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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Allgemeine Verhältnisse der Häfen und an den Küsten des Staates Victoria (Australien). 153

Forest-Hügel in der Nähe des 1836 m hohen Coberra-Berges in den australischen
Alpen in gerader Linie weiter fort bis zum Kap Howe am Stillen Ozean. Die
südliche Grenze bilden die Küsten am Indischen Ozean, der Baß-Straße und am
Stillen Ozean. Die wichtigsten Häfen des Staates sind: die Bucht von Port
Phillip mit den Häfen Melbourne und Geelong, Portland Bay, Port Fairy, Lady
Bay, Western Port, Venus Bay, Port Albert und Gipps Land Lakes,
Die Geländeform ist einfach und übersichtlich. Eine breite unregelmäßige
 Gebirgskette, die australischen Alpen genannt, mit Höhen von 1200 bis
1900 m, durchzieht Victoria in der Richtung O0—W. Sie bildet eine ausgeprägte
Wasserscheide für die Flüsse, die teils nach Süden die fruchtbaren Ebenen von
Gippsland wie auch den westlichen Teil des Staates bewässern und sich ins Meer
ergießen, während die andern nach Norden hingelenkt werden und das mächtige
Flußgebiet des Murray bilden. Obwohl der größere Teil des Landes auch an
den Küsten bergig und hügelig genannt werden muß, ist ein zusammenhängendes
Küstengebirge nicht festzustellen. Der Nordwesten besteht aus ausgedehnten,
spärlich mit Gras bestandenen Ebenen, gelegentlich von Busch- und Waldstreifen
unterbrochen. Der beschriebenen Geländeform entsprechen natürlich auch die
Pflanzen- und Tierarten, auf denen Kultur und Ausnutzung des Landes hauptsächlich
 beruhen.
Die Flüsse sind meistens nicht schiffbar mit Ausnahme des Murray-Flusses,
der während des ganzen Jahres Wasser genug hat, um befahren werden zu
können. Im Nordwesten verlieren sich, wie im übrigen Australien, viele Flüsse
meistens im Sande der weiten Ebenen, Auch in den übrigen Landstrichen versiegen
 viele während der heißen Sommermonate oder trocknen aus bis auf kleine
Rinnsale oder vereinzelte Wassertümpel.. Dagegen schwellen sie im Winter und
namentlich in den Frühjahrsmonaten, gespeist durch die Schmelz- und Regenwässer
 ihres bergigen Ursprungsgebietes, zu reißenden Strömen an und verwüsten
dann häufig durch Überschwemmungen weite Strecken fruchtbaren Kulturlandes,
Landseen sind viele über den ganzen Staat verteilt, sie enthalten zum Teil
Frisch-, zum Teil Salzwasser, manche trocknen während der Sommerhitze auch
aus. Für die Küstenschiffahrt wichtig sind die Strandseen im Gippslande, von
denen die größten der Victoria-,. der King-, der Reeves- und der Wellington-See
sind. Diese sind von der See durch stellenweise schmale Sanddünen getrennt
und durch künstliche Kanäle mit dem Meere verbunden.
Dem geologischen Aufbau, der zum größten Teil aus dem Altertum der
Erde (Paleozoikum) stammt und aus Ablagerungen des Silur, Devon und verwitterten
 vulkanischen Laven und Aschen besteht, verdankt der Staat seine
außerordentliche Fruchtbarkeit. Dagegen stammen Quarz, Kies, Ton und Sandstein,
 in dem das Gold gefunden wird, aus den Ablagerungen der Neuzeit der
Erde, aus dem älteren Pliocän und teilweise aus dem Alluvium. Der isolierten
Lage des australischen Erdteils, die sich schon sehr frühe, wahrscheinlich schon
während des Tertiärs oder noch früher ausbildete, verdankt dies Land seine
einzigartige, von den übrigen Erdteilen scharf unterschiedene, ursprüngliche
Pflanzen- und Tierwelt. Die Entwicklung ist hier gewissermaßen auf einer
niedrigen Stufe stehen geblieben.
Die Pflanzenwelt zeigt namentlich in Vietoria ein besonderes, von der
übrigen australischen Flora abweichendes Gepräge, das sich nur in der feuchten
Ebene oder den Bergen mit niedrigeren Temperaturen ausbilden konnte. Während
die Tropenvegetation durch kletternde Lianen, Baumorchideen, Palmen, Araceen
und Pandanus gekennzeichnet wird, tritt uns im Südostgebiete der Reiz der
eigentümlichen australianischen Vegetation entgegen, die nicht weniger als
8839 Arten von Gefäßpflanzen aufweist, teilweise Blütenpflanzen, teilweise Farne.
Es kommen allein 135 Arten von Eukalypten oder Gummibäumen vor, von
denen einige 50 bis 128 m Höhe und am Fuße 8 bis 13 m Umfang erreichen.
Ebenso verschiedenartig und verbreitet sind die ungefiederten 300 Akazienarten,
die ausgedehnte Haine und Gebüsche bilden. Nach ungefährer Berechnung
machen Akazien und Gummibäume die Hälfte der ganzen Vegetation Australiens
aus. Beide Baumarten bilden einen wesentlichen Verbrauchs- und Ausfuhrartikel
Ann. d, Hydr, usw. 1912, Heft II. i
            
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