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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Schepp, F.: Reise des deutschen Dreimastschuners »Bolivar« von Hamburg nach Santos usw. 151 
Am 18. Juli.3b N ging »Bolivar« von Maracaibo ab.. Nachdem wir bis 
zur Dunkelheit gekreuzt hatten, ankerten wir denselben Abend an der Ostseite 
der Lagune. Den andern Morgen um 4b setzten wir die Fahrt nordwärts fort; 
wir mußten‘ aber wegen harten NO-Windes um 2hN wieder ankern. Der Strom 
setzte von 10% V nördlich. Der Kanal, vielmehr eine Fahrrinne in der Lagune, 
ist nur 4 bis 5 Schiffslängen breit und durch in den Grund gesteckte Zweige 
von. Kokospalmen etwas markiert. Da man gezwungen. ist, alle paar Minuten 
zu wenden, würde man ohne den günstigen Strom nicht hindurchkommen. . Die 
Schiffe kommen sehr häufig an Grund, tragen aber weiter. keinen Schaden davon, 
da der Grund aus Sand besteht, Auch »Bolivar« saß einmal fest, wurde aber 
nach einigen Segelmanövern gleich wieder flott. 
Am 15. Juli 10% V gingen wir. wieder unter Segel und erreichten noch 
denselben Tag um 2!/,»* N San Carlos. Die Fahrtdauer von 2 Tagen ist noch 
als eine recht gute zu bezeichnen, denn mitunter gebrauchen Schiffe bis dahin 
5 bis 6 Tage. Bei San Carlos mußten wir ankern, da die Segelerlaubnis von 
Maracaibo dem Kommandanten des Forts überreicht werden muß. Auch schon 
eingehend muß der Kapitän ans Land, um den Gesundheitspaß vom Komman- 
danten visieren zu lassen. - 
Bei San Carlos mußten wir 2 Tage auf einen Lotsen warten, weil der 
Lotsenkutter nach Maracaibo hinaufgegangen war, um Lotsen zu holen. Deshalb 
erscheint es auch sehr zweifelhaft, daß man eingehend immer gleich einen Lotsen 
bekommen kann. Ausgehend verlassen die Lotsen nach Passieren der Barre das 
Schiff, sie müssen mit dem Schiffsboot nach ihrem Kutter abgesetzt werden. 
Um von San Carlos in See zu gehen, geht man morgens etwa um 7% unter 
Segel. . Nach Passieren der Barre, was ebenfalls unter Assistenz von zwei Lotsen 
geschieht, segele man mit St.-B.-Halsen beim Winde, bis etwa 2b N: Um diese 
Zeit holt der Wind gewöhnlich nördlicher, so daß man über dem anderen Bug 
etwa OSO anliegen kann. Abends hat man wieder zu wenden. Die Westseite 
der Bucht ist von hohem Land eingeschlossen und der Grund fällt unter Wasser 
auch ziemlich ab, so daß man bei 10 Faden Wassertiefe nur 2 bis 3 Sm von 
der Küste entfernt. ist. Die SSO- und O-Seite ist ziemlich flach nnd die Wasser- 
tiefen nehmen nur ganz allmählich zu. Nachts hat man häufig stürmischen 
NO-Wind. »Bolivar« gebrauchte 6 Tage, um aus dem Golf von Venezuela heraus- 
zukommen, da die meiste Zeit gegen harte NO-Winde zu kämpfen war. 
Ich hatte mich entschlossen, rückkehrend die Mona-Passage zu benutzen. 
Nach Passieren der Monkis-Klippen steuerte ich demnach bei dem Winde nord- 
wärts, um die Südküste Haitis zu erreichen, In dem Segelhandbuch für den 
Nordatlantischen Ozean wird empfohlen, falls die Südküste Haitis. östlich von 
Punta Nissao angeholt werden kann, die Mona-Passage zu benutzen, andernfalls 
nach der Windward-Passage abzuhalten; ferner, daß das Aufkreuzen am besten 
unter Haiti geschehen würde, Demnach hätte ich wohl besser getan, gleich nach 
der Windward-Passage zu steuern. Weil aber der Passat aus raumer östlicher 
Richtung wehte, glaubte ich, mit Leichtigkeit aufkreuzen zu können, jedoch ergab 
sich beim Aufmachen des ersten Etmals eine Besteckversetzung von S 74° W, 
36 Sm. Da dieses Etmal im stärksten westwärts setzenden Stromgebiet zurück- 
gelegt worden war, nahm ich an, weiter nördlich bessere Verhältnisse anzu- 
treffen. Wir hatten das folgende Etmal auch nur eine Versetzung von N 60° W, 
10 Sm, jedoch den nächsten Tag bereits wieder S 28° W, 42 Sm, das Schiff hatte 
über. dem einen.Bug SO bis SOzS, und über dem’ anderen Bug N-NzO angelegen. 
Da ich nun durchaus kein Fortkommen sah, hielt ich am 27. Juli auf 16.9° N-Br. 
und 70,8° W-Lg.' nach der Windward-Passage ab. Den 29. Juli passierten wir 
Kap. Tiburan, wo. es fast windstille wurde, Hier trieb das Schiff beinahe 
2 Wachen in Sicht der Insel Navassa, bis nachmittags desselben Tages südöst- 
liche Brise durchkam. Der Wind holte auf der Abendwache nordwestlich, mit 
dem wir weiter nordwärts segelten. Auf der Mittelwache ging der Wind nörd- 
lich. Um eine zu dichte Annäherung an die SW-Küste von Haiti zu verhüten, 
legten wir das Schiff auf den andern Bug und hielten mit Tagesanbruch wieder 
auf die Küste zu. Inzwischen war der Wind abgeflaut.. Am 30, Juli um 4b V
	        
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