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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es. um unsere Wettervorhersage? 
stellung der Verhältnisse gewiß erwünscht. Der hier berechnete Prozenterfolg 
für jene Prognosen, die sich auf die Änderung der Temperatur der Luftsäule 
oder derjenigen am Erdboden oder auch des Barometers gründen, erscheint 
jedenfalls zu gering, um jene Trabertschen Regeln mit besonderem Erfolg 
bei der Wettervorhersage zu benutzen. 
Tabelle IV. 
Die 24stündige Änderung der Temperatur der Luftsäule über 500 m über Lindenberg und 
At 
über 500 m 
At unten 
x 
a. die in 24 Stunden | °b. die, gleichzeitige e. die in 24 Stunden 
R nachfolgenden { Anderung nachfolgende Anderung 
Änderungen des Barometers gr Amer ma Fe © mn 
in Lindenberg der Temperatur in Lindenberg 
0 | 9 
36 
az 
60 
43 
A 
78 
231 
20 
67 
2 
° 
57 
51 
39 
43 
| 4 
: 6 
45 | 55 | 0 1 — \ 
| 38 8 | 
Die 24stündigen Änderungen des Barometers in Lindenberg und die in den folgenden 24 Stunden 
beobachteten Anderungen 
AN 
Lindenberg 
von At über 500 m 
0 
übrige 
4 
von At unten 
Tindenbere& 
| von At unten 
(Mittel: Berlin, Gr., Dred.) 
— +05 
6 | 8 | S 54 |.39 | 7 5 | 218 
27 62 9 2 43 | 55 2 45 48 8 
Auch die eingehende Bearbeitung der Temperaturverhältnisse der freien 
Atmosphäre von Wagner!) vermag unserer Wettervorhersage zunächst kaum 
Vorteile zu bieten. Wagner hat unter anderem die Bestätigung geliefert, daß 
sich schnell fortschreitende Depressionen und Antizyklonen in bezug auf ihre 
Temperaturverhältnisse wesentlich im Gegensatz zu den gewöhnlichen lang- 
samer dahinziehenden Erscheinungen verhalten, und für diese verschiedenen 
Druckgebilde Temperaturtabellen berechnet, aus denen auf Grund der im 
gegebenen Fall in der Atmosphäre registrierten Temperaturen ein Kriterium 
über die Geschwindigkeit des Fortschreitens gewonnen werden könnte; wenigstens 
scheint mir der (auf S. 160) gegebene Hinweis, daß bei solchen Wetterlagen 
Drachenaufstiege mit großem Vorteil für die Prognose benutzt werden 
könnten, in diesem Sinne gemeint zu sein. Welche Verschiedenheit der Auf- 
fassung bei der Ortsveränderung der Hochdruck- und Tiefdruckgebiete möglich 
ist, zeigt sich auch hier bei der angeführten Antizyklone, deren Zentrum am 
2. Dezember 1903 noch über dem Ozean, am 3. über Mitteleuropa und am 4. 
bereits über Rußland gelegen habe, während die Änderung der Wetterlage 
ebenso zwanglos auch die Deutung zuläßt, daß sich jene auf dem Ozean gelegene 
Antizyklone zunächst Europa genähert hat, dann aber durch eine schnell von 
Nordwesten her vordringende Depression südwärts gedrängt worden ist, während 
sich gleichzeitig mit dem Herannahen jener Antizyklone ein zwischen zwei über 
Europa lagernden Zyklonen verlaufender Rücken höheren Drucks zu einer Anti- 
zyklone über dem Osten Kontinentaleuropas herausbildete und diese sich dann 
zugleich mit dem südwärts gerichteten Abziehen des westlichen Hochdruckgebiets 
nach Rußland entfernte. 
1) A. Wagner: Die Temperaturverhältnisse in der freien Atmosphäre.‘ Beiträge zur Physik 
der freien Atmosphäre... Bd.3 1910.
	        
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