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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

140 Annalen der Hydrographie und Maritinien Meteorologie, März 1912, 
Allerdings kommt dieser Einfluß erst in zweiter Linie in Betracht, denn die 
entscheidenden Faktoren in der Ausbildung des Winters sind immer der ther- 
mische Zustand des Nordatlantischen Ozeans und Nordwesteuropas sowie die 
allgemeine Luftdruckverteilung, So gilt eine Verschiebung des nordatlantischen 
Luftdruckminimums nach Süden als Vorzeichen eines ungünstigen Winters, Ein 
auffälliger Zusammenhang besteht ferner zwischen dem Zustand des Meeres und 
dem Ertrag der Fischerei, ein Kapitel, dem auch Helland-Hansen und 
Nansen ihre Aufmerksamkeit zuwandten.!) Ihre Beobachtungen im Europäischen 
Nordmeere führen zu ähnlichen Resultaten wie die hier gefundenen. Der Ertrag 
an Sprotten (Clupea sprattus) im Finnischen Golf (bei Porkkala nahe Helsing- 
fors) im Herbst der Jahre 1901 bis 1909 ist mit der Temperatur und dem 
Salzgehalt bei der nahegelegenen Station F52 im Monat August dieser Jahre 
verglichen, Die starke Linie a zeigt den Sprottenfang im Herbst zu Porkkala, 
die schwache Linie b die Temperatur im August in 20 m Tiefe in Station F 52, 
Der Salzgehalt zur selben Zeit ist durch die punktierte Linie c angegeben. 
1899 1900 01 
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Fig. 3. 
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In den Jahren reichen Ertrages 1901 und 1902 ist die Temperatur beide 
Male niedrig, der Salzgehalt hoch. Im Jahre 1905 ist bei ebenfalls gutem Ertrag 
der Salzgehalt zwar geringer, aber die Temperatur niedrig wie 1901. 1909 ist 
für die Fischerei ein sehr schlechtes Jahr, die Temperatur ist hoch, der Salz- 
gehalt schwach. Die Anwesenheit von Sprotten scheint also an kaltes, salzreiches 
Wasser gebunden zu sein, und es scheint, daß in den Zeiten reicher Fischbeute 
die salzhaltige, kältere Tiefenschicht nahe an die Oberfläche kommt. Auch die 
Winde und Strömungen mögen da mitspielen, indem sie das warme Oberflächen- 
wasser gegen die russische oder gegen die finnische Küste treiben und an der 
gegenüberliegenden Küste dann Auftrieb von kälterem Tiefenwasser hervorrufen. 
Für diese Erklärung spricht die Erfahrung, daß guter Fang an der finnischen 
Küste mit schlechtem an der russischen Küste zusammentrifft und umgekehrt. 
Indessen ist die Frage noch nicht gelöst. Die Temperaturbeobachtungen zu 
Porkkala zeigen zeitweise wiederum keinen Unterschied bei guten und schlechten 
Fängen. Ferner ist das die Nahrung der Sprotten bildende animalische Plankton 
nur an der Oberfläche zu finden. Es ist nur zu bedauern, daß die Beobachtung 
1) Vgl. das Referat von Dr. W. Brennecke: »Die Ergebnisse der Untersuchungen im Euro- 
päischen Nordmeere, veröffentlicht von Helland-Hansen und Nansen.« »Ann, d. Hydr. usw.«, 1910.
	        
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