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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912.
des Kontinents und namentlich des hier besprochenen Staates. Die wegen ihrer
starken Gummiabsonderung als Gummibäume bezeichneten Eukalypten werden
von den Kolonisten gewöhnlich in weiße, blaue und rote »Gums« eingeteilt.
Wegen ihres schnellen Wachstums und ihrer Widerstandskraft hat man von
ihnen große erfolgreiche Anpflanzungen in Süd-Europa, Süd-Afrika und Amerika
gemacht,
Die gewöhnliche auch in Afrika vorkommende Grasart ist das Känguruh-
gras, das in guter Lage Manneshöhe erreicht, und das alle unfruchtbaren Sand-
strecken überdeckende Stachelschweingras, von den Einheimischen »Spinifex«
genannt. Als ausschließliche Eigentümlichkeit Victorias ist die Gebirgspflanzen-
welt der Alpen entwickelt in den antarktischen Buchen und buschigen Hoch-
gebirgs-Gummibäumen; die südliche Fächerpalme findet hier ihre Südgrenze.
Eingeführt und mit bestem Erfolg angepflanzt sind fast alle europäischen
Getreide- und Gemüsearten sowie Fruchtbäume. Namentlich auf den am Murray-
Fluß durch mächtige Pumpanlagen künstlich bewässerten neuen Plantagen ge-
deihen Dattelpalmen, Bananen, Wein, Feigen, Mandeln, Aprikosen, Pfirsiche,
Äpfel usw. Die Ausfuhr australischen Getreides, besonders aus Vietoria, wächst
mit jedem Jahre.
Die Tierwelt Australiens, hier im besonderen Victorias, weist nur ver-
einzelte höher entwickelte Säugetiere auf, Die zwei Arten Ameisenigel und das
Schnabeltier können noch nicht ganz zu den Säugetieren gerechnet werden. Von
Beuteltieren sind etwa 100 Arten vorhanden; von ihnen bilden das Känguruh
und die fliegenden Eichhörnchen eine australische Eigenart. Der Dingo, wahr-
scheinlich ein verwilderter Haushund, und 23 Arten altweltlicher Fledermäuse
sind wahrscheinlich, wie auch die Ratten und Mäusearten, in jüngerer Zeit ein-
gewandert, Die Vogelwelt ist reich vertreten, namentlich die Papageienarten,
besonders fallen Leierschwanz, Emu und zwei Kasuararten auf. Dagegen sind
so artenreiche Vögel wie Hühner, Spechte, Finken nicht vorhanden, Schlangen,
Eidechsen, Krokodile sind zahlreich, wie auch vieles Ungeziefer und Insekten.
Schmetterlinge sind selten, Käfer dagegen häufig, und Heuschrecken treten oft
in großer Menge auf und werden schädlich. Dem Erdteil nicht heimische
Tiere sind durch Zufall oder mit Absicht eingeführt worden, von denen
mehrere Arten verwildert sind, so das Kaninchen, das stellenweise zu einer
Landplage geworden ist. Auf Schaf- und Rinderzucht gründet sich der Wohl-
stand eines großen Teils der Bevölkerung, Die Ausfuhr von Wolle, Häuten
und gefrorenem Fleisch nimmt beträchtlich zu. Fluß- und Seefische sind in den
Gewässern Victorias reichlich vorhanden,
Der Bergbau ist hoch entwickelt und stellte früher durch die Gold-
wäschereien die bedeutendste Einnahmequelle des Landes dar. Durch den Zuzug
der Goldsucher aus der ganzen Welt nach den neu entdeckten Goldfeldern und
durch die Bedürfnisse einer schnell steigenden, wohlhabenden Bevölkerung, ver-
bunden mit der Fruchtbarkeit des Bodens, des günstigen Klimas und eines
richtig geleiteten Gemeinwesens, konnte es nicht ausbleiben, daß sich alle Zweige
der modernen Kultur in derselben glänzenden Weise entwickelten, wie im Westen
Nord-Amerikas, Neuerdings hat die primitive Gewinnung des Goldes durch
Handwäscherei dem Bergbau mit den vollkommensten Maschinen Platz machen
müssen. Neben dem edelsten Metall werden auch beträchtliche Mengen von
Silber, Zinn, Kupfer, Antimon, Blei und Kaolin, in beschränkterem Maße auch
Steinkohle und Braunkohle oder Lignit durch Bergbau gewonnen, Ebenso findet
man viele Edelsteine, Diamanten, Saphire, Türkise und Schmucksteine, die einen
bemerkenswerten Handel ermöglichen,
Geschichtliches. Im Jahre 1798 entdeckte Baß die nach ihm benannte
Straße zwischen Australien und Tasmanien, Flinders befuhr dann die ganze
Südküste des Kontinents, Im Jahre 1851 erhielt Victoria die Autonomie, vorher
bildete es unter dem Namen »Port Philipp-Distrikt« einen Teil der Kolonie Neu
Süd Wales, Seit der Begründung des australischen Staatenbundes im Jahre 1900
gehört Victoria als Einzelstaat diesem Bund an.