152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
sichteten wir in WSW in einer Entfernung von 2 Sm einen dunklen, scharf-
begrenzten Streifen, den wir erst für eine Wolkenbank hielten, jedoch schließlich
zu unserer größten Enttäuschung wieder als die Insel Navassa ausmachten.
Hatten somit eine Versetzung von S 61° W, 27 Sm gehabt. Da der Wind süd-
östlich holte, blieb nichts anderes übrig, als diese Insel an der Südseite zu um-
segeln, die wir dann in einem Abstande von 2 Sm passierten. Der Wind blicb
auch noch während der Nacht aus südöstlicher Richtung, wenn auch nur flau,
erreichten aber doch noch am 1. August mittags 19.5° N-Br. und 74.0° W-Lg.,
da wir eine günstige Versetzung von N60°0 20 Sm gehabt hatten. Nachmittags
mußten gegen frischen N-Wind kreuzen; segelten bis 8% N mit B.-B.-Halsen und
wendeten dann unter Kap Foux. Am andern Morgen um 6h peilten wir Kap
Maysi-Leuchtturm in WzN, 6 Sm, Mit leichten O- und OSO-Winden setzten die
Fahrt nordwärts fort und peilten am 3. August um 2% V Inagua-Feuer in SOzO
in der Kimm verschwindend, Meine Absicht, die Mariguana-Passage zu erreichen,
mußte ich wegen des abflauenden Windes und wegen einer starken westlichen
Stromversetzung aufgeben; wir steuerten daher am Abend des 3. August nach
der Crooked Island-Passage. Am 4. August 61/,h V passierten wir Castle Island-
Leuchtturm, und um 2'/,k* N Bird Rock-Leuchtturm, hatten somit die Crooked
Island-Passage hinter uns. Während der Nacht hatten wir flauen östlichen Wind,
der gegen Tagwerden auf SO holte und auffrischte; damit wurde dann die Fahrt
bei dem Winde fortgesetzt.
Nach dem »Segelhandbuch für den Atlantischen Ozean« schneiden die von
der Crooked Island-Passage kommenden Schiffe 30° N-Br. in etwa 65° W-Lg.
»Bolivar« konnte mit der herrschenden Windrichtung gut NO-Kurs halten, somit
auch diesen Schnittpunkt erreichen. Es wurden täglich 100 bis 120 Sm zurück-
gelegt. Bei Annäherung an 30° N-Br. flaute der Wind ab, zuweilen wurde es
ganz still, so daß wir diesen Breitengrad erst am 13. August passierten, nach
einer Reise von 9 Tagen von der Crooked Island-Passage. Auf 30° N-Br. frischte
der Wind wieder auf. Am 14, August passierten wir am 29. Tage unserer Reise
von San Carlos die Bermuda-Inselin. Von hier erzielten mit vorherrschend süd-
westlichen Winden besseren Fortgang, so daß wir schon am 20. August 40.7° N-Br.
in 54.8° W-Lg. überschreiten konnten. Winde aus N bis SW brachten uns am
24, August nach 43° N-Br. und 47° W-Lg., wo der Wind in einer Böe auf NW
sprang und aus dieser Richtung bei hohem Barometerstand von 774 mm mehrere
Tage wehte, bis er auf 26° W-Lg. nach SW holte und auffrischte, so daß wir
wieder guten Fortgang machen konnten. Am 1. September, als sich das Schiff
in 49.7° N-Br. und 14.8° W-Lg. befand, holte der Wind mehr südlich und flaute
ab. Gegen Abend kam der Wind aus einer leichten Regenböe aus NW durch,
drehte allmählich nach NO, hielt sich am nächsten Tage noch in dieser Richtung,
laute aber ganz ab. Nach weiteren vier Tagen mit leichten Winden aus NO
bis SO wurde am 5. September, dem 51. Tage der Reise, die Länge der Scilly-
Insel in 494° N-Br. überschritten.
Allgemeine Verhältnisse
der Häfen und an den Küsten des Staates Victoria (Australien).
(Amtlich,)
Der Staat Victoria, im Südosten Australiens gelegen, bildet mit nur
227 610 qkm den kleinsten, mit seinen 1271445 Einwohnern (1908) aber im
Verhältnis zur Größe den volkreichsten der australischen Bundesstaaten, Die
westlichste Grenze gegen Süd-Australien verläuft etwa 10’ westlich vom 141. öst-
lichen Längengrad und parallel dazu. Die Grenze beginnt bei dem 46 m hohen
Berge Ruskin am rechten Ufer der Mündung des Clenely-Flusses in der Discovery-
Bucht und endigt an dem Murray-Fluß beim Limbra-See. Die nördliche Grenze
wird durch den Murray-Fluß gebildet, und sie setzt sich von der Quelle am