Petersen, J.: Hydrographie und Meteorologie Finnlands und der benachbarten Meere usw. 137
vember über dem Skagerrak herrschenden Südostwinde verstärken den. aus der
Ostsee austretenden Strom und verringern so das Volumen des ÖOstseewassers,
Die Südwest- und westlichen Winde der übrigen Monate bewirken das Gegenteil.
Mit Beginn des Sommers trägt dann auch die verstärkte Süßwasserzufuhr zu der
Niveauerhöhung bei. Die Luftdruckverteilung hat also durch die Bestimmung
der Richtung und Stärke der Winde ursächlichen Einfluß auf die Niveau-
änderungen. Ein Luftdruckminimum über Skandinavien läßt eine Erhöhung des
Niveaus der Ostsee erwarten, wogegen eine Erniedrigung bei einem Luftdruck-
minimum über Schottland eintreten wird. Während starker Stürme "können
natürlich bedeutende Abweichungen im Wasserstand vorkommen.‘ Im”Innern
des Finnischen Golfes treten im Jahrhundert 2 bis 3 hohe Fluten von‘ 4m über
dem Normalstand auf,
Auf 2 Kartogrammen ist dann noch die Niveauänderung von einem Tag
zum anderen dargestellt. Im Sommer ist diese geringer als im Winter, am
kleinsten im Älands-Meer (Sommer 4 cm, Winter 8 cm). Gegen das Innere der
beiden Meerbusen nimmt sie stetig zu (bis 20 cm im Winter, 10 cm im Sommer),
Die Ursachen dieser täglichen Schwankungen sind Wind und Luftdruck. Der
Einfluß des Windes ist ungefähr doppelt so groß wie der des Luftdrucks, doch
scheint sich der letztere schneller bemerkbar zu machen,
Die reine Ausbildung der Gezeiten wird gewöhnlich durch die eben be-
schriebenen größeren Niveauänderungen gestört. Nur an ganz ruhigen Tagen
mit sehr gleichmäßiger Luftdruckverteilung ist eine geringe Gezeitenbewegung
vorzunehmen. Zunächst tritt eine regelmäßige Abnahme des Gezeitenhubs von
den dänischen Gewässern bis in die Bottensee zutage, im Finnischen Golf und
in der Bottenwiek wieder eine Zunahme, In beistehender Tabelle gilt die Summe
M, + 5S, + K,; + O als Ausdruck für die Gezeitenhöhe. Der Gezeitencharakter
ergibt sich aus a Ist dieses Verhältnis größer als 2, so gilt die ganztägige
Flut als vorherrschender Typus.
Zahlen zur Größe und Natur der Gezeiten in der Ostsee.
Helgoland .
Kopenhagen
Ajedser .
Libau .
Landsort
Björn ..
Draghällan
Ratan . .
Hangö .
Reval , ..
Helsingfors
Kronstadt =.
Ort
}
Meeresteil
Nordsee
Beltsee
Ostsee
«
Bottensee
«
Bottenwiek
Finnischer Golf
IM, +S,+K-+0| O0+EX,
in cm M,+S,
99
99
77
m
etwa
etwa
3
}
6
4.
89
7
32
Nach
Börgen
Crone
Witting
In der Ostsee und der Bottensee sind halb- und ganztägige Gezeiten an-
nähernd gleich, Im Finnischen Golf und in der Bottenwiek ist dagegen der
ganztägige Gezeitentypus vorherrschend. .
Die Eisverhältnisse. Eine bemerkenswerte, die Schiffahrt hindernde Eis-
decke bildet sich im Finnischen und Bottnischen Meerbusen gewöhnlich nicht,
ausgenommen in einigen typisch skandinavischen Wintern, wo ein bedeutendes
barometrisches Maximum mit klarer, ruhiger Luft und starker Ausstrahlung
längere Zeit über Finnland lagert. Das eigentliche Schiffahrishindernis bilden
die im Frühjahr entstehenden mächtigen 'Treibeisfelder, die vom Strom und
hauptsächlich vom Winde hin- und hergetrieben werden. In der Bottenwiek
trifft man ausgedehnte Eisfelder bis in den Juli hinein, Auf 12 Kartogrammen
ist die Ausdehnung der Vereisung vom Dezember bis Juni in den Jahren 1903/04
und 1904/05 dargestellt. Im allgemeinen sieht man die finnischen Küsten vom
Ann. d. Hrdr. usw. 1912. Heft ITL