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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

144 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912. 
lich tritt der Einfluß des Meeres und der Seen zutage. Die Zahl der Gewitter- 
tage nimmt von Süden nach Norden ab. Um je einen Grad Breitenzunahme 
nimmt die Zahl der Gewittertage um einen Tag ab (von 11 auf 5 Tage). An 
der Südküste Finnlands (in 60° bis 61° N-Br.) ist jedoch nicht die größte Anzahl 
der Gewittertage beobachtet, sondern erst in einiger Entfernung von der Küste 
{in 61° bis 63° N-Br.). Die Zunahme der Zahl der Gewittertage von Westen 
nach Osten (von 7 auf 11 Tage) läßt den begünstigenden Einfluß des Bottnischen 
Meerbusens erkennen; ebenso weist die geringere Zahl an der Südküste auf den 
Einfluß des Finnischen Golfes hin. Man sieht also die Gewitter sich über dem 
Kontinent häufiger entladen als über den Meeren. Auch die großen Seen Päijänne 
and Pielisjärvi und die Ladoga zeichnen sich durch geringere Gewitterhäufigkeit 
aus, Auffällig ist es, daß diese über den langgestreckten und insellosen Seen 
beobachtete Begünstigung über dem eigentlichen Seenplateau, über dem Saima, 
Näsijärvi und dem Lojosee, die alle von zahlreichen Inseln und Halbinseln erfüllt 
sind, nicht eintritt. Hier ist gerade das Gebiet der größten Gewitterhäufigkeit, 
Wenn man dem Einfluß des Päijänne und der Ladoga auf die Sommertemperaturen 
nachgeht, ergibt sich auch hier eine deutliche Einwirkung. Die 16° Isotherme 
des Juli zeigt gerade über diesen beiden Seen Einbuchtungen nach Süden. Es 
ergibt sich überhaupt, daß die an Gewittern ärmeren Gegenden Kälteeinbuchtungen 
in den Juliisothermen aufweisen, Ferner umschließt die 16° Isotherme des Juli 
ungefähr das Gebiet größter Gewitterhäufigkeit. Die Gewitter Finnlands sind 
also Wärmegewitter. Durch barometrische Depressionen verursachte Gewitter 
treten nur selten und dann zu Beginn des Frühjahrs oder Ende des Herbstes 
auf, Als Wärmegewitter ist dieses Phänomen auch aus seinem täglichen und 
jährlichen Gang erkenntlich, Vom Januar bis Mai geschehen die meisten Ent- 
ladungen zwischen 3h und 4% Nm. Im Sommer (Juni bis August) ist dieses Maxi- 
mum zwischen 1% und 2b Nm, beobachtet. Nur vom September bis Dezember sind 
die Entladungen über alle Stunden des Tages gleichmäßig verteilt infolge der in 
dieser. Jahreszeit auftretenden Depressionsgewitter, die von dem täglichen Tem- 
peraturgang unabhängig sind, Die Wärmegewitter des Sommers schließen sich 
dagegen eng an den täglichen Temperaturgang an. In bezug auf den jährlichen 
Gang mag die Angabe genügen, daß die weitaus größte Zahl der Gewitter im 
Juni, Juli und August auftritt. 
III. Hydrographie. 
Im Jahre 1889 veröffentlichte die »Direktion der Brücken und Land- 
straßen« in der »Liste und Beschreibung der wichtigeren Wasserläufe Finn- 
lands usw.« das erste hydrographische Werk. Seit dieser Zeit sind besonders 
im Interesse der Industrie Untersuchungen über die Wasserwege und Wasser- 
kräfte ausgeführt. Von 1897 bis 1906 wurde die hydrometrische Aufnahme der 
hauptsächlichsten Wasserläufe Vuoksi, Kyminjoki, Kumo und ihrer Nebenflüsse 
vorgenommen. Seit 1907 ist das »Hydrographische Bureau« unter der oben- 
genannten Direktion Ausgangspunkt der die Hydrographie Finnlands betreffenden 
Arbeiten. Die obengenannte Liste der bedeutenderen FluBßläufe usw., hydro- 
graphische Angaben über 1442 Wasserläufe enthaltend, bildet einen Anhang des 
Kapitels Hydrographie, 
Die Verteilung des Oberflächenwassers in Finnland ist durch die hypso- 
metrischen und geologischen Verhältnisse bedingt. Die Unebenheiten des im 
Inneren des Landes zutage tretenden Urgesteins und das hier angesammelte 
Moränenmaterial sind Ursache der zahlreichen Seen Finnlands, Gegen Ende der 
Eiszeit und in der nachfolgenden Periode war das Land im großen Teil vom 
Meere überflutet, dessen Ablagerungen jetzt besonders in den Küstengebieten zu 
finden sind. In diesen Regionen mit verhältnismäßig ebener Oberfläche sehen 
wir die Flüsse nur selten von Seen unterbrochen und dann mit der Regenmenge 
anschwellen und abnehmen. An Stellen, wo dennoch der Felsen durch die dünne 
Oberflächenschicht hindurch zutage tritt, bildet dieser in den Flüssen zahlreiche
	        
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