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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht. es um unsere Wettervorhersage? 
größere Bedeutung gewinnen, da die Fälle selten vorkommen, wo wir im Zweifel 
sind, ob wir uns auf der rechten oder linken Seite des für den nächsten Tag 
als maßgebend erachteten Druckzentrums befinden werden, ; 
Auf den vermeintlich geführten Nachweis, daß die starken Richtungs- 
änderungen der Piloten fast immer auf die Einwirkung kleinerer Teilzentren 
zurückzuführen seien, und die Erfahrung, daß die Witterungsänderungen bei 
diesen auffälliger als unter dem Einfluß anderer Druckgebilde sind, gründet 
Lehnhardt den Anspruch, daß seine Untersuchung eine Bedeutung für die prak- 
tische Meteorologie besitze. Da jedoch die Begründung der beobachteten Piloten- 
bahnen an der Hand der Wetterkarten, wie dies die sehr dankenswerte Unter- 
suchung‘ zu erkennen gibt, im Einzelfall eine äußerst schwierige Aufgabe ist 
und auch die Darlegungen von Lehnhardt im einzelnen gewiß Einwendungen 
begegnen dürfen, und da insbesondere auch für die bearbeiteten Pilotenaufstiege 
ihre Beziehungen zur gleichzeitigen oder nachfolgenden Witterung nicht in die 
Untersuchung einbezogen worden sind, so ist der Untersuchung kaum ein 
Gesichtspunkt mit Sicherheit zu entnehmen, unter dem die Beobachtung von 
Pilotballons der Wettervorhersage für den folgenden Tag Vorteile,zu, gewähren 
vermöchte. > 
Während die Regeln von Exner, Börnstein und LehnhaFdt aus der 
Feststellung der Luftströmungen in der Höhe Vorteile für die Wettervorhersage 
in Aussicht gestellt haben und der erstere ausdrücklich die Kenntnis der in 
der Luftsäule herrschenden Temperaturen für entbehrlich erachten konnte, 
gelangte Trabert!) im Laufe seiner Untersuchungen zu einigen Regeln, die 
auf der Temperatur der Luftsäulen fußen. Im Gegensatz zu Exner, bei dem 
die vertikalen Bewegungen in der Atmosphäre zugunsten der horizontalen 
wenig zu ihrem Recht gelangen, finden wir bei Traberft eine Zurücksetzung 
der Bedeutung der horizontalen Strömungen gegenüber auf- und absteigenden 
Bewegungen, 
Unter Benutzung der Aufstiege von Lindenberg vom Januar 1909 und 
der gleichzeitigen Luftdruckbeobachtungen gelangte Trabert auf Grund 
theoretischer Betrachtungen zu dem Ergebnis, daß bei den Zyklonen und 
Antizyklonen die Temperaturunterschiede das Primäre seien, daß die warmen 
Luftsäulen durch den Auftrieb eine aufsteigende, dagegen die kalten Luftsäulen 
eine absteigende Bewegung der Luft zeigen und daß nun durch die vertikalen 
Bewegungen erst die Luftdruckdifferenzen geschaffen werden, daß aufsteigende 
Bewegung der Luft ein Fallen, absteigende ein Steigen des Barometers hervor- 
rufen, und zwar infolge der Volumsänderung der Luft, die bei vertikalen 
Bewegungen notwendig eintreten müsse. Eine volle Bestätigung dieser An- 
schauungen gewann Trabert”) auf Grundlage der Lindenberger aero- 
logischen Beobachtungen aus den Jahren 1903/08, die zu dem Ergebnis führten, 
daß 1. der Luftdruck unter kalten Luftsäulen steigt, wobei das 
Minimum im Mittel am Vortag, das Maximum am Nachtag eintritt, 
2. daß entsprechend unter warmen Luftsäulen der Luftdruck an der 
Erdoberfläche fällt, wobei das Maximum meist am Vortage, das Minimum 
am Nachtage eintritt, 3. daß auf Luftdruckextreme in der Regel am 
ersten oder zweiten Nachtage eine Luftsäule extremer Temperatur, 
und zwar auf ein Maximum eine warme Luftsäule, auf ein Minimum 
eine kalte Luftsäule folgt, 4. daß nicht der Luftdruck an sich unter 
verschiedenen Luftsäulen verschieden erscheine, sondern nur die 
Luftdruckänderung, und 5. aus diesem Grunde es wahrscheinlich mög- 
lich sein werde, aus Temperaturbeobachtungen in der Höhe einen 
Schluß auf die voraussichtlichen Luftdruckänderungen zu ziehen und 
so auf die bevorstehende Druckverteilung zu schließen. 
l) Trabert: Der Zusammenhang zwischen den Temperaturverhältnissen der Atmosphäre und 
dem Druck an der Erdoberfläche, Sitz. Ber. d. Wien. Ak. Bd. 118, II. a. 1909, 
; 2) Trabert: Der Zusammenhang zwischen Luftdruck- und Temperaturverhältnissen. Met. 
Ztschr. Bd. 27. 1910.
	        
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