Perlewitz, "P.: Die Windverhältnisse in den oberen Luftschichten nach Ballonvisierungen usw. 181
Die Windverhältnisse in den oberen Luftschichten nach Ballonvisierungen
zu Batavia
nach Dr. van Bemmelen.
In den Verhandlungen (Nr, 1) des Kon. Magn. en Meteorol.. Observ. te
Batavia — Batavia 1911 — veröffentlicht Dr. W. van Bemmelen unter dem
obigen Titel die Ergebnisse von 338 Pilotballonaufstiegen in Batavia aus
der Zeit vom August 1909 bis August 1911, Der klaren Luft und des meist
schwachen Windes wegen konnten die Ballone bis zu außerordentlich großen
Höhen beobachtet werden: 194mal über 5km, davon 107mal über 10 km und
davon wieder 23mal über 15 bis 22 km, Die Visierung der Ballone nach Azimut
und Höhe geschah mit einem Bungeschen (Berlin) oder einem Boschschen
(Straßburg) Theodolit, teilweise auch gleichzeitig mit beiden Instrumenten von
zwei Punkten aus, die 1 bis 4!/, km voneinander entfernt lagen.
Aus diesen Visierungen berechnet der Verfasser für die 338 Aufstiege
die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit für jede 100 m-Stufe
bis 1000 m Höhe und von da an für jede 500 m-Stufe und stellt die
Resultate in den Tabellen auf Seite 41 bis 77, die fast den halben Raum
der vorliegenden Schrift einnehmen, übersichtlich zusammen.
Diese wertvollen Tabellen bilden das Grundmaterial für die Bemmelensche
Arbeit. Ihre Bedeutung geht aber weit über diesen Rahmen hinaus, da die
Tabellen gleichzeitig als Grundstock aller gegenwärtigen und künftigen Aerologie
der äquatorialen Erdgebiete anzusehen sind, Bisher standen uns aus den Tropen nur
die aerologischen Ergebnisse einzelner Schiffsexpeditionen sowie der deutschen Ost-
afrika-Expedition unter Berson und Elias zur Verfügung. Die vanBemmelensche
Veröffentlichung gibt uns aber die Beobachtungen von einer ständigen festen Land-
station aus den Tropen und zeigt uns durch die gewonnenen Resultate, mit welch
großem Erfolg die Station während der zwei Jahre gearbeitet hat. Die nieder-
Jändische Regierung, von der die Station auf Java ins Leben gerufen ist, muß
man hierzu beglückwünschen. Der britischen tropischen meteorologischen Station
in Vorder-Indien kann man ähnliche Erfolge leider nicht nachrühmen, man muß
sogar sehr bedauern, daß die Beobachtungen auf dieser Station bis 1913 gänzlich
eingestellt worden sind,
; Die Bearbeitung eines so großen und neuen Materials, das uns van Bemmelen
verschafft hat, kann naturgemäß nach sehr verschiedenen Methoden erfolgen; die
Resultate werden im großen und ganzen. allerdings immer dieselben sein, und da
diese in aerologischer Hinsicht äußerst wertvoll und hoch interessant sind, so
wollen wir im folgenden näher auf sie eingehen und dabei der Einfachheit halber
der Bearbeitung Dr. van Bemmelens folgen, wenngleich er in manchen Be-
trachtungen eigene neue Wege einschlägt.
Zunächst wird die Geschwindigkeit des Windes untersucht. Die Ballon-
bahnen werden in gerade, gekrümmte, eckige und schleifenförmige Strecken geteilt
und die Mittel für die Geschwindigkeiten gebildet. Aus der hier gekürzt wieder-
gegebenen Tabelle 1 ergibt sich, daß die Geschwindigkeit um so größer ist, je
gerader die Flugstrecke ist. Das Resultat ist nicht überraschend, aber doch
interessant genug, um einmal hervorgehoben zu werden,
ahbelle 1. Mittlere Windgeschwindizykeit in Meter per Sekunde,
Höhe
a Rahnstrecken
gerade | gekrümmt | Ecken ' Schleifen
km
2—3 ; 8.4
7— 8 8,8
12—13 12.7
!
47
6.5
76
3.0
2,9
44
|
2.0
1.5
14
Der Wert der Zahlen ist nur dadurch etwas beeinträchtigt, daß die Anzahl
der Fälle, aus denen die einzelnen Mittel genommen sind, nicht angegeben ist.
Auch geht aus dem Text nicht hervor, ob stets gleiche Höhendifferenzen auf