Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912.
Zur Erläuterung muß hinzugefügt werden, 1. daß als kalte und als warme
Luftsäule solche bezeichnet wurden, an denen die Temperatur in der Höhe der
Luftsäule an einem Morgen niedriger oder aber höher als an den beiden
benachbarten Morgen war, 2. daß entsprechend für die betrachteten Luftdruck-
extreme (von Berlin) die beiden Nachbartage in geringerem Grade extrem
waren, und 3. daß das Beobachtungsergebnis, wonach das Barometer am Morgen
nach demjenigen des Eintritts der kalten Luftsäule in einer ganz überwiegenden
Zahl von Fällen höher als an dem diesem vorangehenden Morgen gefunden
wurde, sowie das entsprechende für den Fall einer warmen Lufsäule, unter dem
Ausdruck zu verstehen ist, daß das Barometer unter einer kalten Luftsäule
steigt und unter einer warmen fällt. Aus den nur für Januar im einzelnen
angegebenen 19 Fällen von kalten Luftsäulen des Zeitraums ist zu entnehmen,
daß vom Vortage bis zum Tage des Temperaturminimums der Luftdruck in
799%, und vom Vortage zum Nachtage in 73%, der Fälle gestiegen war, während
er vom Tage des Temperaturminimums bis zum nachfolgenden in je 9 Fällen
zestiegen und gefallen und in einem Falle unverändert geblieben war. Für die
Anwendung bei der Wettervorhersage würde die Schwierigkeit bestehen, daß die
Änderung ‘der Temperatur der Luftsäule bis zum folgenden Tage bekannt sein
müßte, um zu entscheiden, ob man es am Morgen mit einer kalten oder einer
warmen Luftsäule zu tun hat; ebenso vermöchte die Wettervorhersage mit der
von Luftdruckextremen ausgehenden Regel keinen Gebrauch zu machen, da ihre
Anwendung zur Voraussetzung hat, daß wir sichere Kenntnis über die Änderung
des Barometers bis zum nächsten Tag besitzen. Jedenfalls ist weiter anzunehmen,
laß das Trabertsche Ergebnis durch das nahe zeitliche Zusammenfallen ent-
gegengesetzter Änderungen von Temperatur und Luftdruck in den benutzten
Fällen beeinflußt ist und die aufgefundenen Verhältnisse ‘andernfalls zum
mindesten nicht so scharf ausgeprägt hervorgetreten wären. Eine Durchsicht
eines Teiles der für Januar angegebenen Fälle kalter Luftsäulen läßt es sehr
wahrscheinlich erscheinen, daß es sich in der großen Mehrzahl der Fälle um
schnell vorübergehende Beeinflussung durch Ausläufer von Depressionen gehandelt
haben wird. An der Hand der oben angegebenen Lindenberger Beobachtungen
wurden von mir auch diese Regeln von Trabert betreffs ihrer Verwendbarkeit
für die Wettervorhersage geprüft, wobei mit Rücksicht auf die bei Aufstellung
der Wettervorhersage unbekannten nachfolgenden Änderungen ein vorangehendes
Fallen oder Steigen der Temperatur in der Höhe bzw. des Barometers in Linden-
berg als das Kriterium für die warme und die kalte Luftsäule bzw. für die
Luftdruckextreme gewählt werden mußte; das Ergebnis findet sich in Tabelle IV.
Hiernach folgte in der Mehrzahl der Fälle auf ein Steigen (Sinken) der
Temperatur der IIöhe in den nächsten 24 Stunden die entgegengesetzte
Änderung des Luftdrucks, sowie dem zweiten Teil der Regel entsprechend auf
ein Ansteigen (Sinken) des Barometers in den nächsten 24 Stunden überwiegend
ein Steigen (Sinken) der Temperatur in der Höhe. Aus der Tabelle IV geht
aber weiter hervor, daß diese Beziehungen ebenso bestehen, wenn man an Stelle
der Temperatur in der Höhe die in der Nähe des Erdbodens beobachtete setzt,
wobei jedoch wieder hervorgehoben werden möge, daß die von mir benutzte
Beobachtungsreihe, zumal viele der Registrierungen fortgelassen werden mußten,
für den vorliegenden Zweck reichlich kurz gewesen ist. Die hier hervortretende
Frage, wie sich die Änderung der Temperatur in der Höhe zu der gleich-
zeitig am Erdboden stattfindenden verhalte, findet sich auch in Tabelle IV beant-
wortet; die Vorzeichen der gleichzeitigen Änderungen stimmen in der großen
Mehrzahl (über 70%) überein, entsprechend der von Defant!) gleich 75%
berechneten Übereinstimmung, während die nahe dem Erdboden in den folgenden
24 Stunden beobachtete Änderuug der Temperatur eine bestimmte Beziehung zu
der am Morgen beobachteten Änderung der Temperatur der Höhe nicht zu
erkennen gibt. Eine Prüfung an der Hand weiteren Materials wäre zur Klar-
. 1) Defant: Über die Bezichung der srnoptischen Luftdruckverhältnisse der Atmosphäre. Wien.
Ait7z. Ber. Bl. 119 1910.