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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage? 
nach 24 Stunden unten. wie in der Höhe in der Mehrzahl der Fälle höher, nach 
einem Rechtsdrehen aber niedriger gewesen. Wie weit dieses der Exnerschen 
Regel widersprechende Verhalten nur auf Zufälligkeiten der kurzen: Beob- 
achtungsreihe zurückzuführen sein sollte oder aber anderseits durch die bei der 
Vorzeichenaufeinanderfolge der interdiurnen Änderungen bestehenden Gesetz- 
mäßigkeiten (vgl.. Tabelle II) zu erklären ist, bedarf weiterer Untersuchung, Auf 
jeden Fall hätte eine Verwertung der Lindenberger aerologischen Beobachtungen 
für die Wettervorhersage mittels der Exnerschen Regel von Mai bis September 
1910 Vorteile kaum zu bieten vermocht. ; 
Tabelle IL 
Aufeinanderfolge der Vorzeichen der 24stündigen Änderungen, 
Folgt in den nächsten 24 Stunden in %, der Fälle 
At 
von 500 m aufwärts 
= T” übrige 
At 
A: 
48 | 39 | 13 u | 4 | a | 53 | 6 | © 
| 1 as 59 48 37 15 48 | 35 | 8 | 10 
Nach den benutzten Aufstiegen in Lindenberg ist dort ein Rechtsdrehen (+-) 
nach oben erheblich häufiger als ein Rückdrehen (—) beobachtet worden, wie dies 
die Tabelle IH zeigt, in der die Drehung bis 500 m von der letzteren gesondert 
erscheint und ein Nebeneinander von Vorzeichen die nach oben hin beobachtete 
Aufeinanderfolge verschiedener Drehungen, z. B. — + zunächst Links- und 
darüber Rechtsdrehen, bedeutet. ; 
Tabelle IH. 
Drehung der Winde oberhalb Lindenberg Mai bis September 1910. 
Drehung der Winde von 500 m aufwärts 
Drehung 
von. 0 bis 
5300 m 
Anzahl 
D/. 
| 23 | U 
14 36 27 | 3 
 % | u | 47 9 21 
D 7 ' 
= 15 49 | — 
n — © 29 | 10 
66 
/ U , 
Anzahl | | | - 
| 246 1 u 
15 | ) 
% | 
im vanzen 
Lö 
65 
19 
Die Aufstiege endigten somit in 45 Fällen mit Linksdrehen gegenüber 
74 Fällen mit Rechtsdrehen, oder in Prozenten in 38 %, gegen 62%, der Fälle. 
Aus diesem Verhalten dürfte. a priori zu entnehmen sein, daß die Exnersche 
Regel keineswegs allgemein: gelten kann, da die entgegengesetzten Änderungen 
des Luftdrucks wie auch der Temperatur gleich häufig sind. Die Regel dürfte 
sich wesentlich auf jene Fälle beschränken, wo die vereinfachenden Annahmen 
der. Rechnung, wie auch die oben angeführte anderweitige Begründung der Regel 
mit den bestehenden Verhältnissen in Einklang stehen und damit auch der 
Exnersche Satz: »die Winde in der Höhe sind durch die Temperaturverteilung 
bestimmt« zu Recht besteht. 
Eine andere, auf die Drehung der Winde mit wachsender Höhe gegründete 
Regel hat Eörnstein!) aufgestellt. und folgendermaßen begründet: »Wo ein 
Druckzentrum (hoch oder tief) sich bewegt, erzeugt es auf der rechten Seite 
1) Börnstein: Die Förderung der Wettervorhersage durch das Beobachten kleiner Luft- 
nallans. »Das Wetter«. 25. Jahre. 1908.
	        
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