136 . Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912.
gehalt als heute, und die Beobachtungen von Edlund und Struve im Jahre 1862
ijassen denselben Schluß zu. Wenn man zwar von den dazwischen liegenden
Zeiten nichts weiß, so liegt doch die Vermutung nahe, daß während der letzten
30 bzw. 45 Jahre der Salzgehalt eine Abnahme erfahren hat. In der Temperatur
müßte sich diese Veränderung ebenfalls bemerkbar machen, denn bei stärkerem
Salzgehalt war die Anordnung der Wasserschichten ausgeprägter, und die
sommerliche Erwärmung konnte nur in geringere Tiefen dringen. Die Ober-
Aächenschichten wurden dann im Sommer stärker erwärmt, die im Herbst und
Anfang des Winters aufgespeicherte Wärmemenge war dagegen geringer. Viel-
leicht läßt sich hier ein Zusammenhang konstruieren mit der weiter unten be-
sprochenen Vermutung, daß das Klima Finnlands allmählich einen mehr maritimen
Charakter annimmt.
Sauerstoffgehalt. 2 Kartogramme zeigen den relativen Sauerstoffgehalt
(in % des Sättigungsgehaltes) in 50 m Tiefe und am Boden, Es zeigt sich in
den oberen Schichten eine deutliche jährliche Periode, Während des Sommers
stellt sich ein Gleichgewicht her zwischen dem Sauerstoffgehalt der Luft und
des Meeres, Da die Lösbarkeit des Sauerstoffs im Meerwasser mit dem Sinken
der Temperatur und des Salzgehaltes zunimmt, so wird bei der Temperatur-
abnahme im Herbst die Absorptionsfähigkeit erhöht. Doch sinkt die Temperatur
schneller, als die Absorption folgen kann. Der relative Sauerstoffgehalt beträgt
im Herbst daher nur 90 °%,. Im Früjahr nimmt die Auflösungsfähigkeit ab, das
Wasser wird dann übersättigt (etwa 110 %).
Die Luftzumischung durch die Vertikalzirkulation reicht in der Ostsee bis
über 50 m Tiefe. Im Frühjahr werden die höheren relativen Werte, im Herbst
die niedrigeren bis in diese Tiefe übertragen. Die Übersättigung im Frühjahr
ist in der Bottensee und in der Ostsee nahe Gotland bis in 50 m Tiefe be-
obachtet. Im Finnischen Golf ist in 50 m Tiefe immer ein Defizit vorhanden,
das nach dem Innern zu sich noch verstärkt, da hier die salzreiche — lange
von der Atmosphäre abgeschlossene — Tiefenschicht in ein höheres Niveau
steigt. Am Boden entlang sieht man dagegen eine stetige Zunahme von der
Ostsee aus (40 °%,, im Gotland-Tief sogar 10 %,) bis nach Kronstadt (100 °/). Das
Maximum herrscht hier im Sommer, Minimum im Winter. In der Tiefe der
nördlichen Ostsee scheint der Sauerstoffgehalt nicht zu variieren.
Niveauänderungen. Die Präzisionsnivellemente der letzten Jahrzehnte haben
die früher herrschende Ansicht von einem starken Gefälle der Ostsee nach Westen
hin stark beeinträchtigt. Das Gefälle von Kronstadt bis zu den dänischen Ge-
wässern beträgt wahrscheinlich nur 10 cm durchschnittlich. Während kürzerer
Perioden sind allerdings bedeutende Abweichungen zu konstatieren. Der niedrigste
Wasserstand ist im März, April oder Mai, je nach der Eigenart des betreffenden
Jahres. Dann steigt das Wasser zu einem Maximum zwischen Juli und September
(35 bis 55 cm höher). Zwischen September und Dezember fällt der Wasserspiegel
wieder um 25 bis 40 cm. Ein zweites Maximum, meist in derselben Höhe wie im
Sommer oder etwas höher, folgt dann zwischen Dezember und März. Von da an
sinkt das Wasser auf das Niveau des Frühjahrs zurück. Es findet also im Jahre
2in zweifaches Steigen und Fallen des Meeresspiegels statt. Die Amplitude dieser
Schwankungen beträgt rund '/„ m. Bei dem ziemlich unbestimmten Zeitpunkt
des Maximums oder Minimums kann ein bestimmter Monat Maximum oder
Minimum des Wasserstandes haben. In Helsingfors beobachtete man z. B. im
März 1904 und 1905 tiefsten Stand des Niveaus, im März 1906 dagegen höchsten
Stand. Im ersten Falle haben wir das frühe Minimum des Früjahrs vor uns, im
letzteren das verspätete Maximum des Winters. Der relative Gang dieses
Phänomens bleibt meistens ungeändert, es tritt nur in gewissen Jahren eine
Verschiebung ein. Auffallend ist die Übereinstimmung in bezug auf die Größe
und den Zeitpunkt, mit der diese Erscheinung an den verschiedenen Orten der
finnischen Küste auftritt. Sie gibt auch den Schlüssel zu ihrer Erklärung. Es
handelt sich hauptsächlich um eine Volumänderung des Ostseewassers, deren
Ursache wieder im Winde zu suchen ist, und zwar im Winde über dem Skagerrak,
dem Ausgangstor der Ostsee. Die vom Februar bis April und Oktober bis No-