Petersen, J.:. Hydrographie und Meteorologie Finnlands und der benachbarten Meere usw. 141
des Fischfangs nicht zurückreicht zu den‘ Jahren 1899 und 1900, in denen
Temperatur und Salzgehalt ganz extreme Werte annehmen. Man glaubt, Grund
zu der. Annahme zu haben, daß der Ertrag an Sprotten in diesen Jahren nicht
mit den Erwartungen übereintrifft.
II. Meteorologie.
Die Beobachtung meteorologischer Daten reicht zurück bis zur Gründung
der Finnischen Universität (1640), die bis gegen Ende des XVIIL Jahrhunderts
das Zentralinstitut für Meteorologie war, Dann übernahm die »Finnländische
Ökonomische Gesellschaft zu Äbo« diese Stellung und veröffentlichte auch An-
gaben über Temperatur, Luftdruck, Winde und Niederschläge. Mit der Gründung
der »Wissenschaftlichen Gesellschaft« (1838) beginnt eine neue Epoche. Zunächst
wurde ein eigenes Observatorium für Magnetismus und Meteorologie in Helsingfors
errichtet (jetzt das »Meteorologische Zentralinstitut«). Im Jahre 1865 hatte die
Gesellschaft schon 19 gut organisierte Beobachtungsstationen, 1870 waren bereits
25 Stationen in Tätigkeit, Nachdem nun auch die Feuerschiffe zu meteorologi-
schen Beobachtungen ausgerüstet sind, verfügt Finnland heute über 42 voll-
ständige Beobachtungsstationen, außerdem über 18, die nur Temperatur und
Niederschlag registrieren, und über etwa 100 Gewitterbeobachtungsstationen.
Mehr als 500 freiwillige Mitarbeiter berichten ferner über Schnee, Eis und Ge-
witter, Eine in diesem Jahre in Tätigkeit tretende Drachenstation in Fredriks-
berg wird Beobachtungen aus höheren Luftschichten liefern.
Klima. Im Sommer ist die Erwärmung durch Sonnenstrahlung wegen der
Länge der Tage ‘sehr beträchtlich, im Juni sogar größer als am Aquator, im
Winter dagegen nur 5%, davon. Von entscheidenderem Einfluß auf das Klima
ist der Wärmeverlust durch Ausstrahlung. Indessen mildern verschiedene Um-
stände den ungünstigen Einfluß der nördlichen Lage Finnlands. Die günstige
Verteilung von Wasser und Land bewirkt eine Hinneigung zum Seeklima, und
die Luft- und Meeresströmungen führen eine bedeutende Menge von Wärme und
Feuchtigkeit herbei. Infolge der Kondensation der Luftfeuchtigkeit wird eine
weitere Wärmemenge wirksam. Die Nähe des Meeres bewirkt ferner ein häufiges
Auftreten barometrischer Minima über Finnland, die ebenfalls feuchtes Wetter
bringen. So kann sich besonders im Winter eine fast den ganzen Himmel be-
deckende Bewölkung bilden als schützende Decke gegen den beträchtlichen Wärme-
verlust durch Ausstrahlung. Die relative Feuchtigkeit beträgt im Durchschnitt
80 9, im Sommer etwas weniger, im Winter etwas mehr, Zur Kondensation in
Form von Wolken und Niederschlägen gelangt diese Feuchtigkeit durch Ab-
kühlung infolge der Berührung mit dem Erdboden oder infolge der Ausstrahlung,
ferner in aufsteigenden Luftströmen. Eine vertikale Komponente der Luft-
bewegung ist in Finnland immer vorhanden wegen der Höhenverteilung und der
häufigen barometrischen Minima, Die Bewölkung ist aus diesen Gründen stets
groß, im Mittel sind 65%, bis 70%, des Himmelsgewölbes bedeckt. Im Juni
sind die halbklaren Tage am häufigsten (meistens 55 %, Bedeckung). Besonders
über dem verhältnismäßig kalten Meere fehlen dann die Bedingungen zu auf-
steigenden Luftbewegungen. Im Winter ist der Himmel fast vollkommen. be-
deckt (78°, bis 85 °% , im Mittel). Die tägliche Sonnenscheindauer beträgt im
Sommer 7 bis 9 Stunden. Im Dezember hat man dagegen im Norden überhaupt
keinen Sonnenschein, im Süden in 3 Tagen: nur 1 Stunde. »Je weniger Sonne,
desto mehr Wolken«, ist eine ziemlich genaue Regel für Finnland. Die Nieder-
schlagsmenge nimmt dagegen nicht direkt mit der Bewölkung zu. Die jährliche
Niederschlagsmenge beträgt wenig mehr als 50 cm und scheint etwas größer als
in Schweden und Rußland zu sein. Welchen Einfluß die Nähe der Ostsee auf
das Klima hat, zeigt die Tatsache, daß mit Entfernung vom Meere das Klima
Finnlands mehr und mehr kontinentalen Charakter annimmt. Die zahlreichen
Seen, Sümpfe und Wälder haben dagegen nur geringen Einfluß,
Temperatur. Auf 14 Kärtchen sind die Monats: und Jahresisothermen und
die Jahresamplituden der Temperatur dargestellt, Die Einbuchtungen der Jahres-