134 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
Art und müssen manche Erfahrungen unberücksichtigt lassen, daß sie wenig
mehr als hypothetischen Charakter haben. Die Zahlen ermöglichen die An-
nahme einer so starken Zirkulation, daß das Wasser dieser Meere in 2 bis
3 Jahren vollständig erneuert sein würde,
Temperatur. Die Temperaturverteilung an der Oberfläche und in 10 m,
20 m, 40 m, 60 m und 80 m Tiefe ist für die Monate Mai, August und November
dargestellt. Als Grundlage für die Karten dienen die Temperaturbeobachtungen
in 69 Stationen des Finnischen und Bottnischen Golfs und in der nördlichen
Ostsee während der 3 Jahre 1904 bis 1906 für die Monate Mai und November,
während der 7 Jahre 1903 bis 1909 für den Monat August, Auf Allgemein-
gültigkeit können besonders die Karten für Mai und November daher keinen An-
spruch machen. Ein bedauerlicher Mangel ist ferner der zeitliche Abstand der
einzelnen Beobachtungen. Die Werte für November sind im Bottnischen Meer-
busen am 1. bis 5. November beobachtet, im Finnischen Golf dagegen am 11. bis
16. November. Wenn dann auf der Karte der östliche Teil des Finnischen Golfs,
der am 16, November untersucht ist, kälter erscheint als die Bottenwiek, die am
1. November untersucht ist, so kann das sehr wohl in der während dieser Zeit
erfolgten Abkühlung begründet sein. Im Mai ist dagegen umgekehrt der
Finnische Golf zuerst untersucht und zuletzt die Bottenwiek. Trotz alledem
bilden die Karten ein wertvolles Material für die Kenntnis der allgemeinen
Temperaturverteilung in diesen Meeren,
Die sommerliche Erwärmung erstreckt sich nur auf die oberen Schichten.
Bis zu 20 m Tiefe wird durch die Wirkung der Konvektion vom Mai bis August
eine Temperaturerhöhung von 7° zustande gebracht. Zwischen 30 m und 60 m
beobachtet man allerdings auch noch eine geringe Erwärmung, die Temperatur-
erhöhung geht aber über 1° bis 2° nicht hinaus. Im Herbst dagegen wird die
Wärme des Oberflächenwassers durch die thermische Konvektion bedeutend tiefer
geführt infolge der geringen Dichteunterschiede der verschiedenen Tiefen und
der dadurch bewirkten veränderten Anordnung der Wasserschichten. Bis in
Tiefen von 60 m wird dann eine beträchtliche Erwärmung erzielt. Westlich von
Äland beobachtete man in 60 m Tiefe im August eine Temperatur von 3°, im
November dagegen 6°.
Das Temperaturmaximum wird an der Oberfläche und in 10 m Tiefe
natürlich im Sommer erreicht. Im August nimmt die Temperatur von der
Ostsee aus gegen das Innere des Finnischen Golfes stetig zu (von 14° bis 179.
Im Bottnischen Meerbusen sieht man dagegen allgemein eine Abnahme (von
14° bis 10°). An den Küsten beider Golfe ist infolge der starken Flußwasser-
zufuhr die Temperatur etwas höher als in der Mitte. Auch in 20 m Tiefe sind
die höchsten Temperaturen im Sommer beobachtet. In den Tiefen zwischen
40 m und 80 m tritt das Temperaturmaximum überall erst im Herbst auf, da
dann wegen der vorerwähnten, tiefer reichenden Konvektion größere Wärme-
mengen in die Tiefen geführt werden. In noch größeren Tiefen, z. B. im süd-
lichen Teil der Bottensee, wird die höchste Temperatur erst im Winter erreicht,
Das Temperaturminimum hat das Oberflächenwasser im Winter; die etwas tieferen
Schichten in der Bottenwiek, in der südlichen Bottensee, im Finnischen Golf
(zwischen 40 m und 60 m) und in der Ostsee zeigen im Frühjahr die niedrigsten
Temperaturen. In den beiden letzten Meeren sehen wir unterhalb 60 m, in der
Bottensee unterhalb 120 m das Minimum im Sommer, in den größten Tiefen der
Bottensee sogar erst im Herbst. Die jährliche Amplitude des Temperaturganges
wird naturgemäß mit der Tiefe kleiner. In den tiefsten Stellen der Bottenwiek
beträgt sie 2°, in der Ostsee unterhalb 120 m ungefähr 1°, Schließlich sei noch
auf die winterliche thermische Begünstigung der finnischen Seite des Bottnischen
Meerbusens gegenüber der schwedischen hingewiesen. Im November herrscht an
der finnischen Seite Nordstrom, der die Temperaturen auf einer Höhe von 5°
bis 6° erhält, an der schwedischen Seite dagegen Südstrom mit Temperaturen
von 4° bis 5°.
Verteilung des Salzgehalts. Eine charakteristische Erscheinung in diesen
Meeren ist die ganz allgemein beobachtete Zunahme des Salzgehalts mit der