 
zunächst einige kleinere Druckfehler zu bemerken: In der untersten Reihe auf 
S, 10 stehen die nicht verständlichen Zahlen 1.3 und 1.1; S. 20, 13. Zeile von 
unten, steht Dez.—Jan. statt Dez.—Febr.; S. 21, Spalte 1 steht 100°—109° statt 
100°—119°. Ferner müßte nach der Zahl der vorhandenen Aufstiege (Tab. 
S. 42—77) die letzte Zeile auf S. 30 mit 74 statt mit 73 beginnen, S. 38 mit 53 
statt 44, S. 34 mit 47 statt 29 und schließen mit 25, 26 statt 19, 17, oder es sind 
nicht alle Aufstiege zur Bestimmung der relativen Richtungsgeschwindigkeit be- 
nutzt, und dann scheint eine solche Auswahl nicht recht begründet zu sein, 
In der Pilotvisierung vom 3. August 1911 (B., S. 27) ist die Unstetigkeit 
in der Geschwindigkeit des Windes auffallend. In 16.5 km Höhe herrschen 
26.9 m p. Sek, und 0.5 km höher nur 7.5 m p. Sek., während die Richtung dieselbe 
bleibt. Ähnliche Sprünge finden sich auch in den Aufstiegen S. 41—77; z. B. folgt 
am 2. 6. 11. auf 11.5m p. Sek. in 10 km Höhe 3.5 dann 11.6 usw. oder am 17. 12. 
10 auf 14.3 16.5 3.3 5.2 m p. Sek. usw. Auch in der größten Höhe fällt bei sehr 
vielen Aufstiegen die Geschwindigkeit aus der Reihe der vorangehenden Beob- 
achtungen heraus. Für die Windrichtung sind ebenfalls die schnellen 
Änderungen, die zahlreichen Zacken und Schleifen bemerkenswert. 
Nach unseren bisherigen Kenntnissen aus den höheren Luftschichten liegt 
nun die Vermutung nahe, daß die plötzlichen Änderungen sowohl der Richtung 
wie der Geschwindigkeit nicht den wirklichen Verhältnissen entsprechen, und es 
entsteht die Frage, wie sich diese Unstetigkeiten erklären. Bis zu einem 
gewissen Grade werden sie naturgemäß durch die Ungenauigkeit der Instrumente 
und durch Beobachtungsfehler bedingt sein; da aber die Visierungen oft von 
zwei Punkten aus gemacht worden sind, von denen die eine als Kontrolle der 
andern anzusehen ist, so können jene großen Sprünge durch die Beobachtungs- 
mängel allein nicht hervorgerufen sein, und es bleibt uns kaum etwas anderes 
übrig, als sie dadurch zu erklären, daß auf- und absteigende Luftbewegungen 
vorhanden sind, in denen der Ballon bald schneller, bald langsamer in die Höhe 
steigt. Die Berechnung der Höhe stützt sich ja allein auf die Annahme, daß die 
Ballone gleichmäßig steigen. Wenn dies aber in zwei übereinanderlagernden 
Luftschichten nicht der Fall ist, so muß sich für die eine Schicht eine zu kleine, 
für die andere eine zu große Windgeschwindigkeit rechnungsmäßig!) ergeben. 
Die großen Unterschiede in den Geschwindigkeiten sind also wesentlich 
als Rechnungsergebnisse infolge von Vertikalbewegungen der Luft 
aufzufassen. Für große Höhenunterschiede wird im allgemeinen ein gewisser 
Ausgleich der auf- und absteigenden Luftströme stattfinden, so daß wir für diese 
richtigere Mittelwerte als für die kleinen Höhenunterschiede erhalten werden. 
1) Ein Ballon, dessen Aufstiegsgeschwindigkeit 150 m p. Min, betrage (BC = CA = 150m), 
durchschneide in irgendeiner Höhe eine 300 m dicke Luftschicht BA, die eine konstante Horizontal- 
geschwindigkeit von 4m p. Sek. (BD = DE = 4.60 m) habe. In den unteren 200 m sei ein auf- 
steigender Strom von 50m p. Min. vorhanden, in den oberen 100m ein absteigender Strom von 
derselben Größe. Der Ballon wird dann von B nach einer Minute 150 -+ 50 = 200 m höher, also 
nach B,, und nach zwei Minuten nuch 150 — 50 m = 100 m höher, also nach B,, kommen, 
Hätten wir nun von den vertikalen Luftbewegungen keine Kenntnis, wie es bei den gewöhn- 
lichen Ballonvisierungen der Fall ist, so würden wir annehmen, daß der Ballon nach der ersten Minute 
150 m gestiegen, also in B ist, falls der Beobachtungsort O auf der Verlängerung von B,B liegt, und 
wir erhielten für die untere Luftschicht eine Horizontalgeschwindigkeit von CB = 3-60 m p. Min. = 3m 
p. Sek., während sich für die 150 m darüber liegende Schicht BF = 5m p. Sek. anstatt der wirklichen 
Geschwindigkeiten von je 4 m p. Sek. ergäbe. 
Liegt der Beobachtungsort links von B,B, z.B. in 0, so wird die Visierungslinie 0’ B, des 
Ballons CF in P schneiden: P wäre dann der von uns angenommene Ort des Ballons nach der ersten
	        
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