170 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912.
mit Unterstützung von Professor Laas unternahm er die dankenswerte Aufgabe, die Grundlagen der
Schiffahrtsstatistik kritisch zu untersuchen.
Ausgangspunkt ist die Schiffsvermessung, die zunächst nach Prinzip und historischer Ent-
wicklung dargelegt wird. Man hat an und für sich drei Möglichkeiten zu Größenvergleichen hei See-
schiffen, den Raumgehalt, das Deplacement oder die Wasserverdrängung und die Trag- und Lade-
fähigkeit. Mancherlei daraus entstehende Übelstände bei der Abgabenerhebung ließen dann zuerst in
England, später in anderen Ländern das Moorsomsche Vermessungsverfahren einführen, das den
gesamten inneren Raumgehalt unter dem Oberdeck ermittelt. Dadurch, daß man aber sofort durch
Allerhand Abzüge von diesem Bruttoraumgehalt auf den Nettoraumgehalt zurückgriff, wurde die vorher
als ungeeignet erkannte Ladefähigkeit in verkappter Form wieder eingeführt. Es setzte deshalb sofort. in
England das dauernde Bestreben ein, die Nettoabzüge zwecks Verminderung «der Abgaben zu ver-
yrößern. Deutschland folgte, um seine Schiffe nicht zu benachteiligen, im großen ganzen den englischen
Maßregeln, nur natürlich immer etwas später, Nagegen verstand Frankreich es bis 1904, wo es sich
endlich den anderen Staaten anschloß, durch teilweise völlig unmotivierte Nettoabzüge in ganz anderen:
Maßstabe diese als Mittel zur Verringerung der Schiffahrtsabgaben und damit zur Begünstigung der
nationalen Schiffahrt zu benutzen. Kin in England erbauter französischer Passagierdampfer von
9060 Brutto hatte nach französischer, englischer, deutscher Vermessung einen Nettogehalt von 2174.
3054, 3750 R-T., so daß ein Vergleich der Staaten untereinander schwierig war.
Die wirkliche Leistungsfähigkeit ergibt sich aber erst bei gleichzeitiger Berücksichtigung der
Geschwindigkeit, woraus schon für Betrachtung der Entwicklung der Schiffahrt nur eines Landes
Unzulänglichkeiten erwachsen. Von 1890 bis 1910 ist z. B. die Leistungsfähigkeit der deutschen
Handelsflotte ungefähr doppelt so stark gewachsen als ihr Nettoraumgehalt. Vogel schlägt schließlich
den Ersatz der bisherigen Brutto- und Nettoraumvermessung durch dıe Tragfähigkeitsvermessung
vor, die verhältnismäßig leicht zu erreichen ist aus dem Gewicht des betricbsfertigen Schiffes und dem
Tiefladelinien-Deplacement. !)
Weiter werden dann die Grundzüge der Schiffahrtsstatistik erörtert, und zwar die Aufnahme
wie nuch die Verarbeitung der Statistik. Daß Schwierigkeiten bei internationalen Vergleichen vor-
handen sind, wundert uns nicht. Bei Vergleichen zwischen Hamburg und Antwerpen müssen die
Antwerpener Zahlen um 13 Prozent verringert werden, Aber selbst bei einem Reich sind große
Unterschiede vorhanden, z. B. bei der Hamburger und der Reichsstatistik, so daß eine verschiedene
Bewertung erfolgen muß.
Die Anwendung der Ergebnisse seiner Untersuchungen zeigt Vogel im Schlußkapitel. In
höchst anschaulicher graphischer und kartographischer Darstellung wird ausführlich die Entwicklung
des deutschen Schiffsbestandes und Seeverkehrs von 1574 bis 1910 bzw. 1905 gegeben. Auf diesen
Abschnitt seien auch besonders wirtschaftsgeographische Interessenten hingewiesen. R. Lütgens.
Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrt- und der Meer--kunde
sowie auf verwandten Gebieten.
a. Werke.
Witterungskunde.
Internationaler Meteorologischer Kodex. 2. vermehrte Aufl. (Nr. 242 d. Veröffentl. d. Kgl.
Preuß. Meteorolog. Instituts) bearb. von G. Hellmann u. H. H, Hildebrandsson, 8%, 103 5,
Berlin 1911. Behrend & Co. 4.00 „IC
Möller, M.: Weltamt für Wetterkunde. Notwendigkeit einer Gründung desselben, und
Aufforderung zur Unterstützung des Unternehmens. Der beigefügte Anhang bietet eine
Denkschrift des Verfassers zu seinem im Oktober 1911 auf der XII. allgemeinen Ver-
sammlung der deutschen Meteorologischen Gesellschaft gehaltenen Vortrage. 8. XVI,
32 8. Braunschweig 1912. B. Goeritz. 1.00.
Meeres- und Gewässerkunde.
Algemeene Dienst van den Waterstaat: Getijkrommen van Plaatsen aan de Nederlandsche
Kust en Benedenrivieren. M. H..van Beresteiin. 4% 109 p. ’s-Gravenhage 1911.
J. H. van Langenhuysen,
Reisen und Expeditionen.
Wissenschaftliche Ergebnisse der Schwedischen Südpolar-Expedition 1901—1903 unter Leitung
von O. Nordenskjöld. Ba. I. Lfrg. 1, Nordenskjöld: Die Schwedische Südpolar-Erpedition
und ihre geographische Tätigkeit. 4°. 222 8. m. 3 Karten u. 16 Taf, Stockholm 1911.
Lithogr. Instit. des Generalstabs. 32.00 ‚4
— —, VI. Bd., 6. Lfrg., Arwidsson, J.: Die Maldaniden. 4°. 4458. m. 2 Taf, Stockholm 1911.
Ebenda. Suhskr. Pr. 4.00.47
Fischerei und Fauna.
Hensen, V.: Über die Bestimmung des Fischbestandes im Meer. Vortrag, ergänzt zum Zweck
dieser Veröffentlichung. Fol. 32585. m. 1 Kartenskizz. Kiel 191]. Lipsius & Tischer. 2.00,
i) Dazu ist aber zu bemerken. daß gerade z. Z. die neue Tiefladelinie von beteiligten Kreisen
scharf angeertiffen wird.