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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912. 
Die Winde in der Baß-Straße sind meistens wesentlich verschieden von 
denen, die Östlich von den Inseln zwischen dem Wilson-Vorgebirge und der 
Nordostküste Tasmaniens herrschen, sie wehen mitunter sogar in entgegen- 
gesetzter Richtung zu letzteren. 
Wind und Wetter an den Küsten des Stillen Ozeans bis hinauf nach 
Sydney wird eingehender im » Allgemeinen Teil« über Neu Süd Wales beschrieben. 
Das Klima von Victoria ist in der Ebene im allgemeinen angenehm zu 
nennen. Im Winter tritt schr selten und nur in klaren Nächten Frost ein; in 
den gebirgigen Gegenden und namentlich im Hochland der australischen Alpen 
ist Frost, Reif und ausgiebiger Schneefall eine natürliche Erscheinung, trotzdem 
während des Tages Hitze herrscht. Die Küstenstriche im besonderen haben eine 
zum Inneren verhältnismäßig mehr ausgeglichene Temperatur, obwohl das 
Thermometer im Schatten bis auf 40.6° C steigt. Trotzdem empfindet man die 
Hitze bei dem meistens klaren schönen Wetter und der großen Trockenheit der 
Luft keineswegs als besonders belästigend, Nur wenn während des Sommers die 
heißen Nordwinde aus dem Inneren wehen, wird die Hitze unerträglich, Trotz- 
dem Vietoria von ganz Australien der wasserreichste Landstrich ist, ist der 
Regenfall an sich im Vergleich mit anderen Ländern gering; in Melbourne be- 
trägt die mittlere Regenhöhe 635 mm (251/, Zoll). Im nordwestlichen Steppen- 
gebiet des Staates ist er sehr viel geringer und beträgt selten mehr als 356 mm 
(14 Zoll). Zum richtigen Verständnis dieser Angaben muß aber in Betracht ge- 
zogen werden, daß die Regenmengen in den einzelnen Jahren recht verschieden 
ausfallen, ja daß sie mitunter strichweise ganz ausbleiben. In solchen regen- 
armen Jahren nimmt die an sich schon große Trockenheit überhand, die Vege- 
tation weiter Landstrecken verdorrt und bildet eine Zündmasse, die bei der ge- 
ringsten Veranlassung in Flammen aufgeht. Auf diese Weise entstehen die 
vernichtenden, weite Landstrecken verödenden Steppen- und Waldbrände, 
die auch für die Navigierung gefahrbringend werden können. Durch den ent- 
wickelten Rauch, der von ablandigen Winden weit nach See hinausgetragen, wie 
richtiger Nebel die Schiffahrt behindert, wird die Sichtweite der Leuchtfeuer 
mitunter stark beschränkt, und weiße Feuer machen den Eindruck von roten, 
Auch verändert ein Waldbrand öfter das ganze Küstenbild. Seiner Vegetation 
hierdurch beraubt, besonders der hervortretenden hohen Bäume und Baum- 
gruppen, die als Landmarken dienen, bietet der Anblick des so stark veränderten 
Küstengeländes ein Bild, daß mitunter selbst der Einheimische dadurch verwirrt wird. 
Über einen solchen Waldbrand gibt der Bericht des Kapitäns F. Dabbert 
von der deutschen Bark »Malvina« vom Jahre 1886 ein zutreffendes Bild, vgl. 
‚Ann. d. Hydr. usw.« 1887, S. 123. »Als wir am Morgen des 5. Januar 1886 
unter Lotsenführung nach der Hobson-Bucht segelten und noch ungefähr 20 Sm 
vom Kap Otway ab waren, wurde die Luft bei steifem nordwestlichen Winde 
plötzlich ganz dunkel und nahm eine rotbraune Farbe an, während die Sonne 
wie ein feuriger Ball am Himmel stand. Dabei herrschte eine sehr große Hitze; 
plötzlich begann es Asche zu regnen, Blätter, zwei Vögel, Kohlenstücke, Sand usw. 
fielen auf das Schiff herunter. Wir machten alle Segel fest bis auf die Unter- 
marssegel. Es folgten einige nur Sekunden lang anhaltende orkanartige Wind- 
stöße, sonst wehte es steif von NW bis NNW, zuweilen aus N. Die Hitze wurde 
immer unerträglicher; dabei flogen noch glimmende Holzkohlenstücke an Deck, 
was mich zur Annahme veranlaßte, dicht unter der Küste zu stehen, weshalb 
der Kurs auf OSO gesetzt wurde. Die Luft war so dunkel, daß man nichts auf 
Deck unterscheiden konnte, und wir genötigt waren, Licht beim Kompaß zu 
brennen. Um 121!/, Uhr mittags sprang der Wind, nachdem einige kalte Stöße 
voraufgegangen waren, naeh W, und der Aschenregen wurde noch heftiger, So 
daß bald das ganze Schiff mit einer !/„ Zoll dicken Ascheschicht überzogen 
war. Anfänglich war ich der Meinung gewesen, daß ein vulkanischer Ausbruch 
erfolgen würde, dann aber erinnerte ich mich, über Waldbrände in Australien 
gehört zu haben. In der folgenden Nacht konnten wir kein Feuer entdecken, 
obwohl wir uns der Küste nahe befanden, was ich mir als eine Folge des Vor- 
handenseins von Asche in der Atmosphäre erklärte.«
	        
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