Petersen, J.: Hydrographie und Meteorologie Finnlands und der benachbarten Meere usw. 145
Stromschnellen. Das Innere des Landes steht in lebhaftem Gegensatz zu den
Küstenregionen, besonders infolge. der: zahlreichen‘ Seen. Es gibt kaum eine
zweite Gegend mit einem so verwickelten und, wie man sagt, inkonsequenten
Flußnetz wie das Innere Finnlands. Die Wasserscheiden sind häufig unbestimmt,
Seen, die früher nach einer Richtung entwässert wurden, haben heute mehrere
Abflüsse oder Abflüsse nach entgegengesetzter Richtung (ein Zeichen für das
geringe Alter dieses Landes). Auch Bifurkationen der Flüsse sind häufig.
Unter den Arbeiten, die zur Anpassung der Flußläufe an die verschiedenen
Bedürfnisse des Landes ausgeführt sind, sind besonders die Ablassung der Seen
und die Regulierung der Flüsse zu nennen. Im letzten Jahrhundert sind die
Ablassung des Päijänne (1825 bis 1837 um 1.19 m), des Puulavesi (1831 bis 1852
um 1.78 m) und des Vanajavesi (1857 bis 1862 um 1.48 m) zu erwähnen. Die oft
ungünstigen Ergebnisse dieser Unternehmungen, wie schlechte Beschaffenheit des
gewonnenen Bodens, häufigere Überschwemmungen und andere Unzuträglichkeiten
für das flußabwärts gelegene Terrain, lassen ihren Nutzen doch in Frage stellen.
Von seiten des Staates werden darum nur noch selten Mittel für diese Zwecke
gewährt. Zur Hauptsache nimmt die Flußregulierung heute das Interesse des
Staates in Anspruch, In dem Maße wie die Wälder verschwinden, die Seen ab-
gelassen und die Sümpfe und Moore, die sonst eine große Menge der Nieder-
schläge absorbierten, ausgetrocknet werden, nimmt die Überschwemmungsgefahr
zu, der man nur durch Ausbaggerung der Flußbetten entgegentreten kann, Für
die Regulierung des Kalajoki von 1903 bis 1910 wurden 1 775 000 finnische Mark
ausgegeben (1 finnische Mark = 1 franz. Frank). Die Kosten für die seit 1910
begonnene Regulierung des Lapuanjoki schätzt man auf 4 400 000 finnische Mark.
Hand in Hand mit den Maßnahmen zur Fortschaffung des überflüssigen Wassers
durch Ablassen der Seen und Ausbaggern der Flußbetten gehen die Arbeiten
zur Schiffbarmachung der Wasserwege. Dahin gehören: die Ausbaggerungen von
Schiffahrtskanälen in den Seen, Anlage neuer Verbindungen zwischen den Seen,
Anlage von Schleusen vor den Stromschnellen, Fortschaffung größerer Steine
aus den Stromschnellen, Anlagen von Floßrinnen usw. Die Verbesserung der
Verkehrswege hat zur Folge, daß der Verkehr mit Ruderbooten heute nur noch
im Norden größeren Umfang hat, wo die Bootskanäle oft die einzigen Verkehrs-
wege sind.
Die Flößerei spielt für die Ausnutzung des Waldreichtums eine bedeutende
Rolle. Die meisten Wasserwege sind ohne weiteres dazu geeignet. Dennoch sind
eine Reihe von Arbeiten zur Erleichterung der Flößerei ausgeführt, teilweise auf
Staatskosten, teilweise auf Kosten industrieller Vereinigungen. Die Hebemaschinen
für die Stämme vom Näsijärvi in den Pykäjärvi (bei Tammerfors) und ähnliche
Anlagen an der Saima, sowie der Floßkanal zwischen dem Uleä-See und dem
Siikajoki sind hier zu nennen. Es werden jährlich rund 20 Millionen Stämme
befördert.
In bezug auf die Dampferkanäle begnügen wir uns mit der Angabe, daß
die zur Verbindung der Seen untereinander und mit dem Meere aufgewandten
Kosten 28 Millionen finnische Mark betragen. Eine Vorstellung von der Größe
des Flußhandels geben die Zahlen über den Transport auf den Wasserwegen. In
den Dampferkanälen betrug 1906 der Transport 1.54 Millionen Tonnen, auf der
Eisenbahn 83.08 Millionen Tonnen. Im Winter bilden die zugefrorenen Seen und
Flüsse vorzügliche Verkehrswege.