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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
Wind aus SO durch und frischte allmählich auf. Beim Feuerschiff »Weser«
wurde der Schlepper losgeworfen. Der Wind entwickelte sich zur lebhaften Brise,
so daß wir bereits am 27. November 3% V Dover passierten. Im Kanal drehte
der Wind südwestlich und wuchs, als »Bolivar« sich auf der Höhe der Insel
Wight befand, bei stark fallendem Barometer zum Sturm an, so daß mit kleinen
Segeln beigedreht werden mußte. Mittags des 28. November nahm der Wind ab
und holte durch N nach NO. Aus dieser Richtung frischte er wieder auf,
»Bolivar« durchlief in rascher Fahrt den westlichen Teil des Englischen Kanals
und passierte am 30, November 8% V Lizard, nach einer Reise von 5'/, Tagen
von Hamburg.
Am 83. Dezember, als »Bolivar« sich bereits auf 44,3° N-Br. und 13.3° W-Lg.
befand, setzte eine bis zum 17. Dezember anhaltende Sturmperiode ein. Während
dieser Zeit wehte der Wind größtenteils aus WSW mit Stärken von 9 bis 11,
drehte nie weiter als bis WNW, um nach einigen Stunden wieder aufs neue aus
WSW mit orkanartiger Stärke einzusetzen, Am 17. Dezember, als sich das Schiff
auf 48.3° N-Br. und 9.6° W-Lg. befand, besserte sich das Wetter bei einer Wind-
änderung nach N. In den verflossenen 14 Tagen war das Schiff durch die
schweren westlichen Winde etwa 4° nach Osten versetzt. Der Wind drehte am
18. Dezember bei hohem Barometerstand von 780 mm wieder zurück nach WSW,
hielt sich auch noch am nächsten Tag so, und ging am 20. Dezember abermals
durch W nach N, um schließlich eine nordöstliche Richtung anzunehmen. Mit
diesem Winde wurde dann die Fahrt südwestwärts fortgesetzt. Am 22. Dezember
setzte abends auf 40.4° N-Br. und 16.9° W-Lg. eine harte Böe aus raumer, nord-
östlicher Richtung ein, wobei das Großsegel überging. Durch diesen harten
Schlag brach erst die Stänge, sodann beim abermaligen Zurückschlagen des
Segels der Großmast, auch die Besansstänge und Vorobermarsrah wurden mit
von oben gerissen. Die ganze Nacht ließen wir das Schiff glatt vor dem Winde
laufen, um die gebrochene Takelung kappen und vom Schiff klaren zu können,
Da das Schiff durch diesen Unfall seeuntüchtig geworden war, beschlossen wir,
einen Nothafen anzulaufen, Wegen der herrschenden Windrichtung war es un-
möglich, einen nordeuropäischen Hafen zu erreichen. Als den für uns am
günstigsten liegenden Hafen wählten wir Ponta Delgada. Setzten demgemäß
unsern Kurs auf San Miguel, Am 25. Dezember 6% V ankerten wir auf der
Reede von Ponta Delgada. Andern Tages holten wir das Schiff in den Hafen.
Es stellte sich heraus, daß die erforderlichen Neuanschaffungen und Repa-
raturen daselbst nicht ausgeführt werden konnten, weil das dazugehörige Material
nicht am Platze vorhanden war; daher wurden denn der Großmast wie Take-
lung und Zubehör von Hamburg geschickt; nur die kleineren Schmiede- und
Zimmerarbeiten wurden dort gemacht. Ein Takler befand sich am Orte,
Am 21. Februar waren die Arbeiten fertiggestellt; die Reise nach Santos
wurde am 22. Februar fortgesetzt.
Wir trafen am Anfang der Reise flauen südlichen Wind an, der bei hohem
Barometerstand zwischen SO und SW schwankte. Acht Tage waren erforderlich,
um von Ponta Delgada nach 30° N-Br. zu kommen. Hier drehte der Wind durch
Osten und ging in den Passat über. Dieser wehte ziemlich frisch und brachte
das östlich von den Kap-Verden steuernde Schiff am 15. März nach 21 tägiger
Reise von den Azoren nach der Linie, die in 26.1° W-Lg. überschritten wurde.
Nach einem Tage Aufenthalt durch Windstille kam auf 1° S-Br. der SO-Passat
durch, der jedoch während der ganzen Zeit nur flau war, so daß der Gewinn
im Nord-Atlantischen Ozean hier wieder vollständig verloren ging. Auf 17° S-Br.
holte der Wind nordöstlich und auf 22° S-Br. mehr nördlich. Der Wind drehte
alsdann rasch durch W nach S und flaute ab; kam aus SO wieder durch und
nahm bis zur Stärke 6 bis 7 zu.
Mit leichten südlichen Winden liefen wir nach zwei Tagen am 5. April
nachmittags die Insel San Sebastian in Sicht. Am 6. April 3h V sichteten wir
das Feuer der Klippe Lage de Santos, hatten somit eine starke südliche Ver-
setzung gehabt. Um 9% V konnten wir den Leuchtturm von Moella ausmachen.
Wir steuerten mit ONO-Winden darauf zu und liefen mittags um 1b in die