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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912.
Erdmagnetische Vermessung des Indischen Ozeans durch die ameri-
kanische Yacht „Carnegie“.
(Hierzu Tafel 9.)
Im Septemberheft 1911 der Zeitschrift »Terr. Magnet. and Atm. Electr.«
wird von L. A. Bauer und W. J. Peters ein kurzer Bericht über die Ergebnisse
yebracht, zu demen die magnetischen Beobachtungen des Vermessungsschiffes
‚Carnegie« im Indischen Ozean während des Sommers 1911 geführt haben.
Es handelt sich hierbei um die Fortführung der von dem Carnegie-Institut
in Angriff genommenen systematischen Erforschung der magnetischen Verhältnisse
aller Meere, soweit sie für die Schiffahrt in Betracht kommen. Die Ausführung
dieses Unternehmens, die ungefähr 12 Jahre beanspruchen wird, ist im Jahre 1905
mit dem Vermessungsschiff »Galilee« im Stillen Ozean begonnen worden, Die
Ergebnisse der in den Jahren 1905 bis 1908 in diesem Ozean unternommenen
Fahrten sind bereits bei dem Entwurf der von der Deutschen Seewarte bearbeiteten
und von dem Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Weltkarte mit den Linien
gleicher Mißweisung für 1910 verwertet worden. An zweiter Stelle kam dann der
Atlantische Ozean an die Reihe, dessen Vermessung durch das Spezialschiff
‚Carnegie« in den Jahren 1909 und 1910 ausgeführt worden ist. Die auf dem
Schiff »Galilee« gemachten Erfahrungen hatten den Bau eines neuen Schiffes ver-
anlaßt, das sich, wie sich bald herausstellte, sowohl in seiner Bauart als auch in
seiner instrumentellen Ausrüstung gut bewährte. Die in dem Atlantischen Ozean
erhaltenen Resultate konnten für die oben erwähnte Weltkarte für 1910 nicht
mehr verwertet werden, dagegen sind sie bei dem neuen Entwurf der Linien
gleicher Mißweisung auf den von der Deutschen Seewarte herausgegebenen
>»Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean« und auf den beiden deutschen
Admiralitätskarten Nr. 384 und 385 benutzt worden.
Der bereits oben erwähnte neueste Bericht bringt nun in aller Kürze die
vorläufigen Ergebnisse der ersten Reise des Schiffes »Carnegie« im Indischen
Ozean. Ende April 1911 von Kapstadt ausgehend, segelte das Schiff mit öst-
lichen Kursen bis in die Gegend der Inseln Neu-Amsterdam und St. Paul und
dann zwischen dem 75. und dem 78. Längengrade nordwärts nach Colombo.
Von hier aus ging nach längerem Aufenthalt die Fahrt in einem großen nach
Südosten gerichteten Bogen weiter nach Mauritius, wo das Schiff am 5. August
wohlbehalten eintraf. Der unmittelbar nach der Ankunft abgesandte Bericht
enthält nur die Ergebnisse der Mißweisungsbestimmungen, die ja allerdings für
die Schiffahrt in erster Linie in Betracht kommen. Im ganzen ist es gelungen,
während der Reise 73 Mißweisungsbeobachtungen auszuführen, die, abgesehen
von dem ersten Teile der Fahrt, ziemlich regelmäßig auf den Reiseweg verteilt
sind. Die erhaltenen Resultate sind in dem Bericht in zwei Tabellen zusammen-
gestellt, die zugleich auch die entsprechenden Werte der neuesten deutschen,
englischen und amerikanischen Karten enthalten, Aus dieser Zusammenstellung
geht hervor, daß alle drei Karten fast auf dem ganzen Reisewege die Mißweisung
mehr oder weniger zu klein angeben; nur in dem ersten Teile der Fahrt östlich
von Kapstadt sind die Kartenwerte größer als die jetzt gefundenen Werte. In
Anbetracht des bisher vorhandenen äußerst spärlichen Beobachtungsmaterials
und der gänzlichen Unkenntnis der jährlichen Änderung ist es keineswegs ver-
wunderlich, daß die Fehler der Karten bis zu 4°, in einem Falle sogar bis zu 6°
hinaufgehen, zumal da die Isogonen ziemlich dicht nebeneinander verlaufen und
sich die Mißweisung mit der Breite rasch ändert,
Die Ergebnisse der bisherigen Beobachtungen weisen darauf hin, daß die
Isogonen in dem ganzen mittleren Teile des Indischen Ozeans gegenüber dem
bisher angenommenen Verlauf durchweg nach Norden verschoben werden müssen.
Weitere Folgerungen versucht L. A, Bauer bezüglich der Größe der jähr-
lichen Änderung zu ziehen, indem er seine Resultate mit den von der Deutschen
Südpolarexpedition 1902 und 1903 an benachbarten Punkten erhaltenen Werten
vergleicht, Dieser Vergleich wird in drei verschiedenen Gegenden durchgeführt
und ergibt südöstlich von Kapstadt (37° S-Br. und 26° O-Lg.) eine Abnahme der