Ann. d. Hydr. usw., XXXX. Jahrg. (1912), Heft IV.
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Bestimmung der Windrichtung und Windgeschwindigkeit in der Höhe
aus den Beobachtungen von Pilotballonen.
Pilotballone werden heute, zu Beginn des Zeitalters der Luft- und Flug-
fahrt, mehr und mehr dazu benutzt, die Windrichtung und -geschwindigkeit in
der Höhe festzustellen. Die Methoden, nach denen dies geschieht, sind durchaus
nicht einheitlich. So beschreibt G. Jonas in einem Sonderabdruck aus den »Bei-
trägen zur Physik der freien Atmosphäre«, Bd. IV, S. 1 u. ff. diejenige Methode,
die auf der Drachenstation in Friedrichshafen angewandt wird, während die
Firma M. Sendtner in München einen Apparat nach Angabe von Höllerer von
der Kgl, Bayr. Meteorologischen Zentralstation für dieselben Zwecke gebaut hat;
das Aeronautische Observatorium bei Lindenberg hat im vergangenen Sommer
bei Gelegenheit des Deutschen Rundfluges an die verschiedenen Pilotstationen
Tafeln der Kotangenten versandt, um die Rechnungen zu erleichtern, und J. Wendt
hat früher auf der Drachenstation in Hamburg, ebenfalls zur Bestimmung der
Kotangente, eine graphische Tafel entworfen und benutzt.
Da die Beschreibung dieser Methoden und ein gegenseitiger Vergleich
durchaus nützlich und die Sache fördernd erscheint, besonders im Hinblick auf
die großen Rundflüge, Ballon- und Luftschiffahrten, so soll im folgenden auch
die Methode beschrieben werden, die auf der Drachenstation der Seewarte seit
Mai 1911 zur Auswertung der Pilotballonaufstiege angewendet wird.
Fig. 1 (?/; der natürlichen Größe).
Pilotballon - Aufstieg am 9 Station:
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Freier Auftrieb; Bewölkung :
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Es werden Ballone von etwa 17-g Gewicht benutzt, denen durch Füllung
mit Wasserstoff ein freier Auftrieb von 77 g gegeben wird, so daß sie nach der
Hergesellschen Kurve, die die Abhängigkeit der Steiggeschwindigkeit vom
Ballongewicht und freien Auftrieb darstellt, oder nach den von Tetens- aus
jener Kurve berechneten Tabelle!) eine Steiggeschwindigkeit von 150 m p. Min,
oder 2,5 m p. Sek. erhalten, j
Der Ballon wird zur vollen Minute hochgelassen, mit einem Theodolit an-
visiert, an dem zuerst nach 30 Sek., dann nach 60 Sek, und hinfort nach jeder vollen
Minute Azimut @ und Höhenwinkel 8 abgelesen werden. Eine Tabelle (vgl. Fig. 1),
1) Ergebnisse der Arbeiten am Kgl. Preuß, Aeronaut. Observatorium bei Lindenberg. 1910.
Braunschweig 1911, 8. 196 his 197.
Ann. d. Hvar usw. 1912. Heft TV