Allgemeine Verhältnisse der Häfen und an den Küsten des Staates Victoria (Australien). 155
Statistisches. Aus seinem Flächenraum von 227610 qkm hatte Vietoria
in den Jahren 1891 1140405, 1901 1201070 und 1908 nach amtlicher Schätzung
1271445 Einwohner. Im Jahre 1901 lebten nur noch 271 Ureinwohner im Staate.
Im Jahre 1908 betrug die Einwanderung 76863, die Auswanderung 78 614 Per-
sonen, Die Einnahmen betrugen gleichzeitig 167.4, die Ausgaben 164.4, die
Schulden 1086.4 Millionen Mark. Die Handelsflotte bestand im Jahre 1907 aus
195 Seglern mit 31997 R-T, netto und 168 Dampfern mit 93101 R-T. netto
Raumgehalt, Alle Schiffe sind beheimatet in Melbourne, Die Einfuhr betrug
im Rechnungsjahr 1908/09 dem Werte nach 576.1, die Ausfuhr in demselben
Zeitraum 587.2 Millionen Mark, Seiner .dichteren Bevölkerung entsprechend
hat dieser kleinste Staat das ausgebreitetste Eisenbahnnetz, das im Jahre 1905
eine Gesamtlänge von 3426 engl. Meilen hatte. Dieses Bahnnetz führt von
der Hauptstadt Melbourne strahlenförmig durch den ganzen Staat. Durch
die Nordost-Linie über Wodonga ist Verbindung mit Sydney hergestellt, das
in 19 Stunden erreichbar ist. Die westliche Bahnlinie über Serviceton ver-
mittelt die Verbindung mit Adelaide und den Häfen ‚am Spencer-Golf, Alle
wichtigeren Häfen des Staates sind mit der Hauptstadt durch Bahnlinien ver-
bunden. Das Telegraphennetz ist verteilt auf nahezu 1000 Stationen, und der
Draht hat eine Länge von etwa 7000 Sm. Das telegraphierte Wort kostet nach
England 4 sh 10 d. Innerhalb des Staates ist für eine Drahtnachricht bis zu
neun Worten 9 d zu zahlen. Die größeren Städte haben untereinander auch
Telephonverbindung. . . . ;
‚ Politisches. Die Regierungsform ist dieselbe wie die der anderen austra-
lischen Kolonien. Als Vertreter der Krone steht ein Gouverneur an der Spitze,
ein verantwortliches Ministerium vertritt die Regierung vor dem Parlament, das
aus zwei, Häusern besteht. . .
Wind, Wetter und Klima an der Küste Vicetorias am Indischen Ozean bis
zur Baß-Straße, vgl. »Beiträge zur Küstenkunde«, Band. Nr. 1. von 1910, S. 61,
oder »Ann; d. Hydr..usw.« 1910, S. 441. In der Baß-Straße sind die Wind- und
Wetterverhältnisse denen an der ganzen Südküste von Australien am Indischen
Ozean. sehr ähnlich, obwohl der östliche Teil der Straße natürlich schon wesent-
lich unter dem Einflusse der Wechselwirkung des Stillen Ozeans und des austra-
lischen. Kontinents steht, und namentlich die hier auftretenden Stürme die
Kennzeichen ihrer Herkunft aus dem Stillen Ozean aufweisen. Die stärksten
Winde kommen hier jedoch nicht aus dem SW-Quadranten wie im Indischen
Ozean, sondern es überwiegen die nördlichen Winde an Häufigkeit und Stärke,
besonders. im Winter, alle anderen sind aber mehr Küstenwinde und werden
weiter. in See weniger stark empfunden. Dagegen wehen im Ostteile der Straße
wie an den Küsten des Stillen Ozeans stürmische Winde am häufigsten und mit
der größten Stärke aus S- und SO-Richtung. In der ganzen Straße trifft man
bei schönem Wetter nördliche leichte Winde an der Küste, südliche dagegen weiter
draußen. Die nördlichen Winde an der Küste treten in der Nähe des Kap Howe
als Nordwestwinde auf, Im Januar, Februar und März sind östliche Winde mit
schönem klaren Wetter häufiger, als zu anderen Jahreszeiten, . Leichte Nordost-
winde, die selten eine bemerkenswerte Stärke erlangen, trifft man häufig im öst-
lichen Teile der Straße, Im westlichen Teile der Baß-Straße findet man östliche
Stürme selten, die Wetterscheide, bis wo. sie vorherrschen, scheint das Wilson-
Vorgebirge zu sein. Für Segler sind Januar und Februar die besten Monate,
um ‚die Straße in westlicher Richtung zu passieren, obwohl auch zu. anderen
Zeiten vorübergehend östliche Winde auftreten. Die in der Straße auftretenden
Stürme beginnen im NNW, drehen über W nach SW und flauen dann gewöhn-
lich ab. Mitunter dreht der Wind nicht bis SW, sondern krimpt wieder auf W
und NW zurück, dann pflegt der Sturm anzuhalten, bis das Barometer mit einer
Drehung des Windes nach SW zu steigen beginnt. Das Wetter ist selten gut,
solange das Barometer unter 760 mm steht, und stürmisches Wetter kann sicher
erwartet werden, wenn es bis unter 755 mm. sinkt.
Auffrischende südöstliche Brise bei trübem Wetter läßt, namentlich vom
Mai bis September, ziemlich sicher auf einen herannahenden Sturm schließen.